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Wohnanlage für Alleinerziehende wird 50 Jahre alt

20.09.2013 Aktuelles
Die Wohnanlage für Alleinerziehende in der Solitudestraße 49 hat am Freitag, 20. September, mit einem Festakt ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert.

Vor 50 Jahren war es ein Novum für eine Kommune, sich für "ledige Mütter", wie damals Alleinerziehende genannt wurden, in vorbildhafter Weise zu engagieren. Denn der Zeitgeist war alles andere als wertschätzend, wenn es um nicht verheiratete Mütter ging.

Ledige Mütter, und damit auch ihre Kinder, waren gesellschaftlich geächtet. Das zeigt die Tatsache, dass einer ledigen Mutter nicht zugetraut wurde, ihr Kind ohne die Kontrolle durch das Jugendamt zu erziehen, denn jedes Kind erhielt mit der Geburt automatisch einen Amtsvormund. Für nicht verheiratete Mütter, selbst wenn sie berufstätig waren, war es damals unmöglich, einen geeigneten Wohnraum zu finden.

Andere Akzeptanz

Einigen engagierten Kräften in der Stadtverwaltung ist es zu verdanken, dass im Jahre 1963 in der Solitudestraße in Weilimdorf der Grundstein für 36 Appartements mit jeweils 26 Quadratmetern Fläche für Mütter und Kinder gelegt wurde.

Seitdem hat ein enormer gesellschaftlicher Wandel stattgefunden. Längst ziehen nicht nur ledige Mütter in die Wohnanlagen ein. Mütter und Kinder wohnen seit dem Umbau in den Jahren 1994 bis 1998 in gut geschnittenen Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 56 Quadratmetern Fläche.

Nicht alle Alleinerziehenden fühlen sich den hohen Anforderungen, die das Leben mit einem Kind erfordert, gewachsen. Sie suchen nach Unterstützung, damit der Start ins Leben für ihre Kinder besser gelingt.

Manchmal ist die Hilfe durch die Wohnanlage notwendig, um einer körperlichen und seelischen Gefährdung der Kinder vorzubeugen und Abhilfe zu schaffen, wenn die kleine Familie hohen Belastungen ausgesetzt ist.

Stadt unterstützt finanziell

Die Unterstützung und Begleitung der Alleinerziehenden und ihrer Kinder wird derzeit durch zwei sozialpädagogische Fachkräfte geleistet, die von einer Hauswirtschaftskraft sowie einer Praktikantin und bei Bedarf für besondere Angebote durch geringfügig Beschäftigte unterstützt werden.

Die Stadt Stuttgart hat für den Betrieb der Wohnanlage Solitudestraße im vergangenen Jahr 326 000 Euro aufgewendet. Dem standen Einnahmen von 110 500 Euro durch Nutzungsentgelte und anderes gegenüber. Das entspricht einem Kostendeckungsgrad von etwa 34 Prozent. Das bedeutet, dass die Stadt die Alleinerziehenden und ihre Kinder jährlich mit etwa 216.000 Euro finanziell fördert.

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