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Erste Ergebnisse einer Studie zur Einbruchsprävention

27.03.2015 Aktuelles
Wohnungseinbrüche haben sich seit einigen Jahren wieder zu einem Kriminalitätsschwerpunkt überall in Deutschland entwickelt. Entsprechend ist die Verunsicherung der Bevölkerung gestiegen. Die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft, insbesondere Polizei und Stadtverwaltung, nehmen sich dieses Themas seit einiger Zeit daher verstärkt an.

In diesem Zusammenhang hat die Stadt Stuttgart eine Studie initiiert, mit dem Ziel, vertiefte Erkenntnisse zur Verhinderung von Wohnungseinbrüchen zu gewinnen. Die Studie soll Ende 2015 abgeschlossen sein.

Martin Schairer: Gute Übersicht für Behörden

"Erste Ergebnisse der Untersuchung auf der Basis einer repräsentativen Befragung liegen nun vor. Wir haben dadurch einen ersten guten Einblick über das Verhalten, den Kenntnisstand und die zukünftigen Absichten der Bevölkerung zur Einbruchsvorbeugung erhalten", mit diesen Worten stellten Ordnungsbürgermeister Martin Schairer und der Leiter des Referats Prävention des Polizeipräsidium Stuttgart, Ludwig Haupt, am 27. März die ersten Ergebnisse der Untersuchung der Öffentlichkeit vor.

Die Studie

Eingebettet in ein EU-Forschungsvorhaben des "Europäischen Forums für Urbane Sicherheit (EFUS)" hat die Studie die Zielsetzung, Erkenntnisse zum Präventionsverhalten der Bevölkerung zu gewinnen, um daraus Optimierungsmöglichkeiten der laufenden Präventionsarbeit der Sicherheitsbehörden abzuleiten.

Die Studie wird unter Federführung der Stabsstelle Kommunale Kriminalprävention beim Referat Recht, Sicherheit und Ordnung (RSO/KKP) und dem Statistischen Amt der Landeshauptstadt Stuttgart durchgeführt. Eng zusammen gearbeitet wird dabei mit dem Referat Prävention des Polizeipräsidiums Stuttgart, der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement im Rathaus und mit dem Bezirksrathaus Nord.

Repräsentative Befragung der Bevölkerung

Die Studie setzt sich methodisch zusammen aus einer ersten allgemeinen Repräsentativbefragung der Bevölkerung zur Kriminalprävention im Wohngebiet. Ausgewählt wurden die Stadtteile Weißenhof, Mönchshalde, Relenberg, Lenzhalde, Bismarckturm und Killesberg im Stadtbezirk Stuttgart-Nord mit insgesamt etwa 15 000 Einwohnern, weil hier im Winterhalbjahr 2013/2014 eine im Verhältnis zur Einwohnerzahl vermehrte Anzahl von Wohnungseinbrüchen durch die Polizei registriert wurde.

Noch bis zum 10. April findet eine zweite Repräsentativbefragung im Untersuchungsgebiet statt, bei der unter anderem die Präventionsmaßnahmen der Polizei und der Stadtverwaltung auf ihre Wahrnehmung und Wirksamkeit hin evaluiert werden.

Die Befragung

Das Statistische Amt führte die erste repräsentative Befragung von rund 2500 per Zufallsverfahren ausgewählten volljährigen Bürgerinnen und Bürgern schriftlich durch. Die Teilnahme an der Befragung war freiwillig. Der Erhebungszeitraum erstreckte sich vom 24. September bis 6. November 2014. An der Befragung beteiligten sich
57 Prozent der angeschriebenen Personen.

Das Sicherheitsgefühl im Untersuchungsgebiet Stuttgart-Nord

Im Rahmen der Befragung wurde zunächst das allgemeine Sicherheitsgefühl und Wohlbefinden im Stadtbezirk erfragt. Es ist geprägt von einem sehr hohen Wohlfühlwert, einer hohen Verbundenheit mit dem Wohngebiet, dem stark verbreiteten Wunsch, hier weiterhin leben zu wollen und guten nachbarschaftlichen Kontakten.

So geben 96 Prozent der Befragten an, sich in ihrer Wohngegend wohl zu fühlen, 80 Prozent fühlen sich damit verbunden, 89 Prozent wollen in dieser Wohngegend bleiben, 70 Prozent bezeichnen die nachbarschaftlichen Kontakte als gut und 76 Prozent fühlen sich hier allgemein sicher, 65 Prozent auch bei Dunkelheit (vgl. Tabelle 1).

Die Einschätzung der Einbruchsbedrohung

Dennoch wird aus der Befragung auch deutlich, dass sich die Bewohner des Untersuchungsgebiets von Wohnungseinbrüchen bedroht fühlen: 35 Prozent geben an, dass sie sich, wenn sie nicht zu Hause sind, "stark" oder "sehr stark" durch einen Wohnungseinbruch bedroht fühlen. 15 Prozent äußern ein Einbruchsbedrohungsgefühl, sogar wenn sie sich selbst in der Wohnung oder im Haus befinden (vgl. Tabelle 2).

Auch ist die Einschätzung weit verbreitet, dass die Zahl der Einbrüche in den letzten zwei Jahren eher zugenommen hat - 35 Prozent antworteten mit "hat eher zugenommen" und 12 Prozent mit "hat stark zugenommen"; vgl. Tabelle 3. Dabei wurde von den Befragten die Zunahme der Einbruchsbedrohung in Stuttgart insgesamt als deutlich höher eingeschätzt. Andere Kriminalitätsbefürchtungen sind im Gebiet nicht sehr ausgeprägt.

Präventionsverhalten

Die Einwohner des Stadtbezirks weisen einen erfreulich hohen Kenntnisstand zum Thema Einbruchsprävention auf, geben doch 56 Prozent der Befragten an, dass sie "etwas darüber wissen" und 22 Prozent, dass sie "viel darüber wissen" (vgl. Tabelle 4). Rund die Hälfte (51 Prozent) der Befragungsteilnehmer berichten, dass sie sich zudem schon einmal über die Möglichkeiten des technischen Einbruchschutzes informiert haben (vgl. Tabelle 5).

Interessant für die alltägliche Präventionsarbeit der Sicherheitsbehörden ist auch der Hinweis, dass am häufigsten Informationen bei den Beratungsstellen der Polizei direkt geholt werden. Eine wichtige Rolle, um Informationen zum Einbruchschutz zu erhalten, spielen auch Gespräche mit Freunden, Nachbarn und Verwandten sowie das Internet und Fachfirmen für Sicherheitstechnik (vgl. Tabelle 6).

Ergriffene Präventionsmaßnahmen

Über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) geben obendrein an, dass sie in ihrer Wohnung oder ihrem Haus konkrete Maßnahmen zum Einbruchschutz bereits ergriffen haben (vgl. Tabelle 7). Im Wesentlichen sind dies der Einbruchschutz an der Eingangstüre (66 Prozent) und der Einbruchschutz an Fenstern, Fenstertüren und Rollläden (59 Prozent). Von elektronischen Sicherungsmaßnahmen wie Alarmanlagen oder Videoüberwachung berichtete nur knapp jeder fünfte Befragte (vgl. Tabelle 8).

Nicht unbeträchtlich ist der finanzielle Aufwand, den die Befragten in den Einbruchschutz investiert haben. Jeder Zweite, der Maßnahmen ergriffen hat, gibt an, dabei mindestens 1000 Euro und 18 Prozent sogar über 5000 Euro ausgegeben zu haben (vgl. Tabelle 9).

Warum wurden keine Maßnahmen ergriffen?

Wichtig für die Präventionspraxis ist gerade auch die Frage, warum keine Maßnahmen zum Einbruchschutz vorgenommen wurden. Dabei zeigt sich zum einen, dass etliche Befragte sich deshalb nicht bedroht fühlen, weil sehr häufig jemand zu Hause ist (40 Prozent) oder die Nachbarschaft mit aufpasst (27 Prozent). Ein häufig genannter Grund (37 Prozent) ist auch, dass Mieter erst die Vermieter überzeugen müssen. Eine Rolle spielen mitunter auch die Kosten (28 Prozent). Andere Befragte wiederum lassen ein gewisses Desinteresse oder auch ein Vertrauen in die Standardsicherung erkennen, wenn sie ankreuzen "Sicherungen helfen nicht - wer rein will, kommt auch rein" (19 Prozent), "Standardsicherung ist ausreichend" (19 Prozent aller Befragten), "Es ist nichts zu holen" (20 Prozent) oder "Keine Furcht vor Einbrüchen" (17 Prozent) (vgl. Tabelle 10).

Insgesamt ist es eine Minderheit (29 Prozent), die in der Befragung erklärt hat, dass sie keine (weiteren) Investitionen in die Sicherheitstechnik zum Einbruchschutz in Zukunft vornehmen werden (vgl. Tabelle 11).

Tabellen zur Studie im PDF-Format

Ergebnisse Studie zur Einbruchsprävention (PDF)