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Stadt Stuttgart auf dem Weg zu mehr Akzeptanz und Vielfalt

30.07.2014 Aktuelles
Die Stadt Stuttgart will unter dem Motto "weltoffen & vielfältig" mehr Akzeptanz und gleiche Rechte für Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung beziehungsweise Identität schaffen.

In ihrer Doppelrolle als Dienstleistungsunter­nehmen und Arbeitgeberin macht sich die Stadt sowohl im Blick auf die Bürgerinnen und Bürger als auch auf die eigenen Beschäftigten für Akzeptanz und Chancen­gleichheit stark. Das für die Beschäftigten der Landeshauptstadt zuständige Referat Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser sowie die Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern tragen mit vielen Aktivitäten das Thema in die Stadtgesellschaft hinein.

Diversity-Kongress und Teilnahme beim CSD

Als Veranstalterin des Diversity Kongresses im Rathaus nahm sie im Mai Wünsche und Anregungen der LSBTTIQ-Community (Zusammenschluss von lesbisch-schwul-bisexuell-transsexuell-transgender-intersexuellen und queeren Gruppen, Vereine und Initiativen) in den Blick. Am vergangenen Wochenende liefen gut 45 Mitarbeiter der Landeshauptstadt bei der Parade zum Christopher-Street-Day mit, um das Anliegen einer toleranten und vielfältigen Stadt zu transportieren.

Vor Kurzem empfing die Landeshauptstadt außerdem Regenbogenfamilien aus Baden-Württemberg zum ersten Mal im Stuttgarter Rathaus, um sich über die derzeitige Lebenssituation ein besseres Bild machen zu können.

Wie kann die Stadt Stuttgart Akzeptanz fördern?

Als Regenbogenfamilien werden Familien bezeichnet, in denen Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Partnern als eine Familie leben. Die Frage, die diese Veranstaltungen begleitete, lautete: "Was kann die Stadt Stuttgart tun, um mehr Akzeptanz für unterschiedliche Lebensentwürfe zu erreichen und Familie in ihren vielfältigen Formen zu stärken?" Derzeit werden Vorschläge für die zuständigen Referate entwickelt, um diese Bedürfnisse in konkrete Umsetzungen münden zu lassen.

Respektvolles Miteinander und offenes Klima

Der Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser, Werner Wölfle, empfing die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Regenbogenfamilientag, sowie die Gäste aus der Politik. "Stuttgart ist eine weltoffene Stadt. Unser Anspruch ist ein respektvolles Miteinander und ein offenes Klima. Stuttgart ist eine Stadt, die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentwürfe großschreibt.

Die Vielfalt einer Großstadt ist Zeichen ihrer Lebendigkeit, Kreativität und wirtschaftlichen Entwicklung. Adorno hat es auf den Punkt gebracht: Die Wertschätzung von Vielfalt bedeutet, ohne Angst verschieden sein zu können."

Gemeinsamkeiten stärken

Wölfle weiter: "Die Stadt Stuttgart wird Vielfalt und Toleranz bei allen Fortbildungsangeboten, zum Beispiel bei Erzieherinnen, verstärkt thematisieren. Der beste Weg zum Abbau von Vorurteilen ist, das wir voneinander wissen, uns kennenlernen, aber auch unsere Unterschiede kennen und akzeptieren und die Gemeinsamkeiten stärken. Dort, wo die Kommune Handlungsspielräume hat, sollten deshalb auch Rahmenbedingungen geschaffen werden, die helfen, dass gerade die Regenbogenfamilien als wertvoller Teil unserer Gesellschaft wahrgenommen, unterstützt und anerkannt werden."

Impulse aus anderen Städten aufgreifen

Dr. Ursula Matschke, Leiterin der Abteilung für Chancengleichheit, ist dankbar für die zahlreichen Impulse aus den Veranstaltungen. In Sachen Familienvielfalt geht ein ganz zentraler Wunsch von Erzieherinnen aus, Material und Informationen zum Thema Regenbogenfamilien zu bekommen. Es existiert nur wenig fundiertes Wissen über Regenbogenfamilien in den Behörden, im Gesundheitswesen und in der Öffentlichkeit. Wunsch und Anliegen der Regenbogenfamilien ist es, als "ganz normale" Familienform wahrgenommen zu werden und nicht ständig den Druck zu spüren, sich für ihre Lebensform rechtfertigen zu müssen.

Regenbogenfamilien entstehen auf ganz unterschiedliche Art und Weise, wie auch Familien mit alleinerziehenden Elternteilen oder sogenannte Patchworkfamilien. "Für uns ist Familie dort, wo Kinder sind, und wir wollen glückliche Kinder in unserer Stadt. Deshalb müssen wir ihre jeweiligen Familien stärken. Aus anderen Landeshauptstädten kommen wichtige und gute Impulse, die wir zusammen mit unseren Ergebnissen aufgreifen und an die Entscheidungsträger in der Stadt- und Landespolitik weitergegeben werden", begründet Matschke das Vorhaben, den Regenbogenfamilientag ins Rathaus zu holen.

Sichtbar werden und Forderungen deutlich machen

Katharina Binder vom Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) und Mitveranstalterin freute sich über die Einladung der Abteilung für Chancengleichheit, gemeinsam einen ersten Regenbogenfamilientag im Stuttgarter Rathaus zu veranstalten. Sie betonte, wie wichtig es für Regenbogenfamilien sei, in den Blick genommen und sichtbar zu werden und Bedarf, Wünsche und Forderungen deutlich zu machen und diese an Politik und Verwaltung weitergeben zu können.

Der erste Schritt war das Lernen und das Sichtbarmachen, der nächste Schritt besteht nun darin, die Forderungen und Handlungsempfehlungen an die Stadtpolitik heranzutragen.