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Landeshauptstadt geht neue Wege in der Suchtmedizin - Schwerpunktpraxis in der Kriegsbergstraße eröffnet

21.07.2014 Soziales
Stuttgart erweitert das Angebot in der Suchtmedizin entscheidend: Durch einen zweiten Standort der Schwerpunktpraxis, die mit der Drogenberatungsstelle Release Stuttgart e.V. gekoppelt ist.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn und die Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, Isabel Fezer, haben gemeinsam mit der Ministerin für Arbeit, Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, Katrin Altpeter, die Einrichtung am Montag, 21. Juli, eingeweiht.

Stuttgart bietet Menschen mit Suchtproblemen umfassende Hilfe an: In der Praxis in der Kriegsbergstraße 40 können künftig 100 Patienten mit Methadon und Buprenorphin und 50 Patienten mit Diamorphin behandelt werden. OB Kuhn sagte: "Betroffene aus Stadt und Region erhalten erstmals eine Diamorphintherapie. Diese Behandlung senkt das Risiko der Abhängigen, am Drogenkonsum zu sterben. Außerdem helfen wir ihnen in der neuen Einrichtung, einen Weg in ein geordnetes Leben zu finden. Ich bin froh, dass wir in der Landeshauptstadt ein so weitreichendes Konzept verwirklichen konnten."

Bürgermeisterin Fezer: "Meilenstein in der Sozialpolitik"

Bürgermeisterin Fezer ergänzte: "Für Stuttgart ist das ein Meilenstein in der Sozialpolitik. Neben dem Angebot in der Bismarckstraße, wo wir seit 1995 Abhängigen Unterstützung anbieten, haben wir jetzt einen weiteren wichtigen Pfeiler der Suchtmedizin. Die Einrichtung weihen wir bewusst am 21. Juli ein, am nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige". In Stuttgart starben im vergangenen Jahr 12 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums.

Ministerin Altpeter sagte: "Mit der Praxis in Stuttgart entsteht bundesweit der erste neue Standort zur Diamorphinbehandlung in einem Flächenland über die im Rahmen eines früheren Bundesmodellvorhabens bereits eingerichteten Standorte hinaus. Das belegt die Vorreiterrolle Baden-Württembergs in diesem Bereich und zeugt von einem beispielhaften Engagement der Stadt Stuttgart. Die Eröffnung der neuen Substitutionspraxis ist deutschlandweit ein wichtiges Signal für den weiteren Ausbau von diamorphingestützter Substitution insgesamt."

Zusammenspiel von Behandlung und Beratung

Die Schwerpunktpraxis in der Kriegsbergstraße ist mit der Drogenberatungsstelle Release Stuttgart e.V. gekoppelt, was ein Zusammenspiel von Behandlung und Beratung ermöglicht. Zudem wurde am neuen Standort auf gute räumliche Bedingungen Wert gelegt. So wurde zum Beispiel ein sogenannter "offener Bereich" für tagesstrukturierende Angebote geschaffen. Verantwortlich für die Schwerpunktpraxis für Suchtmedizin ist Dr. Andreas Zsolnai, für die Release e.V. Drogenberatungsstelle Ulrich Binder. Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kümmern sie sich um die Patienten.

Der Gemeinderat hat 2013 den Umbau und die Sanierung des städtischen Gebäudes beschlossen, Baustart war im Februar 2013. Im Mai 2014 konnte bereits die Beratungsstelle Release e.V. einziehen. Im Juni genehmigte die Kassenärztliche Vereinigung den Betrieb. Ebenfalls im Juni haben Polizei und Landeskriminalamt ihr Einverständnis gegeben zu den Sicherheitsvorkehrungen.

Für den Umbau und die Sanierung des Gebäudes investierten Stadt und Land rund 2,5 Millionen Euro. Der vom Gemeinderat vorgegebene Rahmen wurde eingehalten.

Hintergrund zu den Ersatzstoffen

Methadon und Buprenorphin sind synthetisch hergestellte Opioide mit starker schmerzstillender Wirksamkeit. Beide Substanzen werden seit Jahren als Heroin-Ersatzstoffe im Rahmen von Substitutionsprogrammen eingesetzt.

Diacetylmorphin (kurz Diamorphin) ist ein industriell hergestelltes Heroin. Es wird wie das herkömmliche Heroin aus Rohopium hergestellt, dies jedoch unter sterilen Bedingungen.