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Männer als Opfer häuslicher Gewalt

12.03.2015 Soziales
Zirka zehn Prozent der Opfer häuslicher Gewalt sind männlich, eine hohe Dunkelziffer wird vermutet. Dies ist ein vorläufiges Zwischenergebnis des Pilotprojekts "Gewaltschutz für Männer" der städtischen Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern unter der Leitung von Dr. Ursula Matschke.

Gesellschaftliche Tabus und Stigmatisierung

Männer als Opfer häuslicher Gewalt haben bisher bundesweit kaum Anlaufstellen, bei denen sie sich beraten lassen können oder Hilfe finden. Denn das Thema ist immer noch gesellschaftlich tabuisiert: Männliche Opfer und weibliche Täterinnen im Wohnumfeld gehören nicht zu den vorherrschenden Rollenbildern. Männer sind in dieser Situation zweifach betroffen: Sie sind Opfer von Gewalt und werden zusätzlich noch als "Weichei" stigmatisiert.  

Pilotprojekt mit psychosozialem Beratungsangebot

Daher initiierte die Stadt im Frühjahr 2014 das Pilotprojekt bei der Fachberatungsstelle Gewaltprävention der Sozialberatung Stuttgart e.V. Diese konzipierte ein professionelles psychosoziales Beratungsangebot für die Zielgruppe, analog zu den Angeboten der städtischen Fraueninterventionsstellen beziehungsweise des Vereins Frauen helfen Frauen e.V. Noch bis Ende des Jahres können daher männliche Opfer bei der Männerinterventionsstelle der Fachberatung, Charlottenstraße 42, Hilfe bekommen.

Neues Angebot ist gefragt

 "Das Thema begleitet uns schon seit Beginn der Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt (STOP). 2004 initiierten wir ein Täterinnenkonzept und nun folgt die spezielle Beratung für männliche Opfer, die es bisher noch nicht gab", begründete Ursula Matschke den Vorstoß. 

"Mit dem neuen Angebot für Männer schließt die Sozialberatung eine Lücke. Denn in den letzten Jahren kamen immer wieder entsprechende Anfragen. Dies machte uns klar, dass bisher ein adäquates Angebot fehlte", erläuterte Markus Beck, Leiter der Fachberatungsstelle Gewaltprävention, die Ausgangslage.

Bislang nutzten 14 Opfer unterschiedlich intensive Beratungen

"Bisher konnten 14 männliche Opfer beraten werden. Dabei zeigte sich, dass der Umfang dieser Beratung individuell verschieden war. Er lag zwischen einem kurzen telefonischen Kontakt und neun langen Gesprächen", stellte Jürgen Waldmann, Projektverantwortlicher bei der Sozialberatung Stuttgart e.V., erste Erfahrungen vor.

Bei der Sozialberatung wird das Projekt außerdem von Jasmin Alzinger im Rahmen ihrer studentischen Bachelorarbeit an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg begleitet und mit ähnlichen Projekten verglichen.

Weitere Infos, Ansprechpartner und Adressen unter www.sozialberatung-stuttgart.de