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100 Jahre Waldfriedhof

06.10.2014 Aktuelles
Der Waldfriedhof in Degerloch feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Der auf einem Plateau des Stadtteils Degerloch gelegene Friedhof ist der größte in Stuttgart und bei den Bürgerinnen und Bürgern sehr beliebt.

 Zum Jubiläum im Rahmen des Stuttgarter Tags des Friedhofs erwartet die Besucher ein informatives und unterhaltsames Programm bei einem Festwochenende am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Oktober, auf dem Waldfriedhof.

Betritt man den Waldfriedhof vom Haupteingang aus, hat man einen weiten Blick auf eine langgestreckte, von Bäumen umstandene Wiese. Der Friedhof sollte auf die Besucher beruhigend wirken und zur Besinnung einladen. Der Gedanke an den paradiesischen Garten Eden war stark mit diesem Eingangsbild verknüpft. Bereits bestehende Waldwege wurden im Wegesystem des Friedhofs belassen. Das Gestaltungskonzept wurde bis heute beibehalten und macht den besonderen Charakter dieses Friedhofs aus. Auf ein einheitliches Erscheinungsbild wird immer noch viel Wert gelegt.

Eine Friedhofsordnung reglementierte von Anfang an Material, Form und Farbe der Grabmale. Auch die Bepflanzungen der Gräber sollten sich der Natur unterordnen: künstlich geschnittene Zierformen, Wachs- und Strohblumen waren verboten. Dafür sollten bevorzugt Efeu, Wacholder, Farne, Buchs und Rhododendren verwendet werden, denn sie galten als besonders naturnah und hatten einen hohen Symbolcharakter. Die Blüte der Rhododendren von Mai bis Juni ist bis heute ein Highlight im Waldfriedhof.

War der Weg zum Friedhof in den Anfangsjahren noch mit einer Wanderung durch den Wald verbunden, konnten die Besucher ab 1929 die Standseilbahn benutzen und sich bequem auf den Berg fahren lassen. Wie der gesamte Waldfriedhof, steht sie unter Denkmalschutz.

Zur Geschichte
Im Jahr 1913 wurde der Beschluss für den Bau des Waldfriedhofs gefasst, nachdem der Fangelsbachfriedhof im Stuttgarter Süden nahezu voll belegt war. Der Stuttgarter Gemeinderat plante zwar Jahre vorher einen neuen Friedhof im Heslacher "Eiernest". Aufgrund der hohen Grundstückspreise musste das Projekt aber 1902 gestoppt werden. Der Münchener Waldfriedhof diente schließlich als Vorbild für einen neuen Friedhof in den 1908 eingemeindeten Degerlocher Waldgebieten "Viereichenhau" und "Wesel". Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde der Waldfriedhof eröffnet.

Ehrenfeld und Ehrenhain für die Gefallenen
Das Ehrenfeld für die rund 8500 Gefallenen des Ersten Weltkriegs, von denen fast 1300 im Waldfriedhof beigesetzt wurden, entstand 1923 nach einem Wettbewerbsentwurf von Paul Bonatz. Die zahlreichen Steinkreuze und Stelen bilden heute zusammen mit dem zentralen Ehrenhof "Waldkirche" den Mittelpunkt des südwestlichen Friedhofsbereichs.
Die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs sind im Ehrenhain begraben. Von den 4500 zivilen Opfern der Luftangriffe von 1943 und 1944 auf die Stadt sind 482 in einem Massengrab des Waldfriedhofs beigesetzt worden. Der weitaus größere Teil wurde im Hauptfriedhof im Steinhaldenfeld beerdigt. Einfache Stelen und Grabplatten aus Kalkstein erinnern heute an die Opfer und ermahnen, den Frieden zu bewahren.

Künstlerische Wahrzeichen

1957 wurde auf Initiative des Architekten Paul Bonatz inmitten des Ehrenhains die Skulptur "Mutter Heimat" des Bildhauers Fritz von Graevenitz aufgestellt. Sie war kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs von den damaligen Machthabern verhindert worden. Diese Skulptur ist, wie der sogenannte Schicksalsbrunnen der "Jungfrau mit den Tränenschalen" des Bildhauers Josef Zeitler aus dem Jahr 1914, heute eines der Wahrzeichen des Stuttgarter Waldfriedhofs. Diese Skulptur symbolisiert das Werden und Vergehen. Jeder Wassertropfen steht symbolisch für den Zyklus eines Menschenlebens.

Die 1914 beim Haupteingang erbaute Feierhalle von Baudirektor Albert Pantle ist 1943 bei Luftangriffen stark zerstört und bis 1954 in zweckmäßiger Form, aber leider ohne ihren typischen Jugendstilduktus wieder aufgebaut worden. In der Apsis befindet sich ein Mosaik des auferstandenen Jesus, gestaltet vom Stuttgarter Künstler Professor Rudolf Yelin der Jüngere.

Ehrengräber und Gräber bekannter Persönlichkeiten
Im Waldfriedhof befinden sich auch die meisten Ehrengräber der Stadt. Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, und seine Gattin, die Schriftstellerin Elly Heuss-Knapp, haben hier ebenso ihre letzte Ruhestätte gefunden wie der Fabrikant Robert Bosch und die beiden ehemaligen Oberbürgermeister Arnulf Klett und Karl Lautenschlager. Aber auch namhafte Künstler wie Oskar Schlemmer, Adolf Hölzel und seine künstlerische Wegbegleiterin Ida Kerkovius haben hier ihre Grabstätte. Auch der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Sänger Wolfgang Windgassen und die Sängerin Sigrid Onegin sind hier begraben.

Zahlen und Fakten

  •  Der erste Bauabschnitt des Waldfriedhofs umfasste 25 Hektar, davon waren bis 1929 16 Hektar angelegt. In den 1950er-Jahren wurde der Friedhof nach Osten erweitert.
  • Der Waldfriedhof besitzt heute rund 15 000 Grabstellen auf einer Gesamtfläche von rund 31 Hektar. Er ist damit der größte Stuttgarter Friedhof.
  • Der Waldfriedhof ist nicht zuletzt durch Angebote zeitgemäßer Grabarten wie das naturbelassene Baumgrab weiter bevorzugte Lage und letzte Ruhestätte für viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Programmablauf

Der Stuttgarter Waldfriedhof feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Im Rahmen des Stuttgarter Tags des Friedhofs erwartet die Besucher am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Oktober, ein informatives und unterhaltsames Programm auf dem Waldfriedhof.

Eine Ausstellung mit Ständen informiert am Samstag, 18. Oktober, ab 10 Uhr vor der Feierhalle über Grabmale und Grabbepflanzung. Ab 11 Uhr bietet die Vereinigung Stuttgarter Friedhofsgärtner eine Führung über den Waldfriedhof an. In der Feierhalle gibt es um 13.30 und 17 Uhr eine Filmvorführung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Von 19 Uhr an erklingt dort Jazz mit den "New Orleans Celebrators".

Am Sonntag, 19. Oktober, führt der Verein für Friedhofskultur und Verbraucherschutz Stuttgart ab 9.30 Uhr über den Friedhof. Oberbürgermeister Fritz Kuhn begrüßt die Gäste um 11 Uhr in der Feierhalle. Im Anschluss hält Landeshistoriker Dr. Gerhard Raff einen Festvortrag. Ab 13.30 Uhr wird Gospel von "ofChors" zu hören sein, von 14 Uhr an führen Mitarbeiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts über den Friedhof. Die Veranstaltung endet gegen 18 Uhr.

Der Waldfriedhof ist mit der Stadtbahn U1 und U14 bis Haltestelle Südheimer Platz, von dort aus mit der Seilbahn bis Bergstation zu erreichen. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG bietet am Samstag, 18. Oktober, bis 24 Uhr Sonderfahrten an. Mit dem Pkw aus Richtung Stadtmitte ist der Friedhof über die B14, Karl-Kloß- und Eugen-Dolmetsch-Straße zu erreichen, aus Richtung Degerloch über die Heine- und Eugen-Dolmetsch-Straße. Parkplätze stehen vor dem Gebäude am Friedhof zur Verfügung.

Veranstalter ist das Garten-, Friedhofs- und Forstamt in Kooperation mit der Vereinigung Stuttgarter Friedhofsgärtner, dem Verein für Friedhofskultur und Verbraucherschutz Stuttgart und der M&S Messebau und Service GmbH, Veranstalter der Lebenswende.