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Die Katastrophe von Gaisburg am 15. April 1943

08.04.2015 Aktuelles
Der Historiker, Pädagoge und Mitbegründer von Muse-O, dem Museumsverein Stuttgart-Ost e.V., Dr. Elmar Blessing hält am Mittwoch, 15. April, 18 Uhr im Stadtarchiv Stuttgart, Bellingweg 21, einen Vortrag über die "Die Katastrophe von Gaisburg am 15. April 1943".

Der Eintritt ist frei. Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich in Stuttgart Tausende Kriegsgefangene, die in vielen Betrieben zum Arbeitseinsatz herangezogen wurden. Ein Großteil von ihnen war im Kriegsgefangenenlager Gaisburg untergebracht, das die Stadt im Sommer 1940 eingerichtet hatte.

Der im Industriegebiet gelegene Standort wirkte im Bombenkrieg verheerend: Bei einem Luftangriff in der Nacht zum 15. April 1943 fanden 143 unbekannte sowjetische und 257 namentlich bekannte französische Kriegsgefangene den Tod.

Ausgehend von diesen Ereignissen beleuchtet der Vortrag die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers in Gaisburg und seiner Zerstörung sowie der Erinnerungsarbeit seit den neunziger Jahren.

Der Abend wird mit der Vorführung von Ausschnitten aus der Stuttgarter "Kriegsfilmchronik" eröffnet, die das Lager Gaisburg und den Arbeitseinsatz der Gefangenen beim Bau des Wagenburgtunnels zeigen.

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Warteschlange der Kriegsgefangenen vor der Essensausgabe im Lager Gaisburg, vermutlich im Winter 1942/43. Stadtarchiv Stuttgart, Foto: Holtmann

Lebenslinien und Seismogramme

Dr. Elmar Blessing ist Autor zahlreicher Publikationen zur Stuttgarter Stadtgeschichte und hat im Jahr 1999 das Buch "Die Kriegsgefangenen in Stuttgart. Das städtische Kriegsgefangenenlager in der Ulmer Straße und die 'Katastrophe von Gaisburg'" veröffentlicht.

Der Vortrag findet im Rahmen der derzeit im Foyer des Stadtarchivs gezeigten Ausstellung "Lebenslinien - Seismogramme - Seismographien" statt.

Vor einigen Jahren entdeckte der Stuttgarter Künstler Edgar Harwardt die seit 1928 aufgezeichneten Seismogramme der Erdbebenstation Stuttgart, die unter anderem auch die "Katastrophe von Gaisburg" vom 15. April 1943 verzeichnen.

Seine künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Dokumenten setzt Stadtgeschichte, Naturwissenschaft und Kunst in eine neue, spannende Beziehung.