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Erste Bilanz der Behindertenbeauftragten zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung

02.12.2013 Soziales
Barrieren in den Köpfen vieler Menschen sollen abgebaut werden Seit einem Jahr gibt es bei der Stadt Stuttgart eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung. In einer offenen Sprechstunde können sich Hilfesuchende spontan beraten lassen.

Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung, der am 3. Dezember stattfindet, hat die städtische Behindertenbeauftrage Ursula Marx gemeinsam mit Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, nach einem Jahr Tätigkeit eine erste Bilanz gezogen.

Die Beratungsstelle ist im Referat Soziales, Jugend und Gesundheit angesiedelt. Neben der Behindertenbeauftragten arbeitet dort eine zusätzliche Vollzeitkraft, die sich um Verwaltungsaufgaben kümmert.

"Wir wollen die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen fördern", so Bürgermeisterin Isabel Fezer.
"Dank der Arbeit unserer Behindertenbeauftragten ist das im vergangenen Jahr hervorragend gelungen. Zukünftige Projekte, wie die Verbesserung der Zugänge zum öffentlichen Personennahverkehr und der Ausbau barrierefreier Bezirksrathäuser, sollen das Leben für Menschen mit Behinderungen in Stuttgart noch attraktiver machen."

In der zentralen Anlaufstelle gibt es neben der offenen Sprechstunde auch die Möglichkeit feste Gesprächstermine zu vereinbaren. Auch eine telefonische sowie eine schriftliche Beratung sind möglich. Das Angebot der Beratungsstelle wird gut angenommen: In die offene Sprechstunde, die mittwochs von 9 bis 12 Uhr stattfindet, kamen bisher rund 150 Klienten, weitere 60 nahmen Termine nach Vereinbarung wahr. Zudem gab es im vergangenen Jahr über 1000 E-Mail-Kontakte sowie circa 260 telefonische Beratungen.

Die Themen sind so vielseitig wie die Lebenssituation der Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungsformen. Sie betreffen alle Lebensbereiche wie Wohnen, Arbeit und den Umgang mit Ämtern sowie Institutionen. Beschwerden gab es beispielsweise über die Zugänglichkeit des öffentlichen Personennahverkehrs und über die fehlende Barrierefreiheit in öffentlichen Bereichen.

"Ich suche nach Lösungsmöglichkeiten, hake nach, mache Vorschläge, aber ich greife nicht in laufende Verfahren ein", so Ursula Marx.

Sie übernimmt damit vielfach eine Ombudsfunktion. Marx pflegt eine gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung und Politik sowie Einrichtungen, Institutionen und Organisationen. So arbeitet sie beispielsweise mit dem Beratungszentrum für Hörgeschädigte, der Lebenshilfe Stuttgart, der Nikolauspflege - einem Kompetenzzentrum für Blinde und Sehbehinderte - sowie der Stuttgarter Straßenbahnen AG, dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart und der Deutschen Bahn zusammen.

Wahlmöglichkeiten, Selbstbestimmung und Teilhabe

Dem Motto des diesjährigen Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung "Nur mit uns - Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung" schließt sich Ursula Marx an. Wahlmöglichkeiten, Selbstbestimmung und Teilhabe stehen demzufolge im Mittelpunkt. Die Behindertenbeauftragte nutzte im vergangenen Jahr Vorträge und Podiumsdiskussionen, zum Beispiel an der Universität Stuttgart, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und beim Landestreffen Deutscher Verkehrsunternehmen, um das Thema Inklusion in den Köpfen der Menschen zu etablieren. Das will sie auch im kommenden Jahr fortsetzen.   

"Neben den sichtbaren müssen vor allem die Barrieren in den Köpfen vieler Menschen abgebaut werden. Verschiedenheit und Anderssein bereichert die Vielfalt in unserer Gesellschaft und muss positiver Bestandteil von Normalität werden", so Marx.
Nach der UN-Behindertenrechtskonvention ist der Abbau von Barrieren die wichtigste praktische Voraussetzung für die Teilhabe der Menschen mit Behinderung.

In ihrer zukünftigen Arbeit will sich die Behindertenbeauftrage neben der Verbesserung der Zugänge zum öffentlichen Personennahverkehr und dem Ausbau der Bezirksrathäuser auch dafür einsetzen, dass alle Friedhöfe und ihre Einrichtungen (Krematorium/Feierhalle) barrierefrei erreichbar werden. Zudem möchte sich Marx beispielsweise um die Entwicklung eines barrierefreien Onlinestadtführers kümmern und dafür sorgen, dass die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen verbessert wird.

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