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Projekt "FamilienRat" wird Regelangebot des Jugendamtes

31.03.2014 Soziales
Der "FamilienRat" ist ein Angebot des Jugendamtes, das Familien stärkt: Familien, Verwandte und Freunde treffen sich unter Begleitung eines FamilienRats-Koordinators, um aktuelle Schwierigkeiten gemeinsam zu diskutieren und eigene Lösungsideen zu entwickeln.
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Die Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, Isabel Fezer, hat das Projekt, das im April 2010 begann, nun in die Regelangebote des Jugendamtes übergeben.

"Sie engagieren sich, um abseits Ihrer eigenen beruflichen Anforderungen Kindern und Jugendlichen gute Perspektiven zu ermöglichen. Sie tragen dazu bei, dass unsere Gesellschaft das ‚Mit-Einander' wichtig nimmt", so die Bürgermeisterin an die Adresse der FamilienRats-Koordinatoren. Die Koordinatoren sind speziell geschulte Bürger, die diese Tätigkeit gegen ein Honorar übernehmen.

Im Mittelpunkt des FamilienRats steht der Gedanke, Familien und ihr Umfeld zu aktivieren und ihre Selbstbestimmung zu fördern. Die notwendige Unterstützung für Kinder und Jugendliche erhält auf diese Weise eine breitere Basis. Bei der Vorbereitung ihres FamilienRates wird die Familie von einem FamilienRats-Koordinator begleitet. Die Familie klärt mit dieser Unterstützung, wann, wo und mit wem sie den Rat abhalten möchte und trifft alle notwendigen Vorbereitungen für ein konstruktives Treffen.

Die Anlässe für einen FamilienRat sind vielfältig: Zum Beispiel, wenn ein Elternteil bei der Erziehung ausfällt oder wenn Eltern sich trennen und es Streit um Lösungsmöglichkeiten gibt. Für die Familien ist das Angebot kostenfrei, es wird ihnen über die Beratungszentren des Jugendamtes und das FamilienRats-Büro vermittelt.

Die Idee zum FamilienRat stammt ursprünglich aus Neuseeland (Family Group Conferencing), wurde mittlerweile in vielen europäischen Ländern übernommen und wird seit 2007 auch in Deutschland praktiziert.

Modell aus den Niederlanden false

Der Stuttgarter FamilienRat orientiert sich am Modell der "Eigen-Kracht-Konferenzen" in den Niederlanden. Dort ist das Konzept gesetzlich verankert, wie im Übrigen auch in der UN-Kinderrechtskonvention, wo es im Kommentar zum Artikel 19 empfohlen wird.

Derzeit haben 30 Frauen und zehn Männer zwischen 23 und 66 Jahren die Ausbildung in FamilienRats-Koordination absolviert. Sie sprechen 16 unterschiedliche Sprachen: Arabisch, Deutsch, Englisch, Ewondo, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Niederländisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Tamil, Türkisch, Vietnamesisch. Den Familien in Stuttgart in ihrer Vielfalt steht dadurch eine große Bandbreite unterschiedlicher Lebensrealitäten, Kulturen und Sprachen im FamilienRat zur Seite.

Die 121 FamilienRäte, die bisher gestartet sind, wurden überwiegend positiv bewertet: Familien konnten sich mit Hilfe von Verwandten und Freunden, die sich im FamilienRat zusammenfanden, in einem höherem Maße selbst helfen, als dies anfangs zu vermuten war. Sie fanden auch in sehr konflikthaften Situationen zu gemeinsamen Entscheidungen, denen die Fachkräfte ausnahmslos zustimmen konnten. Waren professionelle Hilfen erforderlich, konnten diese passgenauer erbracht werden. Die Familien wurden so gestärkt und konnten ihre Selbsthilfe aktivieren. Folglich konnte auch die Jugendhilfe begrenzt werden.