Presse
  •  

Änderungen bei der "Berufsbezogenen Sprachförderung"

17.04.2014 Bildung

Die neue Förderperiode des Europäischen Sozialfonds (ESF) 2014 bis 2020 für das Programm "Berufsbezogene Sprachförderung" bringt Änderungen auch für die Landeshauptstadt Stuttgart mit sich. Denn zukünftig werden von dieser Förderung alle Personen ausgeschlossen, die nicht Leistungsbezieher nach SGB II oder SGB III oder aber von Arbeitslosigkeit bedroht sind.


Für Stuttgart bedeutet dies konkret, dass laut Mitteilung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge alle Anträge der laufenden Förderperiode mit Wirkung vom 31. März 2014 gestoppt werden müssen. Damit werden rund 800 Personen zurückgewiesen, die einen Sprachkurs zur beruflichen Integration besuchen wollten.

 Stuttgart war bisher in der Umsetzung des ESF-Programms "Berufsbezogene Sprachförderung" bundesweit die erfolgreichste Stadt. Seit 2009 erhielten hier rund 2500 Menschen mit Migrationshintergrund eine berufsbezogene Sprachförderung. Das Stuttgarter Konzept ist durch seine spezielle Struktur einzigartig in der Bundesrepublik: Die Arbeitsförderung des Referats Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen koordiniert und steuert das ESF-Programm im Fördergebiet. Ein Netzwerk von zehn Trägern vor Ort bietet die Kurse an und eine Erstanlaufstelle sichert Interessierten ein Profiling und die Zuweisung in die passgenauen Kurse zu.

Insbesondere Kurse für Beschäftigte beziehungsweise angeworbene Fachkräfte aus dem Ausland wurden in den letzten Jahren immer häufiger angefordert. In Stuttgart bestehen vielfältige Kooperationen mit Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, wissenschaftlichen Instituten und Firmen, die Kurse für ihre Beschäftigten anbieten und damit dem Fachkräftemangel entgegenwirken wollen.

Die jetzigen Änderungen bedeuten auch, dass alle bisher aufgebauten und bestehenden Strukturen bis zum Beginn der neuen Laufzeit im Januar 2015 eingestellt, die Kontakte zu Kliniken, Pflegediensten, Unternehmen und wissenschaftlichen Instituten unterbrochen werden. Die jeweiligen Kursträger müssen ihrerseits Dozenten und Räume kündigen - so entsteht eine Angebotslücke von mindestens einem Jahr. Die Erstanlaufstelle muss ihre Tätigkeit mit sofortiger Wirkung einstellen.

Dies widerspricht allen arbeitsmarktpolitischen Überlegungen, da insbesondere die Integration von angeworbenen Fachkräften für den Wirtschaftsstandort Stuttgart dringend notwendig ist. Ferner registriert Stuttgart einen starken Anstieg der Flüchtlingszahlen. Diese Menschen werden zukünftig von einem Spracherwerb zur Integration in den Arbeitsmarkt ausgeschlossen, ebenso arbeitssuchende Personen, die keine Leistungen nach SGB II oder SGB III erhalten. Dies betrifft beispielsweise die durch eine Heirat zugewanderten Frauen, deren Ehegatten das Einkommen der Familien sichern. Auch diese Zielgruppe, deren Integration erwünscht und erforderlich ist, wird zukünftig nicht mehr an berufsbezogenen Sprachkursen über die
ESF-Förderung teilnehmen können.

Die Änderungen haben im gesamten Bundesgebiet massive Kritik hervorgerufen. Weitere Informationen zum Thema gibt Isabel Lavadinho, Leiterin der städtischen Arbeitsförderung und Koordinatorin des Programms, unter Telefon 216-60619 oder per E-Mail: Isabel.lavadinho@stuttgart.de.