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Flüchtlinge aus Ungarn in Stuttgart eingetroffen

06.09.2015 Aktuelles
Bürgermeisterin Fezer: "Spüre großes Aufatmen bei den Menschen" Regierungspräsident Schmalzl: "Große Solidarität der Kommunen untereinander"
In Stuttgart haben am frühen Sonntagmorgen, 6. September, 124 aus Ungarn eintreffende Flüchtlinge, darunter viele Familien, eine von der Landeshauptstadt mit Hilfe des Caritasverbandes kurzfristig bereitgestellte Unterkunft bezogen. Das Haus war am Samstag von der Stuttgarter Feuerwehr in Zusammenarbeit mit dem DRK hergerichtet und möbliert worden. In der Einrichtung des Caritasverbandes, ehemals ein Alten- und Pflegeheim, sollten eigentlich ab Oktober von der Stadt Stuttgart Flüchtlinge untergebracht werden. Bis auf weiteres dient es jetzt als staatliche Notunterkunft.

Am Sonntagmittag besuchte Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer zusammen mit dem Präsidenten des Regierungspräsidiums Stuttgart, Johannes Schmalzl, die Unterkunft. Fezer zeigte sich beeindruckt von der Arbeit, die Feuerwehr und DRK zusammen mit dem Caritasverband und vielen Ehrenamtlichen geleistet haben. Die Bürgermeisterin sagte: "Ich bin beeindruckt von der Professionalität und Schnelligkeit, mit der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Ämter wie Brandschutzdirektion, Sozial- und Jugendamt wie auch die Caritas und das DRK eine so gute Unterkunft für die Menschen in Not auf die Beine gestellt haben. Auch die Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium und den Landesbehörden war hervorragend. Ich habe bei den vielen Kontakten nur Hilfsbereitschaft, Entgegenkommen und Kompetenz erlebt."

Regierungspräsident Schmalzl und Bürgermeisterin Fezer im Gespäch mit FlüchtlingenRegierungspräsident Johannes Schmalzl und Bürgermeisterin Isabel Fezer im Gespäch mit Flüchtlingen im Aufenthaltsraum: Foto: Achim Zweygarth/Stadt Stuttgart
"Bieten keinen Komfort, aber geschützten Raum"

Ihre Eindrücke nach dem Rundgang beschrieb die Bürgermeisterin so: "Ich spüre hier im Haus ein großes Aufatmen. Die Menschen können entspannen nach ihrer langen, schwierigen Flucht. Wir bieten ihnen nichts Überkomfortables, aber die Flüchtlinge sind dankbar für den Raum, auf dem sie sich sicher und geschützt fühlen können."
Regierungspräsident Schmalzl betonte: "Ich bedanke mich ganz besonders bei der Landeshauptstadt Stuttgart für die gute und konstruktive Zusammenarbeit. Es ist wichtig, dass Stuttgart uns ein verlässlicher Partner bei der Bewältigung dieser großen humanitären Aufgabe ist und bleibt. Nur gemeinsam können das Land und die Kommunen diese Herausforderung bewältigen. Alle Ebenen der Landesverwaltung arbeiten in einer Verantwortungsgemeinschaft. Die Hilfe, die uns die Landeshauptstadt Stuttgart hier zukommen lässt, entlastet gleichzeitig die LEA in Ellwangen im Regierungsbezirk. Hier zeigt sich die große Solidarität der Kommunen untereinander, die wir dringend brauchen. Gleichzeitig danke ich allen Helfern, die diese Notunterkunft so kurzfristig aufgebaut und in Betrieb genommen haben."

Städtische "Alarmkette hat funktioniert"

Nach der Anfrage aus dem Staatsministerium am Samstagmorgen sei die Stadt, so Fezer, in dieser Notsituation selbstverständlich umgehend der Bitte des Landes um Unterbringung von Flüchtlingen nachgekommen. "Unsere Alarmkette hat bestens funktioniert, und wir konnten binnen weniger Stunden eine Unterkunft bereitstellen und ausrüsten." Fezer lobte in ihren Dankesworten das reibungslose Zusammenspiel von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr, DRK, dem Caritasverband und dessen Hausleitung von Haus Martinus sowie deren Flüchtlingsbetreuung mit der Sozialverwaltung einschließlich Jugendamt und mit dem Regierungspräsidium. Sie dankte auch dem Klinikum Stuttgart und den Maltesern für die Bereitstellung und Betreuung einer medizinischen Ambulanz in der Unterkunft.

Berufsfeuerwehr und mehrere Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr hatten am Samstag nach Alarmierung unverzüglich mit der Einrichtung des Hauses St. Martinus begonnen. Im Laufe des Tages wurden von ihnen die Zimmer mit vom DRK bereitgestellten Betten, Schlafsäcken und Hygieneartikeln ausgestattet ebenso wie die Aufenthaltsräume mit Sitzgelegenheiten. DRK und ehrenamtliche Kräfte der Feuerwehr sorgten für die Verpflegung der Flüchtlinge.

Caritasverband betreut die Flüchtlinge

Im Haus befindet sich auch eine vom Klinikum Stuttgart zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst betriebene medizinische Ambulanz, wo die Flüchtlinge auf ansteckende Krankheiten wie etwa Tuberkulose untersucht werden. Die Betreuung der Flüchtlinge in der Unterkunft übernimmt der Caritasverband mit seiner professionellen Flüchtlingssozialarbeit, darunter Kräfte mit Migrationshintergrund und arabischen Sprachkenntnissen. Außerdem wurde für die Unterkunft ein Wachdienst von der Stadt ermöglicht.

Unter den Flüchtlingen befanden sich auch unbegleitete Minderjährige. Sie wurden vom Jugendamt in Obhut genommen und werden in einer speziell geeigneten Unterkunft betreut. Die Jugendlichen werden in den nächsten Wochen einen Vormund erhalten und mit sozialpädagogischer Begleitung in Wohngruppen oder Pflegeverhältnisse vermittelt.

In Stuttgart sind aktuell 4300 Flüchtlinge untergebracht, weitere werden schon nächste Woche folgen.


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