Presse
  •  

Die Stadtentwässerung Stuttgart setzt auf Gewässerschutz

18.03.2015 Umwelt
Der Weltwassertag, der die Öffentlichkeit auf die Bedeutung des Wassers für die Menschheit hinweist, findet jährlich am 22. März statt. In diesem Jahr lautet sein Motto "Wasser und nachhaltige Entwicklung".

Mit dem Weltwassertag möchten die Vereinten Nationen das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Gewässerschutzes stärken, und auch die Stadtentwässerung Stuttgart setzt auf Gewässerschutz.

Rund 170 Kilometer Flüsse und Bäche in Stuttgart

Bäche, Flüsse und Seen zählen sowohl landschaftlich als auch ökologisch zu den wertvollsten Bereichen unserer Stadtlandschaft. Sie stellen wichtige Erholungsbereiche dar. Rund 170 Kilometer Fluss- und Bachläufe und mehr als 63 Hektar Seenfläche liegen auf Stuttgarter Gemarkung. Darüber hinaus durchzieht die Stadt ein dichtes Netz kleiner Bäche. Diese Gewässer sind ein bedeutsamer Teil des Wasserhaushalts und brauchen daher Schutz und Pflege.

Ende der 1960er-Jahre war die Gewässerverschmutzung des Neckars so weit fortgeschritten, dass es regelmäßig zu Fischsterben kam und der Fluss nicht selten mit Schaumkronen bedeckt war.

Sanierungsprogramm Neckar seit den 70er-Jahren

Das Land Baden-Württemberg hat deshalb in den 1970er-Jahren das "Sanierungsprogramm Neckar" ins Leben gerufen, welches unter anderem festlegte, dass im Ablauf des Hauptklärwerks Mühlhausen für den biochemischen Sauerstoffbedarf (BSB5) ein Konzentrationswert von 10 mg/l nicht überschritten werden durfte. Die damals veranlassten Schritte und die immer strengeren gesetzlichen Bestimmungen an das Einleiten von Abwasser haben dazu geführt, dass das Neckarwasser heute fast eine gute Qualität erreicht hat und selbst der vom Aussterben bedrohte Maifisch erstmals seit 80 Jahren wieder in den Neckar zurückgekehrt ist.

Regelmäßige Wasserproben

Vom Zentrallabor des Eigenbetriebs Stadtentwässerung Stuttgart werden monatlich sowohl vor dem Klärwerksablauf an der Schleuse Hofen als auch nach dem Klärwerksablauf an der Schleuse Aldingen Neckarwasserproben entnommen und auf Inhalte untersucht.

Wie Abbildung 1 (durchschnittlicher Sauerstoffgehalt pro Jahr) zu entnehmen ist, erreicht der Wert an gelöstem Sauerstoff im Neckar seit Mitte der 1980er-Jahre konstant ein günstiges Niveau von 10 mg/l. Im Gegensatz zu den 1960er- und 70er-Jahren lässt sich zudem kein Unterschied in der Sauerstoffkonzentration vor und nach dem Ablauf des Hauptklärwerks Mühlhausen erkennen.

Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen besonders relevant

Ein ähnlich positives Bild liegt für die Pflanzennährstoffe anorganische Stickstoffe (Nanorg) und Gesamt-Phosphor (Pges) vor. Für beide kann zudem ein stetiger Konzentrationsrückgang im Neckar seit Mitte der 1990er-Jahre beobachtet werden.

Fazit: Aufgrund der erzielten sehr guten Reinigungsleistung stellt das vom Hauptklärwerk Mühlhausen eingeleitete Abwasser keine nennenswerte Belastung für den Neckar dar.

Im Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen werden täglich rund 200 000 Kubikmeter Abwasser aus Stuttgart und fünf Partnerstädten gereinigt. Mit einer Kapazität von 1,2 Millionen Einwohnerwerten ist das Hauptklärwerk landesweit das größte in Baden-Württemberg und von besonderer Bedeutung für den Gewässerschutz in der Region.

Seit 1999 über 120 Millionen Euro in Erweiterungen investiert

Seit 1999 investierte die Stadtentwässerung Stuttgart allein über 120 Millionen Euro in Erweiterungen der biologischen Anlage (5. und 6. Bauabschnitt, Bild 1) im Hauptklärwerk Mühlhausen sowie in je eine neue Rechen- und Sandfanganlage der Zuläufe Hofen und Mühlhausen investiert. Wie die Abbildung 2 (Hauptklärwerk Mühlhausen: Bauprojekte und ihre Auswirkung auf die Ablaufwerte) zeigt, führten diese Maßnahmen für den chemischen Sauerstoffbedarf (CSB), Ammoniumstickstoff (NH4-N) und anorganischen Stickstoff (Nanorg) zu einer deutlichen Reduzierung der Ablaufwerte.

SES: Trennung von Deni- und Ni-ZoneBild 1: Trennung von Deni- und Ni-Zone. Foto: SES

Während in den Jahren 1997 bis 1999 für CSB der Kennwert, also der gewichtete Mittelwert, der Ablaufkonzentrationen eines Jahres noch bei über 25 mg/l lag, verringerte sich dieser nach dem ersten Ausbau der biologischen Anlage sowie der Erneuerung der Rechen- und Sandfanganlage Hofen im Jahr 2001 auf 19 mg/l.

Deutliche Senkung der anorganischen Stickstoff-Konzentration

Ein Wert, der bis heute relativ konstant erreicht wird. Die hohen Investitionen in den Stickstoffabbau schlagen sich auch in den Kennwerten für Ammoniumstickstoff und anorganischen Stickstoff nieder. Vergleicht man die Jahre 1999 und 2000, so lässt sich für Ammoniumstickstoff ein prozentualer Rückgang der durchschnittlichen Ablaufkonzentrationen von knapp 90 Prozent, für anorganischen Stickstoff von rund 40 Prozent erkennen.

Die Vergrößerung der Denitrifikationszonen in den Belebungsbecken führte zu einer weiteren deutlichen Senkung der anorganischen Stickstoff-Konzentration im Ablauf des Hauptklärwerks Mühlhausen.

Fortlaufende Investitionen für sauberes Wasser

Heute kann ein Ablaufwert von rund 8 mg/l stabil eingehalten werden. Auch für Gesamt-Phosphor ist nach einem Anstieg der Kennwerte während der Baumaßnahme des 6. Bauabschnitts von 2004 bis 2009 ab 2011 wieder ein Rückgang mit Ablaufkonzentrationen um die 0,35 mg/l zu verzeichnen. Ein aktuelles Bauprojekt soll diese Phosphorentnahme nochmals verbessern.

Fazit: Fortlaufende Investitionen in die Anlagentechnik sorgen dafür, dass die Reinigungsleistung dauerhaft auf einem hohen Niveau gehalten werden kann, sie garantieren einen langfristigen Schutz unserer Gewässer (Bild 2).

SES: Gereinigtes Abwasser trifft auf FlusswasserBild 2: Gereinigtes Abwasser trifft auf Flusswasser. Foto: SES

Aktivkohle gegen Arzneimittelrückstände

In den kommenden Jahren wird das Thema organische Spurenstoffe in unseren Gewässern zunehmend an Bedeutung gewinnen. Daher unternimmt die Stadtentwässerung Stuttgart im Hauptklärwerk Mühlhausen Versuche zur Spurenstoffentnahme mit Aktivkohle (Bild 3). Das Ziel ist es, mit Hilfe von Aktivkohle auch Arzneimittelrückstände und hormonell wirksame Stoffe weitestgehend aus dem Abwasser zu entfernen. Eine großtechnische Anlage befindet sich im Planungsstadium.

SES: Versuchsanlage zur SpurenstoffentnahmeBild 3: Versuchsanlage zur Spurenstoffentnahme. Foto: SES