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Stuttgarter Amtsgericht wird bunt - Kriminalpräventives Projekt gegen illegale Graffiti und Farbschmierereien

14.11.2014 Aktuelles
Die Künstler Jan-David Ducks und Lucas Wurmbach von der Kunstakademie haben am Samstag, 15. und Sonntag, 16. November, an der Zufahrt der Tiefgarage des Amtsgerichts ein professionelles Graffiti aus dem Fabelreich gestaltet. In die Tiefgarage schleicht auf der einen Seite ein Fuchs wie in seinen Bau hinein, auf der anderen Seite kommt ein Dachs heraus. An der Aktion nahmen auch Jugendliche teil, die Fragen stellen, Kunstgriffe abschauen und von den Profis Graffiti-Techniken erlernen konnten. Vertreter der Polizei klärten die Jugendlichen über die Konsequenzen von illegalem Sprayen auf.

Illegales Sprayen im öffentlichen Raum ist ein großes Ärgernis für alle Betroffenen. Die meist jungen Sprayer wollen dadurch Aufmerksamkeit erregen und ihren Themen Ausdruck verleihen. In der "Hall of Fame" in Bad Cannstatt ist sprühen legal, die Stadt Stuttgart sucht jedoch weitere offizielle Flächen, um den unerwünschten Graffitis entgegen zu wirken und das Sprayen zu legalisieren. In einer Kooperation mit dem Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart und der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft hat das Amtsgericht nun seine Tiefgarageneinfahrt in der Hauffstraße 5 für ein legales Graffiti zur Verfügung gestellt.

Das Kunstwerk soll zeigen, dass Graffiti nicht immer illegal und abstoßend sein muss, sondern auch ansprechende urbane Kunst sein kann. Die Aktion will bei den Jugendlichen das Bewusstsein für illegales Handeln schärfen und dem Beschmutzen von privaten Flächen entgegen wirken. Erstmals ist damit ein Gericht, an dem illegale Sprayer sonst bestraft werden, legaler Ort des Geschehens.

Klaus Thomas, Vorsitzender des Fördervereins Sicheres und Sauberes Stuttgart e.V., sagte: "Ziel des Fördervereins ist es, ein attraktives Stuttgart zu schaffen und zu erhalten. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sicher leben und sich wohl fühlen in einer sauberen Stadt. Mit der Aktion wollen wir Aufklärung betreiben und darstellen, dass Kreativität auch mit Respekt vor fremdem Eigentum ausgelebt werden kann. Wir wollen illegalen Farbschmierereien entgegentreten und legales Graffiti als urbane Kunst fördern. Es freut uns sehr, dass das Amtsgericht Stuttgart, ein Ort, der für die Vermittlung von Werten steht, dieses Projekt ermöglicht hat." Der Präsident des Amtsgerichts Stuttgart, Hans-Peter Rumler, begrüßte die Gelegenheit, mit der Aktion die Präventionsfunktion von Gerichtsverfahren deutlich zu machen: "Das Jugendstrafrecht dient nicht in erster Linie der Repression, sondern soll vor allem erneuten Straftaten entgegenwirken. Die Verfahren stehen deshalb vorrangig unter dem Erziehungsgedanken. Diese präventive Funktion wird von den Jugendlichen und Heranwachsenden häufig nicht ausreichend wahrgenommen. Wir begrüßen es deshalb sehr, gemeinsam mit dem Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart und der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft ein Graffitiprojekt durchzuführen, dass die Kriminalprävention unter einem ganz anderen Blickwinkel zur Geltung bringt. Und wir freuen uns natürlich auch über die damit verbundene künstlerische Gestaltung der Zufahrt zu unserer Tiefgarage."

Der Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft (stjg), Sieghard Kelle, lobte das Bündnis zur Prävention: "Gestartet als junge Subkultur, die meist im Verborgenen agierte, arbeiten heute einige bereits als Künstler ganz legal und werden von einer breiten Öffentlichkeit positiv wahrgenommen. Dass sich junge Sprayer jetzt dem Amtsgericht ganz offiziell und legal mit ihren Farbdosen nähern können - das ist ein großer Erfolg für sie und für das Präventionsbündnis zwischen dem Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart und der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft."

Florian Schupp, Graffitibeautragter der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft, unterstrich den künstlerischen Aspekt: "Mit der Umsetzung solcher Aktionen wird gezeigt, wie schön und kunstvoll Graffiti sein kann. Gleichzeitig wird signalisiert, dass man mit Absprachen und klaren Regeln seitens der Stadt durchaus die Möglichkeit erhält, das eigene Umfeld mitzugestalten. Dadurch hat solch eine Veranstaltung auch immer einen präventiven Charakter. Graffiti wird durch Verbote nicht schöner. Indem man dem Ganzen Raum gibt, entfaltet sich die Kreativität, und modernes Graffiti zeigt sich von seiner schönsten Seite."