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"MAGPlan"-Abschlusskonferenz im Haus der Wirtschaft

02.07.2015 Umwelt
Die Abschlusskonferenz des LIFE-Projekts "MAGPlan" haben der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Matthias Hahn, sowie der Abteilungsdirektor der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, Hervé Martin, am Donnerstag, 2. Juli, im Haus der Wirtschaft eröffnet.

Als erste Stadt in Europa hat Stuttgart mit finanzieller Unterstützung der EU aus dem Programm LIFE einen Grundwassermanagementplan zum Schutz seiner Mineral- und Heilquellen vor leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) erarbeitet.

Matthias Hahn: Natürliche Wasserreinheit wiederherstellen

Die Vorgehensweise und die erzielten praktischen Ergebnisse werden im Rahmen der Abschlusskonferenz vorgestellt.

"In Abstimmung mit dem Gemeinderat werden die Inhalte von MAGPlan eine wichtige Grundlage für die grundwasserbezogene Umweltpolitik in der nächsten Dekade", sagt Matthias Hahn. Erklärtes Ziel sei es, die natürliche Reinheit des Mineralwassers wiederherzustellen und zu sichern.

Umfangreiche Daten aus tausenden Bohrungen

Dreißig Jahre nach Beginn der Altlastenbearbeitung liegt damit erstmals ein integrales Sanierungskonzept für das Grundwasser in der Innenstadt vor.

In den nächsten zehn Jahren soll dieses Programm an den fünf Standorten umgesetzt werden, von denen eine erhebliche Grundwasserkontamination mit CKW und eine Bedrohung des Mineralwassers ausgeht.

Dem Grundwassermanagementplan liegt eine Auswertung der umfangreichen Daten von 8500 Bohrungen und 1200 Grundwassermessstellen sowie 25000 chemische Analysen zugrunde. Mit Hilfe von 18 neuen bis zu 92 Meter tiefen Grundwassermessstellen und mehr als 1000 Spezialuntersuchungen wurden vorhandene Kenntnislücken geschlossen.

In geologischen und mathematischen Grundwassermodellen wurden alle Kenntnisse zusammenfassend ausgewertet.

Schadstoffe entfernen und in unschädliche Substanzen umwandeln

Schrittweise filterten die Fachleute des Amtes für Umweltschutz in Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros und anderen Fachfirmen aus den 873 Verdachtsflächen die fünf Schlüsselstandorte für die CKW-Verunreinigung des Mineralwassers heraus.

Die Standorte sind in der Rümelin-, Dornhalden-, Rotebühl-, Nesenbach- sowie Mittnachtstraße. Diese sollen auf der Grundlage weiterer detaillierter Untersuchungen und mit Hilfe innovativer thermischer, mikrobiologischer und chemischer Verfahren saniert werden, indem die Schadstoffe entfernt oder in unschädliche Substanzen umgewandelt werden.

Die bisher praktizierten Sicherungsmaßnahmen durch Abpumpen des kontaminierten Wassers reichen zur Wiederherstellung der natürlichen Reinheit des Mineralwassers nicht aus.

Grundwassermodell erfasst Strömung und Schadstofftransport

Das im Projekt entwickelte mathematische Grundwassermodell erfasst die Strömung und den Schadstofftransport mit rund zwölf Millionen Modellzellen. Die Modellierung bietet große Vorteile.

Die Grundwassermengen, die in den acht untersuchten Grundwasserleitern bis zum Oberen Muschelkalk fließen, können bilanziert und dadurch getroffene Annahmen überprüft werden. Die Wege, die CKW-Einträge an den einzelnen Standorten im Untergrund nehmen, können nachverfolgt werden.

Bis zu 2300 Meter lange CKW-Fahnen im Grundwasser wurden dadurch ermittelt. Natürliche biologische Abbauvorgänge im Untergrund konnten erfasst und berücksichtigt werden. Schließlich können auf dieser Grundlage die Auswirkungen von Sanierungsmaßnahmen prognostiziert werden.

25 Tonnen Lösemittel seit 1984 im Nesenbachtal entfernt

Das wiederum ermöglicht es, Art und Umfang der Sanierungen des Grundwassers zielgerichtet zu bestimmen.

Das Projekt bestätigt, dass die bisher durchgeführten Maßnahmen zur Untersuchung und Sanierung des Grundwassers notwendig waren. 25 Tonnen Lösemittel wurden seit 1984 aus dem Untergrund im Nesenbachtal entfernt.

Dennoch tragen die Schlüsselstandorte Jahr für Jahr immer noch 372 Kilogramm CKW ins Grundwasser ein. 2000 Kilogramm CKW sind in den Grundwasserleitern gespeichert, 16 Kilogramm gelangen pro Jahr in die Mineral- und Heilquellen.

Ohne die jetzt durchgeführten Untersuchungen wäre es den Fachleuten angesichts der komplizierten Verhältnisse im Untergrund nicht möglich gewesen, herauszufinden, welche zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die CKW von den Mineral- und Heilquellen fern zu halten.

Das Projektergebnis zeigt, dass durch eine gezielte Optimierung der Sanierung an fünf Standorten das Problem der CKW im Stuttgarter Mineralwasser innerhalb der nächsten zehn Jahre gelöst werden kann.

Verwaltungsausschuss hat den Vorschlägen zugestimmt

Da sich die maßgeblichen Standorte vorwiegend in städtischer Verantwortung befinden, kommen auf die Stadt voraussichtlich Kosten in Höhe von rund 13,5 Millionen Euro zu. Weitere Maßnahmen sind aber auch an Standorten in privater Verantwortung zu ergreifen. Alle laufenden Sanierungen müssen fortgeführt werden.

Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hat diesen Vorschlägen am 1. Juli zugestimmt. Ein Vorteil des Projektergebnisses besteht darin, dass für die 873 verdächtigen oder kontaminierten Standorte jetzt Planungssicherheit im Hinblick auf eine Beeinflussung des Mineralwassers herrscht.

Förderprogramm LIFE der EU

Für das MAGPlan-Projekt sind Kosten in Höhe von rund 3,6 Millionen Euro angefallen, die zu 50 Prozent aus dem Förderprogramm LIFE der EU gefördert werden.

LIFE bedeutet L'Instrument Financier pour l'Environnement und ist ein Finanzinstrument der EU zur Förderung von Umweltmaßnahmen. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) hat als assoziierter Partner anhand der Vorgehensweise unter dem Titel "Integrales Altlastenmanagement" einen Leitfaden und eine Handlungshilfe zur integralen Untersuchung und Sanierung von Altlasten erstellt.

Informationen im Internet

Der Leitfaden kann über den Bestellshop der LUBW kostenlos angefordert oder unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/245503 heruntergeladen werden

Eine umfassende Darstellung aller Maßnahmen und Ergebnisse enthält das neue Buch "Chlorierte Kohlenwasserstoffe im Grundwasser - Untersuchungsmethoden, Modelle und ein Managementplan für Stuttgart". Es wurde von Hermann Josef Kirchholtes und Wolfgang Ufrecht beim Springer-Verlag herausgegeben. Kirchholtes leitet das Sachgebiet Kommunale Altlasten beim Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart, Ufrecht leitet dort das Sachgebiet Geologie und Kommunaler Heilquellenschutz.

Weitere Informationen unter www.magplan-life.eu.