Presse
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Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen in Stuttgart

21.11.2013 Soziales
Landeshauptstadt Stuttgart und Terre des Femmes zeigen Probleme auf und stellen Aktivitäten vor

Welche Formen kann Gewalt gegen Frauen haben? An wen können sich Betroffene in Stuttgart wenden? Antworten auf diese Fragen gibt der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der in diesem Jahr - wie an vielen Orten dieser Welt - auch wieder in Stuttgart begangen wird. Der internationale Gedenktag findet jährlich am 25. November mit Aktionen und Veranstaltungen gegen Gewalt an Frauen statt. Anlässlich des Aktionstages präsentieren die Abteilung für individuelle Chancengleichheit für Männer und Frauen der Landeshauptstadt Stuttgart, der städtische Bürgerservice Leben im Alter Stuttgart sowie die Terre des Femmes Städtegruppe Stuttgart Aktivitäten, die auf die Probleme aufmerksam machen sollen.

Verschiedene Kooperationen

"Gewalt gegen Frauen hat vielfältige Ausdrucksformen: Körperverletzung, Demütigung, Beleidigung, Vernachlässigung, Vergewaltigung, sexuelle Misshandlung, Zwangsverheiratung, sexuelle Belästigung, aber auch Zwangs- und Armutsprostitution - um nur einige zu nennen", sagt Dr. Ursula Matschke, Leiterin der Abteilung für individuelle Chancengleichheit für Männer und Frauen der Stadt Stuttgart. "Der Abbau von Gewalt gegen Frauen und Männer ist deshalb ein Schwerpunkt der Arbeit der Abteilung. Sie erfolgt in unterschiedlichen Konstellationen und Kooperationen." Bereiche, in denen sich die Stadt engagiert, sind beispielsweise "Gewalt gegen Ältere und in der Pflege" sowie die "Häusliche Gewalt".

Viele ältere Menschen sind Gewalt ausgesetzt

Diese Themen werden beim diesjährigen Gedenktag näher vorgestellt: Im Bereich "Gewalt gegen Ältere und in der Pflege" gibt es hohen Handlungsbedarf. Rund 45.000 der 60 bis 84-Jährigen in Stuttgart- etwa 40 Prozent - waren in den vergangenen zwölf Monaten physischer, psychischer oder finanzieller Gewalt ausgesetzt. Das ergab die aktuelle Studie "Gewalt und Gesundheit bei älteren Menschen in Europa" der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. "Die Zahlen unterstreichen die Wichtigkeit von Hilfsangeboten", so Theresa Rütten, Leiterin des Bürgerservices Leben im Alter Stuttgart. Der Fachdienst ist in der Landeshauptstadt verantwortlich für alle Fragen älterer Menschen, auch für die von Gewalt und Vernachlässigung Betroffenen. In jedem Stadtteil gibt es Einrichtungen, in denen Betroffene und deren Angehörige kostenlos beraten werden.

Das Thema "Häusliche Gewalt in der Pflege" betrifft in erster Linie Frauen. "Etwa 80 Prozent der Pflegebedürftigen sind Frauen", sagt Matschke. Die städtische Gleichstellungsstelle und der Bürgerservice Leben im Alter Stuttgart haben 2010 einen Runden Tisch ins Leben gerufen, um Betroffenen und Pflegenden beratend zur Seite zu stehen. Viermal im Jahr kommen seitdem Beratungsdienste, Berufsverbände, Krankenkassen, der Medizinische Dienst der Krankenkassen, Pflegedienste, Polizei, der Stadtseniorenrat sowie weitere städtische Ämter zusammen. Bei dem Runden Tisch werden Angebote erarbeitet wie Vorträge zum Erkennen von Gewalt, Schulungen für Pflegedienstleitungen sowie ein anonymes Beratungstelefon für Pflegekräfte.

Stuttgart ist Vorreiter

Zudem wird Anfang 2014 ein strukturiertes Verfahren zur Prävention und zum Umgang mit Gewalt in der häuslichen Pflege eingeführt. Die erste Anlaufstelle für Betroffene sowie Pflegende sind die Stuttgarter Pflegestützpunkte. So sollen Betroffene in unterschiedlichen Gewaltkonstellationen- und situationen unterstützt werden können. Mit diesem Verfahren ist Stuttgart Vorreiter: Die Landeshauptstadt bietet als erste Kommune in Deutschland ein so umfassendes Hilfsangebot an - und gibt damit wichtige Impulse für andere Kommunen.

"Gewaltfreie Pflege"

Darüber hinaus engagiert sich Stuttgart in dem Projekt "Gewaltfreie Pflege" des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS). Hier werden in Stuttgart, Dortmund, Fulda und Potsdam kommunale Präventionsansätze entwickelt, die wissenschaftlich begleitet werden.

Viele Hilfsangebote

Auch für jüngere Frauen und Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, gibt es Hilfsangebote. Bereits seit 2001 koordiniert die Gleichstellungstelle die Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt. In Partnerschaften und Familien, in denen häusliche Gewalt auftritt und bekannt wird, greift die Polizei ein. Und das ist nicht selten der Fall: Im Jahr 2012 wurde stadtweit 599 Mal nach der Polizei gerufen. Zudem kam es zu 340 Wohnungsverweisen. Meist sind es die Männer, die bis zu 14 Tagen die gemeinsame Wohnung nicht mehr betreten dürfen. Um dem Problem zu begegnen gibt es für Opfer, Täter und Kinder entsprechende Beratungsangebote.

Präventionsprojekt

Mit dem Präventionsprojekt " Hinschauen-erkennen-handeln: Wir alle können etwas tun!" sollen Kinder und Jugendliche für das Thema häusliche Gewalt sensibilisiert werden. Durch das von der Robert Bosch Stiftung finanzierte Projekt lernen sie, sich bei Bedarf selbst Hilfe zu holen oder Betroffene in ihrem Umfeld zu unterstützen. Das Projekt wurde von der städtischen Gleichstellungstelle initiiert. Akteure aus dem sozialen Umfeld wie Nachbarn, Lehrer und Ärzte werden bei der Umsetzung einbezogen.

"Frei leben - ohne Gewalt"

Neben der Landeshauptstadt Stuttgart engagiert sich auch die Terre des Femmes Städtegruppe Stuttgart gegen Gewalt an Frauen. Schwerpunkt der diesjährigen Fahnenaktion "frei leben - ohne Gewalt" ist die sexualisierte Gewalt. "Vergewaltigung wird in den wenigsten Fällen angezeigt und selten bestraft, weil das Gesetz zu Vergewaltigung (§ 177 StGB) nicht eindeutig gefasst ist. Terre des Femmes fordert hier dringend eine Änderung", sagt Barbara Simons von der Terre des Femmes Städtegruppe Stuttgart.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Der internationale Gedenktag wurde 1999 von den Vereinten Nationen bestimmt. Hintergrund waren die schlimmen Gewaltaktionen an den Schwestern Mirabal, die nach monatelanger Folter am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst ermordet wurden.