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Wahlbeteiligung von Jugendlichen bei der Gemeinderatswahl

03.07.2014 Wahlen
Das Statistische Amt hat die Ergebnisse einer repräsentativen Auszählung der Wahlbeteiligung bei der Gemeinderatswahl vom 25. Mai in Stuttgart vorgestellt.

"Zum ersten Mal durften bei einer Kommunalwahl in Baden-Württemberg auch 16- bis 18-Jährige wählen", so Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amtes. "Entsprechend gespannt durfte man sein, wie die rund 8000 Stuttgarter Jugendlichen von ihrem neuen Wahlrecht Gebrauch machen."

Das Statistische Amt stellte in diesem Zusammenhang auch die Auswertung der Wahlbeteiligungsquoten für Deutsche und Unionsbürger bei der Gemeinderatswahl vor. Von den insgesamt 441 798 Wahlberechtigten waren rund 66  000 Unionsbürger (EU-Staatsangehörige).

Die Gesamtwahlbeteiligung bei der Gemeinderatswahl betrug 46,6 Prozent (2009: 48,7 Prozent), was ein neuer Tiefstwert in der Stuttgarter Gemeinderatswahlgeschichte darstellt. Nur bei der Oberbürgermeisterwahl 2012 gaben noch weniger Wahlberechtigte ihre Stimme ab (Hauptwahl: 46,0 Prozent, Neuwahl: 43,1 Prozent)

Junge Frauen wahlaktiver als junge Männer

Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern, in welchen das Wahlalter schon früher gesenkt worden war (zuerst 1995 in Niedersachsen), haben gezeigt, dass die Beteiligung der Jugendlichen in der Regel etwas unterhalb der Beteiligung der gesamten wahlberechtigten Bevölkerung liegt. Allerdings liegt sie oftmals höher als die Wahlbeteiligung der volljährigen Erstwähler.

"Diese Erwartung wurde in Stuttgart sogar leicht übertroffen: Die Wahlbeteiligung der Jungwähler lag mit 41,0 Prozent zwar 5,6 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt, aber 3,2 Prozentpunkte über den 18- bis 30-Jährigen. Mit 42,4 Prozent waren die jungen Frauen deutlich wahlaktiver als die jungen Männer mit 39,6 Prozent", so Michael Haußmann, Leiter der Abteilung Bevölkerung und Wahlen des Statistischen Amtes.

Höchste Wahlbeteiligung in der Gruppe 60+

Der Anteil der rund 2800 Jungwähler an allen Wählern betrug etwa 1,4 Prozent - das klingt zunächst vernachlässigbar. Die schätzungsweise 150 000 Stimmen stellen im Vergleich zu den rund 133 000 Stimmen, mit denen die "Studentische Liste - junges Stuttgart" einen Sitz errungen hat, aber eine durchaus ernst zu nehmende Größe dar.

Mittlere Wahlbeteiligungsquoten zwischen 44,8 und 49,6 Prozent waren bei den 30- bis 60-Jährigen zu beobachten, die höchsten Wahlbeteiligungsquoten wiesen erwartungsgemäß wieder die 60- bis 70-Jährigen und die über 70-Jährigen auf (50,4 beziehungsweise 55,3 Prozent).

Auch EU-Bürger in Kommunalwahl-Statistik

Bei Kommunalwahlen haben Unionsbürger von Amts wegen das Wahlrecht, werden also wie deutsche Wahlberechtigte automatisch bei Vorliegen der Wahlrechtsvoraussetzungen (Alter, Wohndauer) in das Wählerverzeichnis eingetragen und erhalten eine Wahlbenachrichtigung. Bei der Oberbürgermeisterwahl 1996 fand dieses Wahlrecht erstmals in Stuttgart Anwendung.

Nur 11,4 Prozent der Unionsbürger beteiligten sich bei der Gemeinderatswahl 2014 in Stuttgart. Das ist der niedrigste Wert bei Gemeinderatswahlen (1999: 22,5 Prozent; 2004: 18,0 Prozent; 2009: 14,9 Prozent), aber auch im Vergleich mit den Oberbürgermeisterwahlen (Hauptwahl) in Stuttgart (1996: 21,5 Prozent; 2004: 15,4 Prozent; 2012: 12,6 Prozent).

Demgegenüber hat sich die Wahlbeteiligung der deutschen Wahlberechtigten in Stuttgart seit dem Tiefpunkt 1999 (50,1 Prozent) kontinuierlich erhöht (2004: 52,3 Prozent; 2009: 53,7 Prozent) und betrug bei dieser Gemeinderatswahl 54,1 Prozent.