Presse
  •  

Daniel Moreira und Clara Iannotta erhalten Kompositionspreis

18.03.2014 Aktuelles
Der 59. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart 2014 geht an den in Stuttgart lebenden Komponisten Daniel Moreira und die in Berlin lebende Komponistin Clara Iannotta. Um den Preis hatten sich 21 Komponistinnen und 52 Komponisten mit insgesamt 139 Werken beworben.

Daniel Moreira wird für sein Werk "Emergency Procedures" für großes Ensemble, vier Solisten und Elektronik (2013) mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Er erhält 7000 Euro Preisgeld. Der zweite, mit 5000 Euro dotierte Preis, geht an Clara Iannotta aus Berlin für ihr Werk "Clangs" für Violoncello und 15 Musiker (2012). Die Kompositionen werden beim Preisträgerkonzert im Rahmen des Festivals Neue Musik Stuttgart ECLAT (5. bis 8. Februar 2015) im Stuttgarter Theaterhaus aufgeführt. In diesem Rahmen findet auch die Übergabe der Urkunden an die beiden Preisträger statt.

"Daniel Moreira überzeugte vor allem durch die ungewöhnliche Besetzung seines Werks mit vier Solisten und einem Ensemble", begründet die Jury ihre Entscheidung und verweist darauf, "dass Moreira Parallelen und Unterschiede zwischen der kunstvollen Ausführung der Instrumentalisten und dem Gestenrepertoire des Alltags hervorhebt, für die er eine gleichermaßen humorvolle und kompositorisch vollendete Form gefunden hat". Clara Iannotta hat für ihr Stück "Clangs" einen "ganz persönlichen, fragilen Klang entwickelt", sodass die Komposition "nicht nur die Farben des Ensembles auf ungewöhnlich feinsinnige Art aushorcht, sondern auch viele spielerische Elemente enthält und so eine fruchtbare Praxis der Ensemblekomposition für das 21. Jahrhundert vorstellt".

Der Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart ist aktuell mit 12 000 Euro dotiert. Er kann in einem oder in zwei Teilen vergeben werden. Die Stadt Stuttgart schreibt ihn seit 1955 jährlich aus. Er ist Deutschlands ältester Preis für Komponisten Neuer Musik. Zu seinen Besonderheiten zählt, dass die Preisverleihung mit der Aufführung der Werke verbunden ist. "Dies passt zu Stuttgart", stellt Kulturamtsleiterin Dr. Birgit Schneider-Bönninger fest. "Man legt Wert auf Kontinuität und fördert Innovationen langfristig und konsequent." Preisträger waren unter anderem Helmut Lachenmann, Peter Ruzicka, Aribert Reimann, Younghi Pagh-Paan und Adriana Hölszky. "Damals wie heute haben wir das Ziel, Komponistinnen und Komponisten zu fördern und der zeitgenössischen Musik den Weg ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu ebnen."

Mitglieder der vom Gemeinderat berufenen Jury sind Dr. Eleonore Büning (Musikwissenschaftlerin und Musikredakteurin ), Andreas Dohmen (Komponist), Björn Gottstein (Vertreter des SWR), Dr. Winrich Hopp (Künstlerischer Leiter des "Musikfest Berlin" und der Reihe "Musica Viva" des Bayerischen Rundfunks), Professor Marco Stroppa (Vertreter der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart), Professor Jörg Widmann (Komponist und Klarinettist) sowie Professorin Dr. Rebecca Saunders. Den Vorsitz hatte die Leiterin des Kulturamts, Dr. Birgit Schneider-Bönninger.

 

Zu den Preisträgern

Daniel Moreira

Daniel Moreira, 1984 in Brasilien geboren, ist Komponist und Dirigent zeitgenössischer Musik. Nach einem Studium der Physik studierte er Komposition und Musiktheorie in Brasilien, den USA und an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg sowie der Musikhochschule Stuttgart. Er nahm an zahlreichen Meisterkursen und Workshops von Komponisten und Ensembles der Neuen Musik teil, darunter Brian Ferneyhough, Georges Aperghis, Chaya Czernowin, Rebecca Saunders, Mark Andre und Claus-Steffen Mahnkopf sowie Ensemble Modern, Ensemble Recherche, Musik Fabrik und Elision Ensemble.

Seine Kompositionen umfassen eine breite Palette von Besetzungen und wurden mehrmals ausgezeichnet. Als Dirigent studierte Daniel Moreira in den USA bei Robert Carnochan, in Deutschland bei Lorenz Nordmeyer. Er ist Gründer und Hauptdirigent des Neuen Musik Ensembles Volumina Consort, das schon Werke von Komponisten aus mehr als sieben Ländern uraufgeführt hat. 2008 wurde er als Produktionsdirektor des Festivals Contemporänea-RS nominiert, und von 2010 bis 2011 war er Mitorganisator der Hamburger Langen Nacht der Neuen Werke von Komponisten der HfMT Hamburg. Daniel Moreira forscht zudem zur Interaktivmusik. Seine Software "DFM Granuloma" für Echtzeit-Klangverbreitung wurde mit dem ersten Forschungspreis der Universidade Federal do Rio Grande do Sul in Brasilien ausgezeichnet. Zudem schrieb er zahlreiche Essays und Aufsätze über Akustik sowie über Komposition, Ästhetik, Spektrale und Elektroakustische Musik. Er lebt in Stuttgart und arbeitet als Dozent für Akustik und Instrumentenkunde an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

 
Clara Iannotta

Clara Iannotta, 1983 in Rom geboren, studierte am Conservatorio Santa Cecilia in Rom Flöte und Komposition. Studien am IRCAM und am Conservatoire National Supérieur de Paris schlossen sich an. Vor allem aus persönlichen Begegnungen mit Alessandro Sobiati in Mailand, Yan Maresz am IRCAM sowie Franck Bedrossian und Steven Takasugi zieht sie Gewinn für ihr eigenes kompositorisches Fortkommen. Clara Iannotta nahm an Meisterkursen mit Brian Ferneyhough, Mark Andre, Chaya Czernowin, Beat Furrer, Hanspeter Kyburz und anderen teil und arbeitete regelmäßig mit Ensembles aus dem Bereich der Neuen Musik zusammen. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, darunter "Movin' Up" in Italien und am Centre International Nadia et Lili Boulanger in Frankreich. Zurzeit ist Clara Iannotta Composer in Residence im Künstlerdorf Schöppingen.

Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.stuttgart.de/kompositionspreis sowie den Homepages der Preisträger www.daniel-moreira.com und www.claraiannotta.com.