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Präventionsprojekt gegen häusliche Gewalt

19.02.2014 Aktuelles
In Stuttgart startet jetzt die Umsetzungsphase des Präventionsprojektes gegen häusliche Gewalt "Hinschauen - Erkennen - Handeln: Wir alle können etwas tun!".

Projektbotschafterin ist Waltraud Ulshöfer, Ehefrau von Oberbürgermeister Fritz Kuhn. Konzipiert und durchgeführt wird das dreijährige Projekt von der Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern der Landeshauptstadt.
Die Förderung übernimmt die Robert Bosch Stiftung. Am Donnerstag, 20. Februar, findet die Auftaktveranstaltung in Zuffenhausen statt.

Schätzungen gehen davon aus, dass in zehn bis 30 Prozent aller Familien häusliche Gewalt auftritt. Demnach wären in Stuttgart zwischen 5500 und 16 500 Familien betroffen.

Doch auch zwölf Jahre nach Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes ist häusliche Gewalt noch immer ein Tabu-Thema, das zumeist als Privatangelegenheit abgetan wird. Noch immer wird weggeschaut, wenn Frauen Blessuren haben und nicht hingehört, wenn Kinder oder Jugendliche von Gewalterfahrungen erzählen. Hilfsangebote erreichen deshalb nur wenige der Betroffenen.

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Der Zuffenhausener Bezirksvorsteher Gerhard Hanus, Waltraud Ulshöfer, Ursula Matschke und Roman Rösch von der Robert Bosch Stiftung. Foto: Kern

Thema enttabuisieren

Hier wird das Präventionsprojekt "Hinschauen - Erkennen - Handeln: Wir alle können etwas tun!" ansetzen. Das Thema soll enttabuisiert und aus dem privaten Bereich geholt werden.
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie man häusliche Gewalt erkennt und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt. Kinder und Jugendliche sollen gestärkt werden, damit sie sich selbst Hilfe holen oder Betroffene in ihrem Umfeld unterstützen können.

Sie werden zudem befähigt, Konflikte gewaltfrei und fair zu lösen. Damit soll vermieden werden, dass sie als Erwachsene die Verhaltensmuster ihrer Eltern übernehmen und in der Folge die entsprechende Opfer- oder Täterrolle.

Das Projekt will außerdem verhindern, dass Kinder durch das Erleben von häuslicher Gewalt erschwerte Entwicklungsbedingungen und Benachteiligung erfahren.

Vorgesehen ist, das gesamte soziale Umfeld von Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren. Dazu zählen Schulen und Kitas, offene und mobile Jugendarbeit, religiöse und kulturelle Zentren, Vereine und Nachbarn. Es wird Fortbildungen, Kurse, Schulungen, Infoveranstaltungen und Vorträge geben.

Beispielsweise werden Expertinnen und Experten der Fachberatungsstellen für häusliche Gewalt Workshops für Lehrkräfte und Sozialarbeiter anbieten. Außerdem wird Informationsmaterial bereitgestellt.

Alle relevanten Träger, Einrichtungen und Organisationen in einem Bezirk sollen entsprechend vernetzt werden.

Kinder und Jugendliche stärken

"Mit unserem Projekt wollen wir hauptsächlich das soziale Umfeld sensibilisieren und Hilfestellung anbieten, damit nicht hilflos weggeschaut, sondern unterstützend gehandelt werden kann - vom besten Freund, bis hin zur Beratungsstelle", sagt die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Ursula Matschke.

Aus Sicht von Projektbotschafterin Waltraud Ulshöfer ist es ein überzeugendes, nachhaltiges Projekt, weil es Handlungslinien aufzeigt, wie Kinder und Jugendliche gestärkt werden können und der Gefahr begegnet wird, dass sich Gewalttätigkeit über Generationen hinweg fortsetzt.

"Der Schutz von Kindern vor der Gewalterfahrung im Elternhaus wird konsequent zu Ende gedacht. Das Projekt setzt auf die Achtsamkeit aller Personen im Lebensumfeld von Kindern. Es ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe, Kinder, die zu Hause Gewalt erleben, mit ihrer emotionalen Verunsicherung nicht alleine zu lassen", so Ulshöfer.

Vernetzung wichtig

Dr. Roman Rösch von der Robert Bosch Stiftung sieht den Vernetzungsgedanken als Grundlage für das erfolgreiche Handeln: "Wir müssen dafür sorgen, dass alle gemeinsam, Bürger, Schulen und staatliche Stellen, zum Wohl der Kinder zusammenarbeiten. Der Schule, als einem der wichtigsten Akteure im Stadtteil, kommt dabei besondere Bedeutung und Verantwortung zu."

Die Auftaktveranstaltung des Präventionsprojektes richtet sich an Fachkräfte und Multiplikatoren aus dem Bezirk. Zuffenhausen wurde als erster Stadtteil ausgewählt, weil hier überdurchschnittlich viele Familien mit Kindern unter 18 Jahren wohnen, alle Schularten vertreten sind, die mobile und offene Jugendarbeit im Bezirk aktiv ist und es eine sehr engagierte Bürgerschaft gibt.

Der Bezirksvorsteher von Zuffenhausen, Gerhard Hanus, unterstützt das Projekt: "Über die Wertschätzung der Arbeit im Stadtbezirk habe ich mich gefreut und sehe in der Teilnahme die Möglichkeit, viel Positives für Kinder und Jugendliche, aber auch für deren Eltern zu entwickeln."

Das Präventionsprojekt kooperiert mit dem Projekt Sunia Geel 2, das im Rahmen des EU-Förderprogramms Daphne III zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen gefördert wird.

Die Projekterfahrungen und Methoden werden so in Irland, Italien, Österreich und Rumänien zur Verfügung gestellt. Damit trägt Stuttgart europaweit dazu bei, häuslicher Gewalt zu begegnen.