Presse
  •  

Unternehmer mit Migrationshintergrund

26.05.2015 Wirtschaft
Das Statistische Amt hat im Monatsheft Nr. 3/2015 eine umfassende Studie zum Thema "Stuttgarter Unternehmer mit Migrationshintergrund" vorgelegt.

"Bei dieser Studie ging es in erster Linie darum, der Wirtschaftsförderung Erkenntnisse über Handlungsfelder und Handlungsbedarf zur Unterstützung migrantischen Unternehmertums zu liefern. Die Studie hat aber auch eindrucksvoll gezeigt, welch wichtige Bedeutung eine funktionierende Migrantenökonomie für die Integration von Zuwanderern leistet", so Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amtes der Landeshauptstadt.

Der von Ulrich Stein und Jochen Gieck, beide vom Statistischen Amt, erstellten Arbeit liegt die Befragung von Unternehmern mit Migrationshintergrund in Stuttgart zu Grunde.

Sie wurde im Auftrag und in enger Kooperation mit Dr. Levent Günes von der Abteilung Integration der Stadtverwaltung sowie einer Auswertung von Daten des Unternehmensregisters erstellt. Die Befragung und Auswertung ist eingebettet in das bundesweite Förderprogramm "Integration durch Qualifikation".

Hochwertige Kleinunternehmen

An der Befragung haben sich viele türkischstämmige Unternehmer mit einem hohen Bildungsniveau beteiligt. Diese Unternehmer sind vor allem "hochwertige" Dienstleister, die überwiegend schon länger etabliert sind. Deren Betriebe sind als "Kleinstunternehmen" oder "kleine Unternehmen" einzustufen.

Als Gründe, sich selbstständig zu machen, werden "selbst bestimmtes Arbeiten", "eigene Ideen umsetzen können" sowie "Aussicht auf ein höheres Einkommen" angegeben.

Als wichtigste Beratungsleistungen in der Gründungsphase werden vor allem Steuerberatung sowie Existenzgründungsangebote gesehen. Fördermittel werden nur von einem kleinen Teil der Unternehmer beansprucht. Eine wichtige Rolle spielt die Bundesagentur für Arbeit, auch als Informationsquelle für Beratungsangebote und Fördermöglichkeiten.

Die Gründungsfinanzierung stützt sich bei den befragten Unternehmern entscheidend auf das eigene Vermögen. Die größten Herausforderungen in der Vorgründungsphase und im ersten Jahr der Betriebsexistenz sind Finanzierung, Rechts- und Steuerangelegenheiten, Vermarktung, Kundengewinnung und die kaufmännische Organisation des Betriebs.

Kontakte im In- und Ausland

Nach der Gründungsphase liegen die Herausforderungen für die Unternehmer später verstärkt bei der Vermarktung, der Kundengewinnung, dem Wettbewerbsdruck und dem Finden geeigneten Personals. Der Beratungsbedarf ist gegenüber der Gründungsphase stark gesunken.

Mehr als die Hälfte der befragten migrantischen Unternehmer unterhält keine Geschäftsbeziehungen ins Ausland und agiert ausschließlich vor Ort oder innerhalb Deutschlands.

Bei den Geschäftsbeziehungen ins Ausland liegen die Türkei beziehungsweise das Herkunftsland vorn, an zweiter Stelle folgen Nord- und Westeuropa sowie Österreich und die Schweiz. Ein Fünftel der befragten Unternehmen bildet aus.

Mehr als drei Viertel der Unternehmer sind Mitglied in einer Kammer. Die Unternehmen profitieren dabei vor allem von deren Informationsdienstleistungen, Fortbildungsangeboten und Beratung. Die befragten Unternehmer sind stark in Deutschland verwurzelt. Zwei Drittel von ihnen beabsichtigen, ihren Ruhestand hier zu verbringen.

Viele Arbeitsplätze

Im Rahmen der Studie wurde zusätzlich das Unternehmensregister ausgewertet, um einen Überblick über die Struktur der Migrantenökonomie und ihre ökonomische Bedeutung insgesamt zu erhalten.

Danach arbeiten knapp neun Prozent der Stuttgarter Beschäftigten in Betrieben, deren Gründer nicht deutsch sind, 14 Prozent bei einem Gründer mit Migrationshintergrund.

In gewinnorientierten Unternehmen steigt der Beschäftigtenanteil auf zwölf beziehungsweise 19 Prozent bei nicht deutschen beziehungsweise migrantischen Unternehmensgründern. Betriebe eines Unternehmens mit Migrationshintergrund haben im Schnitt 4,2 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Unternehmen nahe am Wohnort

Das räumliche Muster der Aktivitäten der Migrantenökonomie entspricht in etwa dem der räumlichen Verteilung der Wohnorte der Migranten. Die migrantischen Betriebsstätten sind also tendenziell wohnortnah lokalisiert.

Die Aufschlüsselung der Herkunftsländer der migrantischen Unternehmer ergibt, dass die meisten Unternehmer aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, dann folgen Osteuropa und die Türkei. Die Hälfte der Betriebe wird von einem Unternehmer aus den klassischen Gastarbeiter-Anwerbeländern geführt.

Die Branchenstruktur weicht deutlich von der deutscher Unternehmer ab. Migrantische Unternehmer sind öfter im Gastgewerbe, in Verkehrs-, Post- und Kurierdiensten, in der Gebäudebetreuung sowie im Kfz-Handel beziehungsweise in der Kfz-Reparaturbranche tätig. Tendenziell decken die Unternehmer der Migrantenökonomie Branchen mit niedrigeren Qualifikationsvoraussetzungen ab.
Weiteres Thema des Monatsheftes ist eine Kurzanalyse zur Entwicklung des Aufkommens von Motorrädern und Rollern in Stuttgart.

Weitere Infos

Das Monatsheft Nr. 3/2015 ist beim Statistischen Amt, Eberhardstraße 39, Telefon 216-98587, Fax 216-98570, E-Mail komunis@stuttgart.de sowie unter www.stuttgart.de/statistik-infosystem erhältlich. Es kostet vier Euro.