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Literaturpreis für Ulrike Edschmid und Joachim Kalka

28.03.2014 Kultur
Der Johann Friedrich von Cotta-Literatur- und Übersetzungspreis der Stadt Stuttgart geht 2014 an die Schriftstellerin Ulrike Edschmid und den Übersetzer Joachim Kalka. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am 27. März beschlossen. Die Preisverleihung findet am 9. Juli um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses statt. Der Cotta-Literatur- und Übersetzungspreis wird alle drei Jahre verliehen und ist mit insgesamt 20 000 Euro dotiert.

Die Schriftstellerin Ulrike Edschmid wird für ihr Werk "Das Verschwinden des Philipp S.", eine Biografie über einen Mann aus dem RAF-Milieu ausgezeichnet. "Mit Präzision und Sinn für Dramatik, wie auch fürs lebendige Detail, ist diese Geschichte recherchiert. Jeder Satz, jede Einstellung verrät überragend stilistische, bei aller Spannung nahezu altmeisterliche Umsicht der Komposition", heißt es in der Begründung der Jury. Das Buch sei eine hoch konzentrierte Trauerarbeit nach vierzig Jahren. Was diese autobiographische Erzählung von anderen 68er Erinnerungen unterscheide, sei der Roman darin - "Roman verstanden als Liebesvorrang in den Wirren der Politik".

Der 1948 in Stuttgart geborene und mit dem Cotta-Übersetzungspreis ausgezeichnete Joachim Kalka sei ein "Hommes de Lettre, den Bildung und Geschmack ebenso auszeichnen wie Einfühlsamkeit und ein untrügliches Gehör für den Duktus poetischer Sprache". Sein übersetzerisches Werk besteche durch Vielfalt, Gehalt und Umfang. In den mehr als dreißig Jahren seines Wirkens habe er sich um die Vermittlung englischer, amerikanischer und französischer Literatur verdient gemacht und in den unterschiedlichsten literarischen Gattungen bewährt. "Joachim Kalka findet noch für die modernste Idiomatik ein überzeugendes Äquivalent im Deutschen und versteht es dazu, das Besondere eines Stils zu wahren", so die Jury. Er verhelfe auf diese Art und Weise der anglo-amerikanischen Literatur zu authentischer Wirkung auch in Deutschland.

Der Jury gehörten neben der Vorsitzenden Dr. Susanne Eisenmann, Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, die Autorin Dr. Ulrike Draesner, die Literaturkritikerin Nicole Golombek, die Literaturwissenschaftlerin Dr. Claudia Schmölders, der Übersetzer Michael Walter sowie Mitglieder des Gemeinderates und der Kulturverwaltung an.

Weitere Informationen unter www.stuttgart.de/cotta-literaturpreis.

Biographie Ulrike Edschmid

Ulrike Edschmid, geboren 1940 in Berlin, wuchs bei ihrer Mutter in einer hessischen Burgruine in der Rhön auf. Sie studierte Literatur- und Erziehungswissenschaft in Frankfurt am Main, wechselte später zur Film- und Fernsehakademie in Berlin, arbeitete danach kurze Zeit im Schuldienst.

Zu schreiben begann sie 1990 mit einer Selbstermunterung "Diesseits des Schreibtischs. Lebensgeschichten von Frauen schreibender Männer". Ihr 1992 erschienenes Buch "Verletzte Grenzen" überliefert in langen Interviews das politische Schicksal von Lotte Fürnberg und Monica Huchel aus der DDR. Auch das 1996 veröffentlichte Buch "Frau mit Waffe" galt weiblichen Aktivistinnen: Astrid Proll und Katherina de Fries.

Ende der 90er Jahre setzte sie ihrem Schwiegervater Kasimir Edschmid und seiner Geliebten Erna Pinner, einem Traumpaar der zwanziger Jahre, ein Denkmal in Briefen. Eine Art Paarbiographie ist auch die surreale Erzählung "Nach dem Gewitter" (2003) über anonyme Hochzeitsfotos. Der Roman "Die Liebhaber meiner Mutter" von 2006 wurde schließlich ein vielfach gelobter autobiographischer Text, der die romantische Burg, die lebensfrohe Mutter und die Menschen in der Rhön, mit genauer Sympathie zeichnete.

Biografie Joachim Kalka

Joachim Kalka, geboren 1948 in Stuttgart, lebt als Kritiker und Übersetzer seit 2013 in Leipzig. Die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung verlieh ihm für sein Übersetzungswerk 1996 den Johann-Heinrich-Voß-Preis und wählte ihn im folgenden Jahr zum Mitglied. Kalka gehörte selbst jahrelang der Jury zur Verleihung des Cotta-Übersetzungspreises an. Der Stuttgarter Literaturszene ist er nach wie vor verbunden und häufig als Moderator und Essayist zu sehen.

Von ihm herausgegeben und übersetzt erschienen im Berenberg Verlag Leon Blums Erinnerungen an die Dreyfus- Affaire "Beschwörung der Schatten", und unter dem Titel "Die Wildnis des häuslichen Lebens" eine Auswahl der Essays von Gilbert K. Chesterton.

Kalka übersetzte außerdem Werke von Edwin Abbott Abbott, Martin Amis, Perry Anderson, Max Beerbohm, Fernand Braudel, Guillermo Cabrera Infante, Angela Carter, Gilbert K. Chesterton, Jim Crace, Michael de Larrabeiti, Peter Demetz, Bret Easton Ellis, Charles Grandison Finney, Jean Giraudoux, Ernst H. Gombrich, Charles Grandison Finney, Henry Green, Nathaniel Hawthorne, Joseph Heller, Christopher Hitchens, Russell Hoban, Christopher Hope, Michael Innes, Christopher Isherwood, John Maynard Keynes, Christopher John Koch, Wayne Koestenbaum, Abbott J. Liebling, Arthur Machen, George Meredith, Frank Plumpton Ramsey, Gilbert Sorrentino, James Stephens, Barbara Strachey, Kay Thompson, Jeff Torrington und William Foote Whyte.

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger

1978: Schriftsteller: Dr. Werner Dürrson und Roland Lang; Übersetzer: Fritz Vogelgsang

1980: Schriftsteller: Irmela Brender und Margarete Hannsmann; Übersetzer: Otto Bayer

1982: Schriftsteller: Friederike Roth und Franz Mechsner; Übersetzerin: Ragni Maria Seidl-Gschwend

1984: Schriftsteller: Otto Jägersberg und Dr. Jochen Kelter; Übersetzer: Hans Hermann

1986: Schriftsteller: Walter Helmut Fritz und Dr. Christoph Lippelt; Übersetzerin: Elke Weh

1988: Schriftsteller: Ludwig Greve und Hanns-Josef Ortheil; Übersetzerin: Maria Csollán

1990: Schriftstellerin: Zsuzsanna Gahse und Johannes Poethen; Übersetzerin: Rosemarie Tietze

1992: Schriftstellerin: Tina Stroheker und Rolf Vollmann; Übersetzerin: Helga Pfetsch

1994: Schriftsteller: Albrecht Goes und Reinhard Gröper; Übersetzerin: Barbara Henninges

1996: Schriftstellerin: Maria Beig; Übersetzer: Willi Zurbrüggen

1998: Schriftsteller: Dr. phil Hermann Kinder; Übersetzerin: Hildegard Grosche

2000: Schriftsteller: Peter O. Chotjewitz; Übersetzer: Nikolaus Stingl

2002: Schriftsteller: Dr. Jürgen Lodemann; Übersetzer: Dr. Ralph Dutli

2005: Schriftstellerin: Dr. Petra Morsbach; Übersetzer: Michael Walter

2008: Schriftsteller: Egon Schwarz; Übersetzer: Hartmut Köhler
2011: Schriftsteller: Günter Herburger; Übersetzerin: Claudia Ott