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Bürgermeister Wölfle weiht Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz im Stuttgarter Süden ein

14.07.2015 Aktuelles
Auf Vorschlag der Gemeinderatsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN heißt der Dreiecksplatz an der Kreuzung von Lehen- und Filderstraße im Stuttgarter Süden künftig Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz. Mit der Namensgebung des Platzes wird an den ersten bekannten Vorkämpfer für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen erinnert.

Der Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser, Werner Wölfle, hat den bis dahin namenlosen Platz am 14. Juli, dem 120. Todestag Ulrichs, eingeweiht.

Bürgermeister Wölfle weiht Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz im Stuttgarter Süden einBürgermeister Werner Wölfle (im Vordergrund rechts) mit Christoph Michl vom Organisationsteam des CSD bei der Platzeinweihung. Foto: Kraufmann/Susanne Kern

Ulrichs lebte acht Jahre in Stuttgart

Auch der Arbeitskreis LSBTTIQ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuell, Transgender, Intersexuell, Queer) hat sich dafür ausgesprochen, den Namen Karl-Heinrich Ulrichs in den Stuttgarter Stadtplan aufzunehmen und war mit der Wahl des städtischen Platzes einverstanden.

In Berlin, München und weiteren Städten ist Karl-Heinrich Ulrichs bereits Namensgeber für Straßen und Plätze. Ulrichs lebte acht Jahre in Stuttgart - zunächst in der Lindenstraße, der heutigen Kienestraße, anschließend in der Silberburgstraße 102. Er starb am 14. Juli 1895 in L'Aquila, Italien.

Staatliche Repression

Karl-Heinrich Ulrichs wurde am 28. August 1825 in Westerfeld (Ostfriesland) geboren. Der Jurist musste 1854 den Staatsdienst verlassen, weil gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Ihm wurde unterstellt, er treibe "widernatürliche Wollust mit anderen Männern". Daraufhin arbeitete er als Anwalt, bis 1859 gegen ihn ein Berufsverbot verhängt wurde.

Anschließend schlug er sich als Journalist, Privatsekretär und mit Fremdsprachenunterricht durch. 1864 veröffentlichte er die erste von insgesamt zwölf Schriften unter dem Titel "Forschungen über das Rätsel der mannmännlichen Liebe", die in einigen deutschen Staaten verboten wurden.

Pionier der Sexualwissenschaft

Darin stellt Ulrichs die Hypothese von der weiblichen Seele im männlichen Körper auf. Die gleichgeschlechtliche Liebe nennt er Uranismus. Er geht von einer natürlichen, nicht krankhaften Veranlagung aus und fordert daher die Straflosigkeit homosexueller Handlungen.

Durch diese Publikationen wurde er zu einem der Pioniere der Sexualwissenschaft, die in dieser Zeit ihren Anfang nahm. Seine Forderung trug er 1867 erstmals öffentlich vor 500 Besuchern auf dem deutschen Juristentag in München vor. Dabei kam es zu tumultartigen Szenen, auf die Karl-Heinrich Ulrichs sehr stolz war.