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"Hoher humanitärer Standard in Stuttgart": Sozialbürgermeisterin Fezer stellt 35. Stuttgarter Flüchtlingsbericht vor

27.07.2015 Aktuelles
In Stuttgart sind derzeit 3.298 Flüchtlinge untergebracht (Stand Juni 2015). Bis Ende des Jahres werden es voraussichtlich 5.398 sein. Das geht aus dem 35. Flüchtlingsbericht hervor, den Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer am Montag, 27.7., im Sozial- und Gesundheitsausschuss vorgestellt hat.

Bürgermeisterin Fezer: "Der Bericht macht deutlich, welche großen Anstrengungen die Stadtverwaltung sowie die vielen Haupt- und Ehrenamtlichen bereits unternommen haben. Wir haben einen sehr hohen humanitären Standard in Stuttgart und sind auf einem sehr guten, erfolgreichen Weg."

In ganz Baden-Württemberg ist die Zahl der neu aufgenommenen Flüchtlinge im Jahr 2014 um 85,3 Prozent auf ein Rekordhoch gestiegen. In Stuttgart um 62 Prozent - 2014 wurden der Landeshauptstadt 1.236 Flüchtlinge zugewiesen. Aktuell hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Zugangsprognose für das Jahr 2015 heraufgesetzt. Es wird bundesweit mit 400.000 Erst- und 50.000 Folgeantragstellern gerechnet. Für Baden-Württemberg wurden für dieses Jahr 52.000 Erst- und 7.000 Folgeantragssteller prognostiziert. Auf Stuttgart entfallen - abzüglich voraussichtlicher Auszüge aus den Unterkünften - 5.398 Flüchtlinge.

Nach dem Einwohnerschlüssel hat die Stadt gemäß der Einwohnerzahl 6,24 Prozent der im Land Baden-Württemberg aufzunehmenden Flüchtlinge unterzubringen.

35. Flüchtlingsbericht: Entwicklung der Flüchtlingsunterbringung in der Landeshauptstadt Stuttgart von 06/2006 bis 06/2015 sowie Prognose 12/2015VergrößernEntwicklung der Flüchtlingsunterbringung in der Landeshauptstadt Stuttgart von Juni 2006 bis Juni 2015 sowie die Prognose für Dezember 2015. Grafik: Stadt StuttgartEntwicklung der Flüchtlingsunterbringung in der Landeshauptstadt Stuttgart von Juni 2006 bis Juni 2015 sowie die Prognose für Dezember 2015. Grafik: Stadt Stuttgart

Mehrzahl der Flüchtlinge kommt aus dem Kosovo

Der Kosovo ist in Stuttgart (Stand Juni 2015) das stärkste Herkunftsland (369 Personen). Es folgen Syrien (356), Serbien (292), Irak (284) und Afghanistan (228). Ende 2014 lag der Anteil der Personen in Familien bei 61 Prozent, 39 Prozent der Flüchtlinge sind alleinstehend. Bei gleichbleibender Verteilung ergäbe dies für 2015: 3.293 Personen in Familien und 2.105 alleinstehende Personen. 31 Prozent der Flüchtlinge waren Ende 2014 unter 18 Jahre. Bei gleichbleibender Verteilung wären das Ende 2015 1.673 Personen.

Ein große Herausforderung stellt die immer noch steigende Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMF) dar: Bereits im ersten Quartal 2015 wurden 83 UMF in Obhut genommen, das entspricht etwa 6,4 UMF pro Woche. Bis Ende 2015 rechnet das Jugendamt mit insgesamt 600 UMF. 28 Prozent dieser Minderjährigen kommen aus Nordafrika, 24 Prozent aus Pakistan/Afghanistan und 12 Prozent aus dem westlichen Afrika, Palästina, Irak und Syrien (Stand Juni 2015).

35. Flüchtlingsbericht - HerkunftsländerVergrößernHerkunftsländer der Flüchtlinge in Stuttgart von 2009 - 2015. Grafik: Stadt StuttgartHerkunftsländer der Flüchtlinge in Stuttgart von 2009 - 2015. Grafik: Stadt Stuttgart

Stadt investiert knapp 50 Millionen

Die Flüchtlinge sind in Stuttgart in 73 Unterkünften in 17 Stadtbezirken untergebracht. Die Unterbringung erfolgt durch Anmietung von Objekten oder in Systembauten. Mit der vierten Tranche sollen nach dem "Stuttgarter Modell" an weiteren elf Standorten in elf Stadtbezirken insgesamt 2.238 Unterkunftsplätze geschaffen werden. Momentan sind sechs Systembaustandorte in sechs Stadtbezirken vorhanden. Bis spätestens Anfang 2016 kommen drei neue Standorte sowie je eine Erweiterung um einen Systembau an zwei Standorten hinzu.

Für den Betrieb neuer Flüchtlingsunterkünfte, soziale Leistungen und höhere Betreuungsbedarfe wird die Stadt knapp 50 Millionen Euro aufwenden. Dem gegenüber stehen Gesamterträge von rund 30 Millionen Euro, darunter Mehreinnahmen nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz (FlüAG) und Benutzungsgebühren. Daraus ergibt sich ein Defizit von rund 19 Millionen Euro.

Engagement der Stuttgarter weiter hoch

Nach wie vor engagiert sich eine Vielzahl der Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung. Derzeit sind ca. 1.300 Ehrenamtliche in
27 Flüchtlingsfreundeskreisen aktiv. "Stuttgart ist eine Stadt der Solidarität. Die Gründung von neuen Freundeskreisen und die Unterstützung der Flüchtlinge durch viele Ehrenamtliche ist ein positives Zeichen für die Willkommenskultur in Stuttgart", so Bürgermeisterin Fezer.

Integration der Flüchtlingskinder in Kitas

Auswertungen zeigen, dass 13 Prozent der Bewohner in den neu eröffneten Flüchtlingsunterkünften zwischen 0 und sechs Jahre alt sind. Um diese schnell zu integrieren, hat das Jugendamt das Ziel, vor allem die Drei- bis Sechsjährigen in Stuttgarter Kindertageseinrichtungen unterzubringen. 53 Flüchtlingskinder werden in den städtischen Kita schon betreut, das entspricht knapp dreiviertel der Kinder in diesem Altersbereich (Stand Juni 2015). Schulpflichtige Flüchtlingskinder werden in wie andere aus dem Ausland zugezogene Kinder behandelt. So liegt ihr Anteil an den Vorbereitungsklassen (VK) in die Primarstufe oder Sekundarstufe I bei rund 29 Prozent und damit deutlich höher als in den vergangenen Schuljahren.

35. Flüchtlingsbericht - Anteil MinderjährigerVergrößernStand 12/2014 waren rund 31 Prozent der Flüchtlinge unter 18 Jahre (811 von 2.615). Stand 12/2015 wären dies 1.673 Personen. Grafik: Stadt StuttgartStand 12/2014 waren rund 31 Prozent der Flüchtlinge unter 18 Jahre (811 von 2.615). Stand 12/2015 wären dies 1.673 Personen. Grafik: Stadt Stuttgart

Erfolgreiches Rückkehrmanagement

Positiv wurde auch die Arbeit des Rückkehrprojekts "Zweite Chance Heimat" erwähnt. Das humanitäre Rückkehrmanagement des Projekts umfasste neben der Beratung in Rückkehrfragen, vor allem die Beschaffung von Reisedokumenten, die Organisation der Ausreise sowie die Vermittlung von Maßnahmen zur Wiedereingliederung. Insgesamt unterstützte das Projekt zwischen 1.12.2013 und 30.11.2014 177 Menschen bei der Rückkehr in das Heimatland. 142 Angehörige der Zielgruppe "Flüchtlinge" erhielten Rückkehrhilfen in Höhe von 46.098,85 EUR, die aus Mitteln der EU, des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart finanziert wurden.

35. Stuttgarter Flüchtlingsbericht (PDF)