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Stuttgarter Philharmoniker huldigen der Stille und dem Gott des Weines

13.06.2014 Kultur
Konzertbesucher und Abonnenten der Stuttgarter Philharmoniker können in der Spielzeit 2014/2015 zwei große Konzertreihen mit gegensätzlichen Konzepten erleben.

Während die neun Konzerte der Großen Reihe dem "Gott des Weines" gewidmet sind, versucht die Aboreihe Sextett den Schleier vom "Geheimnis der Stille" ein wenig zu lüften.

Dass sich dem Weingott Dionysos oder Bacchus auf mannigfache süffige oder rauschhafte Weise in Orchestermusikprogrammen huldigen lässt, versteht sich von selbst. Genauso kann es aber auch von großem Reiz für den Konzertplaner sein, sich mit der Stille als Gegenbegriff zur Musik auseinanderzusetzen.

Geheimnis der Stille

Angenehme Überraschungen gibt es dabei genug: Gleich das erste der sechs Konzerte unter dem Titel "Geheimnis der Stille" beispielsweise bringt am 25. Oktober eines der klangstärksten Programme der philharmonischen Saison zu Gehör: Giuseppe Verdis Requiem mit dem Tschechischen Philharmonischen Chor aus Stuttgarts Partnerstadt Brünn und einer Riege hochkarätiger Gesangssolisten, dirigiert vom Nürnberger Generalmusikdirektor Marcus Bosch.

Es geht im Text der lateinischen Totenmesse bekanntlich um die Bitte um "ewige Ruhe" für die Verstorbenen.

Schumanns letzte Komposition

Aus zwei selten zu hörenden Konzertstücken für Klavier und Orchester von Robert Schumann macht Tzimon Barto Schumanns 2. Klavierkonzert, indem er ihnen als langsamen Satz die sogenannten "Geistervariationen" für Klavier solo zugesellt. Schumanns Komposition für Klavier solo entstand als letzte, bevor er in die Stille der Heil- und Pflegeanstalt Endenich verstummte (4. Dezember, Dirigent: Radoslaw Szulc).

Mozart, Strauss und Bruckner

Stille als Teil der musikalischen Struktur erklingt in Anton Bruckners 2. Sinfonie und in Mozarts Krönungskonzert, gespielt und dirigiert von Christian Zacharias (19. Februar 2015).
Die Stille am Ende des Lebens reflektierte Richard Strauss in seiner frühen Tondichtung "Tod und Verklärung" und fast sechzig Jahre später in den Vier letzten Liedern. Die singt Krassimira Stoyanova, die musikalische Leitung hat Ehrendirigent Walter Weller (13. April 2015).

Stille bei Debussy

Stille auf dem Wasser, in Debussys "La Mer", und unter dem Wasser, in Toru Takemitsus "I Hear the water dreaming" schildern die Philharmoniker mit Clarissa Böck, Flöte unter Leitung von Olivier Tardy (8. Mai 2015).

Werke, die aus der Stille hervorkommen, dirigiert der 27jährige Dirigent Yoel Gamzou: Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert, das in Deutschland zwölf Jahre lang nicht gespielt werden durfte, mit dem Solisten Afonso Fesch und Mahlers 10. Sinfonie, von deren fünf geplanten Sätzen der Komponist nur zwei einigermaßen vollendete.
Gamzou erstellte eine Rekonstruktion der ganzen Sinfonie und bringt eine verblüffende "Realisation und Weiterentwicklung der Unvollendeten" zum Klingen (30. Mai 2015).

Große Reihe: Gott des Weines

Auch die Große Reihe wartet in ihren neun Konzerten mit Unerwartetem auf: In einem erklingt ein Porträt des Weingottes - dessen antike Kulte ekstatisch und so laut waren, dass die Griechen ihn auch Bromios (Lärmer) nannten - gespielt von einem einsamen Instrument. Es ist eine der Metamorphosen für Oboe solo von Benjamin Britten, die der philharmonische Solooboist Nikola Stolz zum Besten geben wird.

Natürlich erklingt auch Lauteres in diesem Konzert, zunächst ein Oboenkonzert von Albinoni, dann eines für Oboe, acht Pauken und Orchester von Georg Druschetzky und schließlich der sowohl "kultige" als auch ekstatische "Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky, geleitet von der Dirigentin Mirga Grazinyte-Tyla. (Der Aulos, antiker Vorfahr der Oboe, und die Pauken spielten in den orgiastischen Riten der Dionysosanhänger wichtige Rollen. 4. Februar 2015)

Nicholas Milton dirigiert Hans Werner Henzes Adagio, Fuge und Mänadentanz aus "Die Bassariden" und Beethovens 7. Sinfonie. (14. Oktober 2014)

Marc Piollet leitet ein Programm mit einschlägigen Werken der Franzosen Albert Roussel (Bacchus et Ariane), Darius Milhaud (Le boeuf sur le toit) und Hector Berlioz (Symphonie fantastique), Solistin ist die Geigerein Sophia Jaffé (25. November 2014).
Tschaikowskys weinselige Phantasien in seiner 4. Sinfonie, John Adams' selten zu hörender "Short Ride in a Fast Maschine" und George Gershwins ungenierte Mischung aus U- und E-Musik mit dem Pianisten Jeffrey Swann wird von der Amerikanerin JoAnn Falletta dirigiert (20. Dezmber 2014).

Der Musikkritiker Eduard Hanslick roch den "Fusel" aus Tschaikowskys Violinkonzert, und auch in Schostakowitschs Musik aus "Lady Macbeth" geht es alles andere als nüchtern zu. Otto Tausk dirigiert, Yossif Ivanov spielt Violine (12. Januar 2015).
Johann Strauß' "Fledermaus" in einer halbszenischen Aufführung mit Ernst Konarek huldigt dem Champagner und dem Wein. (17. März 2015).

Der ehemalige Chefdirigent Gabriel Feltz kehrt an das Pult der Philharmoniker zurück und beschäftigt sich mit Mozart und Mahlers "Lied von der Erde" (darin zwei Trinklieder). Solisten sind Vesselina Kasarova, Mezzosopran, und Stephen Gould, Tenor (23. April 2015).

Operettenmelodien und Revolutionslieder kombiniert Schostakowitsch in seiner Musik zum Stummfilm "Das neue Babylon", der am 20. Mai 2015 in der Liederhalle gezeigt wird. Die Philharmoniker spielen live unter Leitung von Daniel Raiskin.

Terzett

Der künftige Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker und Generalmusikdirektor der Stadt Dan Ettinger präsentiert sich mit "seinem" Orchester am 4. Oktober in der dritten Reihe des Orchesters, dem Abonnement "Terzett".

Auf dem Programm, ganz in e-Moll, das Cellokonzert von Edward Elgar (mit der Solistin Alisa Weilerstein) und die 4. Sinfonie von Brahms. In den beiden anderen Konzerten der Reihe erklingt ein reines Tschaikowsky-Programm mit Olga Kern, Klavier, und Daniel Raiskin
(25. Januar 2015) und ein reiner Beethoven-Abend mit Edoardo Zosi, Violine, und dem Dirigenten Vladimir Fedoseyev.

Kooperationen

Die Stuttgarter Philharmoniker spielen traditionell am 30. Dezember Beethovens Neunte im Jahresschlusskonzert der SKS Russ unter Leitung von Hermann Bäumer, am 1. Januar 2015 ein Neujahrskonzert für die Kulturgemeinschaft mit Werken der Strauß-Dynastie unter Leitung von Walter Weller und am 30. April 2015 ebenfalls für die Kulturgemeinschaft Werke von Tan Dun, Keiko Abe und Antonín DvoYák. Dirigent ist Muhai Tang, Solisten sind Katarzyna Mycka und Franz Bach, Marimbaphon.

Gastspiele

Nicht nur in Stuttgart ist das Orchester der Landeshauptstadt präsent: Im November erklingt im Salzburger großen Festspielhaus dreimal Richard Strauss' "Alpensinfonie" mit dem Dirigenten Stefan Blunier, viermal spielen die Philharmoniker in Mailand, kleinere Deutschlandreisen kommen dazu. Im Sommer sind die Philharmoniker wieder Festspielorchester in Heidenheim.

Kinder- und Jugendkonzerte

Die lange pädagogische Tradition des Orchesters wird selbstverständlich fortgesetzt mit Kinder- und Jugendkonzerten und als Mitveranstalter des 8. Stuttgarter Musikfestes für Kinder und Jugendliche" im November.

Informationen

Die Broschüre mit allen philharmonischen Aktivitäten der neuen Spielzeit ist eben erschienen. Das Programm der neuen Spielzeit steht auch unter www.stuttgarter-philharmoniker.de. Kartentelefon 0711 / 216 - 88990.