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100 Jahre Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung in Stuttgart

16.05.2014 Aktuelles
Das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung wird 100 Jahre alt: 1914 wurde in Stuttgart mit dem sogenannten "Stadterweiterungsbüro" die erste kommunale Institution für Stadtplanung geschaffen.

Das Jubiläum ist am Freitag, 16. Mai, mit einem Festakt im Rathaus gefeiert worden. Den Festvortrag hielt Professor Franz Pesch vom Städtebaulichen Institut der Universität Stuttgart über "Stadträume in Stuttgart im Spannungsfeld von Plan und Markt". Eine Ausstellung macht ab Montag, 19. Mai, im zweiten Obergeschoss die Entwicklung der Stadtplanung seit 1914 anschaulich. Außerdem erscheint das Buch "Plan - Zeit - Räume. 100 Jahre Stadtplanung und Stadterneuerung in Stuttgart".

Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte zum Jubiläum: "Stadtplanung ist heute eine ungeheuer komplexe, schwierige Aufgabe, die das städtische Amt mit seinen rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortungsvoll und engagiert wahrnimmt." Das Amt habe eine Schlüsselstellung, so der OB: "Gerade auch von den Stadtplanern hängt es ab, wie sich Stuttgart als attraktive und grüne Großstadt weiterentwickelt, ob sich die Bürger wohl fühlen, es den notwendigen Wohnraum gibt, ob die Wirtschaft genügend Entfaltungsmöglichkeiten vorfindet."

Reaktion auf Proteste der Bürger

Mit der Einrichtung des "Stadterweiterungsbüros" im Juli 1914 reagierte die Stadt auf Proteste von Stuttgarter Bürgern. Unterstützt durch namhafte Persönlichkeiten und die Architektenschaft, hatten sie die Bildung eines eigenen Amts zur Planung der Stadterweiterungen gefordert. Zuvor oblag diese Aufgabe dem herzoglichen, beziehungsweise königlichen, Hofbaumeister.

Unter der Leitung von Adolf Muesmann begann das Stadterweiterungsbüro 1914 mit der Arbeit. Schon im Jahr 1915 wurde es durch eine Modellwerkstatt erweitert, um städtebauliche Zusammenhänge plastischer darstellen zu können.

Im Lauf der vergangenen 100 Jahre wurde das Amt immer wieder umstrukturiert und den politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten und Umständen angepasst. Während des Nationalsozialismus fasste die Stadt 1936 das Stadterweiterungsbüro mit dem Baupolizeiamt zusammen und benannte es in "Stadtplanungsamt" um. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die beiden Ämter jedoch wieder eigenständig.

Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung

Im Jahr 2003 beschloss der Gemeinderat, das Stadtplanungsamt und das Amt für Stadterneuerung, dem Nachfolger des 1968 geschaffenen Amts für Bodenordnung, zusammenzuschließen. Aus dieser Fusion entstand das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, das in dieser Form bis heute besteht.

Inzwischen hat das Amt etwa 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die in acht Abteilungen beschäftigt sind. Kurze Wege verbinden die Fachleute in Querschnittsbereichen für Stadtentwicklungs- und Flächennutzungsplanung, Grünordnungsplanung, Verkehrsplanung, Stadtgestaltung, Planungsrecht und Denkmalschutz mit denen der Bauleitplanung in den vier Planungsabteilungen.

"Zukunfstfähige Strategien müssen flexibel sein"

Matthias Hahn, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, sagte zum Jubiläum des Amts: "Die wechselvollen Zeiten in den letzten hundert Jahren lehren uns, dass zukunftsfähige Strategien flexibel sein müssen. Die planerischen Konzepte sollen die Zielrichtung und den Rahmen für die Entwicklung vorgeben, Maßnahmen definieren und ohne Aufgabe von Grundsätzen korrekturfähig bleiben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung sind in hohem Maße engagiert, unsere schöne Stadt mit hohem Wohn-, Bildungs-, Arbeits- und Freizeitwert weiterzuentwickeln."

Das Amt bereitet für sein Aufgabenspektrum die Entscheidungen des Gemeinderats vor. Insbesondere sind es die wöchentlichen Sitzungen des Umwelt- und Technikausschusses, in denen jährlich etwa 200 Vorlagen des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung beraten werden. Für besondere städtebauliche Entwicklungen oder Bereiche tagen zudem mehrere Unterausschüsse, beispielsweise für das Leonhardsviertel oder den NeckarPark, die vom Amt vor- und nachbereitet werden. Dasselbe gilt für den Städtebauausschuss als Gremium von Mitgliedern des Gemeinderats und sachkundiger Bürgerinnen und Bürger, der mehrfach jährlich zusammentrifft.

Service für die Bürger

Über die vielfältigen Aufgaben des Amts und sein großes Serviceangebot wird auf www.stuttgart.de/stadtplanung ausführlich informiert. Für die namhaften aktuellen Projekte in der Arbeit des Amts gibt es etwa halbjährlich einen Newsletter, in dem neben der Projektbeschreibung auch die jeweiligen Ansprechpartner genannt werden.

Darüber hinaus werden alle neuen Bebauungspläne nach der Ankündigung im Internet und Amtsblatt in der Planauslage ausgestellt. Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, vor Ort oder über ein Online-Formular im Netz Anregungen dazu einzubringen. Dasselbe gilt auch für Änderungen des Flächennutzungsplans. Im Vorfeld der Bauleitplanung für exponierte Projekte, insbesondere im Wohnungsbau, werden betroffene und interessierte Bürger in Planungswerkstätten einbezogen.

Die regionale und überregionale Architektenschaft wird vom oder in Kooperation mit dem Amt über städtebauliche Wettbewerbe an der Stadtplanung beteiligt, wenn es sich um stadtbildprägende Vorhaben handelt.

Die Vorhaben der Stadterneuerung, Sanierungsgebiete und insbesondere im Rahmen des Förderprogramms "Soziale Stadt" entwickelten Bereiche, werden ebenfalls von intensiver Bürgerbeteiligung begleitet. Ein professionelles Stadtteilmanagement arbeitet direkt vor Ort.

In Stuttgart gibt es etwa 4500 Kulturdenkmale, zumeist Wohngebäude. Die Untere Denkmalschutzbehörde prüft und genehmigt unter anderem Anträge zum Umbau und erteilt wenn möglich steuermindernde Bescheide. Sie berät und informiert - auch vor Ort.

Programm des Festakts mit "Planungszirkus"

Der Festakt im Großen Sitzungssaal des Rathauses begann um 16 Uhr mit Grußworten von Oberbürgermeister Fritz Kuhn und dem Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Matthias Hahn. Anschließend sprachen der Leiter des Amts, Dr.-Ing. Detlef Kron, und die Personalratsvorsitzende im Amt, Susanne Böhm, sowie Professor Franz Pesch vom Städtebaulichen Institut der Universität Stuttgart.

Für die künstlerische Begleitung des Programms sorgte der Zirkus Zarafatzki vom Kinder- und Jugendhaus Fasanenhof mit Darbietungen unter dem Motto "Der Planungszirkus".

Eine Besonderheit waren auch die kulinarischen Leckerbissen beim Fingerfood-Buffet, die im Rehabilitationszentrum Rudolf-Sophien-Stift gGmbH zubereitet worden waren. Das Stift ist eine Einrichtung zur medizinischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation psychisch erkrankter Erwachsener in Stuttgart. Es betreibt zum Beispiel auch das "Rudolfs" im Treffpunkt Rotebühlplatz.

Ausstellung im Rathaus

Über 100 Jahre kommunale Stadtplanung und Stadterneuerung in Stuttgart informiert bis zum 13. Juni eine Ausstellung im zweiten Obergeschoss des Rathauses. Über die Entwicklungen der Vergangenheit hinaus werden Gegenwart und Ziele der Stadtplanung deutlich auf den Tafeln zum Stadtentwicklungskonzept, zum Innenstadtkonzept, zur Grünplanung, zur Verkehrsplanung, zum Lichtmasterplan, zu Sanierungsprojekten und vielem mehr.

Außerdem wurde das aktualisierte Modell der Stuttgarter Innenstadt aufgebaut. Es zeigt einen Ausschnitt der Innenstadt von 5,4 Quadratkilometern im Maßstab 1:500. Das Modell ist im Norden begrenzt vom Kriegsberg und im Süden von der Uhlandshöhe (beide mit einer Höhe über Normalnull von etwa 390 Meter). Der niedrigste dargestellte Bereich ist der Schlossgarten mit etwa 230 Meter über NN. Im Modell ist der Gebäudebestand dargestellt, es sind aber auch aktuelle Planungen der Gegenwart und Zukunft eingearbeitet. Beispielsweise das neue Dorotheenviertel oder das Gerber oder das Milaneo im Europaviertel. Das Modell wurde aus 26 gipsgefertigten Teilen zusammengesetzt. Zusammen mit dem Unterbau wiegt es etwa drei Tonnen.

Buch: "Plan - Zeit - Räume"

Im Karl Krämer Verlag erscheint zum Jubiläum das Buch "Plan - Zeit - Räume. 100 Jahre kommunale Stadtplanung und Stadterneuerung in Stuttgart". Es ist eine Zusammenfassung der historischen und gegenwärtigen und ein Ausblick auf die künftigen städtebaulichen Entwicklungen Stuttgarts. Fachleute des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung haben dafür 27 Aufsätze verfasst. Dazu gehören ein Abriss der historischen Stadtentwicklung sowie ein Bericht über den Städtebau der verschiedenen Amtsepochen im Kontext mit den Persönlichkeiten, die das Amt jeweils geleitet haben.

Als Zeitzeugen wurden zu den Entwicklungen seit den 1970er-Jahren die ehemaligen Baubürgermeister Christian Farenholtz und Hannsmartin Bruckmann sowie der amtierende Baubürgermeister Matthias Hahn befragt, ebenso die ehemaligen Amtsleiter Albert Ackermann und Hans-Reinhard Schäfer. Die Berichte zur Gegenwart behandeln Themen wie die 4500 Kulturdenkmale Stuttgarts, die Baustaffeln als besonderes Planrecht, die Geschichte der Verkehrsplanung, den Lichtmasterplan, die Strategien der Stadtentwicklung oder Sanierungsprojekte und Projekte der Sozialen Stadt. Zu den städtebaulichen Veränderungen in den Stadtbezirken nehmen die Berichte über den Stadt-Landschaftsraum Filder oder die ehemaligen Industriestandorte Zuffenhausen und Feuerbach Stellung; über Entwicklungen auf Konversionsflächen berichten die Artikel über den Burgholzhof, Im Raiser, das Römerkastell und die Reiterkaserne. Neue urbane Erweiterungen werden für die Bereiche Rosensteinviertel und NeckarPark beschrieben. Die Berichte "Stuttgart - die grüne Stadt" und "Blickpunkt Halbhöhenlagen - Panorama und Klima" befassen sich mit nachhaltiger Stadtplanung im Zusammenhang mit dem Erhalt der umfassenden Grünbereiche unserer Stadt. Ebenfalls in die Zukunft weisen Themen wie "Innenentwicklung als Programm", "Stuttgart wohnt urban" oder das "Stuttgarter Innenentwicklungsmodell SIM". "Stuttgart - die ideale Stadt von morgen" lautet ein Aufsatz des derzeitigen Amtsleiters Dr.-Ing. Detlef Kron.

Angesichts der Fülle städtebaulicher Veränderungen im Laufe des 20. Jahrhunderts und der Vielfalt derzeitiger Entwicklungen kann das Buch kein abschließender Bericht zur Stuttgarter Stadtplanung und Stadterneuerung sein. Es nimmt jedoch in einem breiten Spektrum Stellung zu den wichtigsten städtebaulichen Entwicklungen und ist, nicht zuletzt durch die Auszüge aus den Gesprächen mit den Baubürgermeistern als Zeitzeugen, ein unverzichtbares Stück Fachliteratur für alle diejenigen, die sich für Stuttgarts Städtebau interessieren.

Angaben zum Buch, das ab Montag, 19. Mai, im Buchhandel erhältlich ist:

Herausgeber Landeshauptstadt Stuttgart: "Plan - Zeit - Räume", 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Karl Krämer Verlag Stuttgart, Preis 36 Euro, ISBN 978-3-7828-1322-8.

Weitere Informationen stehen auf www.stuttgart.de/stadtplanung.