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Lenkungsausschuss Flüchtlinge: Stadt bietet weitere Deutschkurse

20.05.2014 Aktuelles
Auch in ihrer zweiten Sitzung am 19. Mai hat sich die städtische Lenkungsgruppe Flüchtlinge unter Leitung des stellvertretenden Sozialamtschefs Stefan Spatz zunächst mit der Situation der Kinder und Jugendlichen befasst.

Zweites Thema war die Frage, wie sich die Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge in Stuttgart verbessern lassen.

 Insgesamt gelingt es in der Landeshauptstadt, die drei- bis sechsjährigen Flüchtlingskinder in den bestehenden Kindertageseinrichtungen aufzunehmen, so der stellvertretende Leiter des Jugendamts, Heinrich Korn. Lediglich in Plieningen und Zazenhausen werden noch Lösungen gesucht. Der finanzielle Mehrbedarf vor allem an Personal für die Kinderbetreuung soll bis zum Herbst feststehen und dem Gemeinderat vorgelegt werden.

40 zusätzliche Vorbereitungen

Das Staatliche Schulamt steht vor einer großen Herausforderung. Die Leiterin, Ulrike Brittinger, berichtete, dass bis zum Schuljahr 2014/2015 insgesamt 40 zusätzliche Vorbereitungsklassen geschaffen werden müssen: Im Bereich Grundschulen steigt die Zahl von zwölf um 25 auf 37 Klassen, in der Sekundarstufe von 22 um 15 auf ebenfalls 37 Klassen. Dafür werden geeignete Lehrkräfte gesucht und spezielle Fortbildungen angeboten. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass während des Schuljahrs ständig neue Kinder hinzukommen. Auch der Umgang mit traumatisierten Kindern ist ein Thema der Fortbildungen.

Berechtigung für 200 Deutschstunden

Da Flüchtlinge von den Sprachförderungsmaßnahmen des Bundes ausgeschlossen sind, ermöglicht die Stadt Stuttgart ihnen seit längerem die Teilnahme an den kommunalen Deutschkursen und am Programm "Mama lernt Deutsch", erklärte Martha Aykut, stellvertretende Leiterin der Abteilung Integration. Das Angebot reicht jedoch nicht aus. Deshalb werden jetzt mit der Pauschale des Landes von derzeit 91,36 Euro pro Flüchtling zusätzlich 25 Deutschkurse pro Jahr finanziert. Die Flüchtlinge erhalten bei der Clearingstelle im Sozialamt einen Berechtigungsschein für 200 Unterrichtsstunden, machen einen Einstufungstest und werden in die unterschiedlichen Kurse vermittelt. Zurzeit wird der genaue Bedarf ermittelt, auch was spezielle Angebote zum Beispiel für Jugendliche oder Frauen betrifft.

Flüchtlinge sollen arbeiten können

Beim Schwerpunktthema "Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge" ging es dem Leiter der Lenkungsgruppe, Stefan Spatz, vor allem um die Frage: Was kann die Stadt tun, um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt wirksam zu ermöglichen. Oberbürgermeister Kuhn hatte in der Vergangenheit bereits betont: "Eine Erlaubnis zur Arbeit würde die Integration der Flüchtlinge in die deutsche Arbeitswelt und damit auch in die deutsche Gesellschaft wesentlich erleichtern."

Insgesamt wurden bislang über 140 Arbeitsgelegenheiten in Flüchtlingsunterkünften geschaffen. Geprüft wird, in welchen kommunalen und gemeinnützigen Einrichtungen weitere Möglichkeiten bestehen.

Was aber die wichtige Integration von Flüchtlingen in den ersten Arbeitsmarkt anbelangt, sind die Chancen aufgrund der bestehenden Regelungen bislang leider gering. Selbst interessierte Arbeitgeber können einen Flüchtling für eine bestimmte Tätigkeit nicht einfach einstellen, sondern müssen die Stelle formal ausschreiben und dann die Bewerber gleichberechtigt prüfen. Dieser notwendige Verfahrensweg wird aber oftmals von den Arbeitgebern nicht eingeschlagen.

Die unterschiedlichen Erfahrungen aller an diesem Thema Beteiligten zeigen: Das Wichtigste für Flüchtlinge ist, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen und eine Ausbildung zu machen. Das verbessert die Prognose bei der Arbeitsvermittlung erheblich.

Ein kleiner Expertenkreis soll sich nun gezielt damit befassen, welche Wege es in Stuttgart gibt, die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt im Rahmen des Möglichen und Zulässigen zu verbessern.

Informationen zur Lenkungsgruppe Flüchtlinge

Oberbürgermeister Kuhn hatte Ende 2013 die "Lenkungsgruppe Flüchtlinge" eingesetzt. Sie stellt ein abgestimmtes und koordiniertes Handeln bei der Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen in der Landeshauptstadt Stuttgart sicher und arbeitet unter anderem mit der auf Bürgermeisterebene tagenden "Task Force Unterbringung" zusammen.

Die Leitung der "Lenkungsgruppe Flüchtlinge" hat der stellvertretende Leiter des Sozialamts, Stefan Spatz, Telefon 0711/216-59038, Fax 0711/216-59073, E-Mail stefan.spatz@stuttgart.de . Er ist zentraler Ansprechpartner für alle bereits aktiven und künftigen externen Akteure in der Stadtgesellschaft, wie Flüchtlings- und Freundeskreise, Stiftungen, Vereine oder freie Träger. Die Lenkungsgruppe trifft sich turnusgemäß alle drei Monate, bei Bedarf auch kurzfristig.