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Klösterle sorgt für Überraschung

03.09.2013 Kultur
Alte Quellen ergaben: Cannstatter Klösterle war ein bürgerliches Wohnhaus - Jubiläumsausstellung zum 550-jährigen Bestehen informiert über Gebäudegeschichte

Gleich zwei Jubiläen gibt es dieses Jahr im Klösterle in Bad Cannstatt zu feiern: Das Gebäude besteht seit 550 Jahren, und das dort eingerichtete Stadtmuseum wird 25. Von Mittwoch, 4. September, bis zum 23. Februar informiert eine Ausstellung im Klösterle über die Historie des Gebäudes. Bei den vorbereitenden Recherchen hat das Kuratoren-Team des Stadtmuseums Stuttgart eine überraschende Entdeckung gemacht.

Neue Erkenntnisse

"Mit gravierend neuen Erkenntnissen über das Klösterle hat bei den Recherchen anlässlich des Jubiläums keiner von uns gerechnet - doch es kam anders", berichtet Olaf Schulze, einer der beiden Kuratoren der Ausstellung. Seit über 200 Jahren sind Historiker davon ausgegangen, dass das Klösterle von Beginen, einer ordensähnlichen Hausgemeinschaft ehelos lebender Frauen, genutzt wurde und zudem das älteste Wohngebäude auf Stuttgarter Gemarkung war. Beides stellte sich nun als Irrtum heraus. "Die drei Häuser mit Umfriedung wurden zwar im Volksmund seit dem 17. Jahrhundert Klösterle genannt, sind aber - wie wir jetzt wissen - tatsächlich nie ein Kloster oder Beginenhaus gewesen", so Olaf Schulze.

Die neuen Erkenntnisse verdanke man dem Historiker Jörg Heinrich aus Köln, der sich der Abschrift alter Kauf- und Steuerbücher widmet, erklärt Dr. Manfred Schmid vom Planungsstab Stadtmuseum Stuttgart. Auf Anfrage der Ausstellungskuratoren hat Jörg Heinrich die Quellen zur Geschichte des Klösterle in der heutigen Marktstraße 71 gesichtet. Dabei stellte er fest, dass das Gebäude in den alten Steuerbüchern nicht - wie bisher angenommen - als Beginenhaus vermerkt war. Die Kauf- und Steuerbücher belegen, dass das Klösterle mit seinen Nebengebäuden und dem Hofareal als bürgerliches Wohnhaus genutzt wurde.

Haus Brählesgasse 21

Dendrochronologische Untersuchungen alter Gebäude in Cannstatt haben zudem ergeben, dass das Haus Brählesgasse 21, unweit des Klösterle, zumindest in Teilen deutlich älter ist. Der Dachstuhl dieses kleinen, eher unscheinbaren Gebäudes stammt aus dem Jahr 1348, wenn auch die übrigen Stockwerke stark umgebaut wurden. Das Hauptgebäude des Klösterle wurde dagegen im Jahr 1463 errichtet, der schöne Erker erst 1476 angefügt. "Damit hat das Klösterle zwar seinen Status als ältestes Wohnhaus auf Stuttgarter Gemarkung verloren. Dennoch bleibt es ein interessantes und besonderes Gebäude, dessen Erhalt dem ehrenamtlichen Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger, vor allem aus den Reihen von Pro Alt-Cannstatt, zu verdanken ist", so Manfred Schmid.

Kleine Sensation

Für die Cannstatter kommt die neue Erkenntnis zur Gebäudenutzung einer kleinen Sensation gleich. Schließlich zählt das Haus zu den Wahrzeichen des Stadtteils und wurde zu Beginn der 1980er Jahre mit großem bürgerschaftlichen Engagement und unter persönlichem Einsatz des Architekten Hermann Kugler vor dem Abriss bewahrt. Vor 25 Jahren wurde in der wiederaufgebauten Klösterle-Scheuer das Stadtmuseum Bad Cannstatt eröffnet, das zuvor als Heimatmuseum Bad Cannstatt seit 1959 in der Wilhelmstraße ansässig war.

Doppeljubiläum

Zum Doppeljubiläum informiert das Stadtmuseum mit der aktuellen Ausstellung "550 Jahre Klösterle: Geschichte und Geschichten" anhand von Zeichnungen, Fotografien und Objekten über die wechselvolle Gebäude-, Besitzer- und Erhaltungsgeschichte von 1463 bis heute. Und gerade weil durch die neuen Erkenntnisse feststeht, dass das Klösterle kein Beginenhaus war, geht die Ausstellung den wenigen Spuren des Beginenwesens in Cannstatt nach.

Die Ausstellung "550 Jahre Klösterle: Geschichte und Geschichten" ist vom 4. September 2013 bis zum 23. Februar 2014 im Stadtmuseum Bad Cannstatt zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch von 14 bis 16 Uhr, Samstag von 14 bis 17 Uhr und Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Vorträge

In Kooperation mit dem Verein Pro Alt-Cannstatt gibt es im Rahmen der Ausstellung folgende Vorträge im Stadtmuseum Bad Cannstatt. Der Eintritt ist frei:

  • Am 24. Oktober, 19.30 Uhr referiert die Historikerin Claudia Weinschenk über "Beginenwesen früher und heute. Von mittelalterlicher Frömmigkeit bis zu modernen Frauenwohnprojekten".
  • Am 6. Februar 2014, 19.30 Uhr spricht Jörg Heinrich über das Thema "Das Cannstatter Klösterle und seine Besitzer. Neueste Forschungen zum 16. und frühen 17. Jahrhundert"

Öffentliche Führungen in der Sonderausstellung:

  •  9. Oktober 2013 um 16 Uhr mit Dr. Manfred Schmid,
  • 17. November 2013 um 15 Uhr mit Olaf Schulze,
  • 15. Januar 2014 um 16 Uhr mit Dr. Manfred Schmid,
  • 23. Februar 2014 um 15 Uhr mit Olaf Schulze.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Führung kostet 3 Euro. Weitere Informationen sowie Sonderöffnungszeiten während der Feiertage sind im Internet unter www.stadtmuseum-stuttgart.de abrufbar.

Pressekontakt

Pressevertreter, die Bildmaterial benötigen oder Rückfragen haben, können sich an die Leiterin des Planungsstabs Stadtmuseum, Dr. Anja Dauschek, Telefon 216-96400, E-Mail anja.dauschek@stuttgart.de wenden.

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