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Das Ghetto von Riga

18.11.2013 Aktuelles
Das Stadtarchiv zeigt anlässlich des Gedenktags der ersten Deportation aus Stuttgart nach Riga im Dezember 1941 am Mittwoch, 27. November, um 18.30 Uhr im Bellingweg 21 den Film "'Wir haben es doch erlebt...' - das Ghetto von Riga" von Jürgen Hobrecht.

Der Regisseur ist anwesend und steht für ein Publikumsgespräch zur Verfügung.

Nach Riga verschleppt

Rund 25 000 Juden aus dem Deutschen Reich wurden während des Zweiten Weltkriegs nach Riga, im von deutschen Truppen besetzten Lettland, verschleppt. Am 27. November 1941 begann die Deportation der Stuttgarter und Württemberger Juden ins Sammellager auf dem Killesberg, dann am 1. Dezember 1941 nach Riga. Dort war noch ein Massaker an den im Ghetto internierten rund 27 000 Menschen im Gange; die Stuttgarter Deportierten wurden im improvisierten Lager Jungfernhof unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt. Viele wurden Ende März 1942 ermordet, nur wenige überlebten ein jahrelanges Martyrium.

Zeitzeugen erzählen

Der Filmemacher Jürgen Hobrecht hat über viele Jahre hinweg die Spuren der mit dem Namen "Riga" verbundenen Verbrechen und die mit ihnen verbundenen Schicksale recherchiert. Wesentliches Stilmittel des Films sind dialogisch montierte Zeitzeugenaussagen. Aus vielen Interviews entsteht die Erzählung der Deportation, der mehrjährigen Zwangsarbeit und täglichen Todesgefahr im Ghetto, der Odyssee durch die Lager, der Befreiung und schließlich der Frage, wie ein Überleben nach diesen unvorstellbaren Erlebnissen möglich ist. In New York konnte die 1922 in Stuttgart geborene Hannelore Marx, die wohl letzte Stuttgarter Überlebende, befragt werden.

Erinnerungsarbeit leisten

Winfried Nachtwei, MdB a.D., Vorstandsmitglied von "Gegen Vergessen - Für Demokratie" und Pionier der Erinnerungsarbeit an die Nazi-Verbrechen in Riga, charakterisiert Hobrechts Films als "den weltweit ersten Film, der das Schicksal der nach Riga verschleppten Juden aus dem Deutschen Reich und das Leiden der lettischen Gefangenen des Ghettos darstellt. Zudem thematisiert der Film die Verfolgung der lettischen Holocaust-Überlebenden unter der Sowjetherrschaft."

Riga-Komitee

Das Stadtarchiv vertritt die Landeshauptstadt Stuttgart im Riga-Komitee, einem im Jahr 2000 gegründeten Zusammenschluss von Orten, aus denen Menschen nach Riga deportiert worden sind. Die Koordination erfolgt durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 2001 wurde im Wald von Bikernieki am Stadtrand von Riga eine Gedenkstätte eingeweiht; dort veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge heute regelmäßig Workcamps mit deutschen und lettischen Jugendlichen. Dies wird auf der Film-DVD in einem Zusatzfilm dokumentiert.

Die Veranstaltung des Stadtarchivs Stuttgart wird in Kooperation mit der Regionalgruppe des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Baden-Württemberg und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart organisiert.