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OB Kuhn überreicht Otto-Hirsch-Auszeichnung 2015 an Kolja Lessing

03.02.2015 Kultur
Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat am Montag, 2. Februar, im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses die Otto-Hirsch-Auszeichnung 2015 an den Pianisten und Geiger Kolja Lessing überreicht.

Die Landeshauptstadt Stuttgart, die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ehren ihn für seine Verdienste um die Anerkennung verfemter jüdischer Komponistinnen und Komponisten.

"Das Ziel der Nazis war es, die Erinnerung an die jüdische Musik auszulöschen. Dies ist ihnen nicht gelungen", stellte Kuhn fest. "Wir müssen dankbar sein, dass es Menschen wie Kolja Lessing gibt, die sich der Erforschung dieser Arbeit gewidmet haben."

Großer kultureller Beitrag jüdischer Exil-Musiker

Lessing spielte als Dank für die Auszeichnung drei Werke für Solovioline der jüdischen Komponisten Tzvi Avni, Ursula Mamlok und Berthold Goldschmidt sowie eine Transkription von Felix Mendelssohn Bartholdys "Jägerlied für Klavier".

In einer Gesprächsrunde mit den Komponisten Tzvi Avni und Ursula Mamlok verwies er auf den großen Beitrag jüdischer Komponistinnen und Komponisten, die durch die Nazi-Herrschaft ins Exil getrieben oder ermordet wurden.

Gemeinsame Auszeichnung von Stadt und Verbänden

Die Otto-Hirsch-Auszeichnung geht auf die Otto-Hirsch-Medaille zurück, die zum 100. Geburtstag von Ministerialrat Dr. Otto Hirsch von der Landeshauptstadt gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart (GCJZ) und der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) gestiftet wurde.

Einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit

Kolja Lessing wurde am 15. Oktober 1961 in Karlsruhe geboren. Er ist einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit und hat als Geiger und Pianist durch seine Verbindung von interpretatorischer und wissenschaftlicher Arbeit dem Musikleben prägende Impulse verliehen.

Die erste, grundlegende musikalische Ausbildung erhielt Kolja Lessing bei seiner Mutter und später bei Hansheinz Schneeberger in Basel, wo er sich auch kompositorischen Studien widmete. Prägende künstlerische Anregungen gewann er darüber hinaus aus der Zusammenarbeit mit Berthold Goldschmidt, Ignace Strasfogel und Zoltán Székely.

Deutscher Kritikerpreis für Musik 2008

Kolja Lessings weltweite Konzert- und Aufnahmetätigkeit als Geiger und Pianist beinhaltet sowohl die Zusammenarbeit mit führenden Orchestern unter Dirigenten wie Yakov Kreizberg, Nello Santi und Lothar Zagrosek als auch verschiedenste kammermusikalische Projekte.

In Anerkennung seines Engagements für verfemte Komponisten erhielt er 1999 den Johann-Wenzel-Stamitz-Sonderpreis, 2008 wurde er mit dem Deutschen Kritikerpreis für Musik ausgezeichnet. 2010 kam die Fernseh-Dokumentation »Ferne Klänge« über seinen Einsatz für Musik im Exil zur Erstsendung.

Hohes internationales Renommee

Zahlreiche Uraufführungen von Violinwerken, die Komponisten wie Haim Alexander, Tzvi Avni, Abel Ehrlich, Jacqueline Fontyn, Berthold Goldschmidt, Ursula Mamlok, Dimitri Terzakis und Hans Vogt eigens für Kolja Lessing schrieben, spiegeln sein internationales Renommee ebenso wie regelmäßige Einladungen zu Meisterkursen in Europa und Nordamerika.

Seit dem Jahr 2000 an Musikhochschule Stuttgart

Nach Professuren für Violine und Kammermusik an den Musikhochschulen Würzburg und Leipzig wirkt Prof. Kolja Lessing seit dem Jahr 2000 in gleicher Funktion an der Musikhochschule Stuttgart.

Eine Tonaufzeichnung der Reden und der Gesprächsrunde steht ab Donnerstag, 5. Februar, im Internet unter www.stuttgart.de/otto-hirsch-auszeichnung.