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Zweite Urnen-Gemeinschaftsgrabanlage in Stuttgart wird vorgestellt

03.11.2015 Soziales
Der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, Volker Schirner, und Matthias Kull, Mitglied des Vorstands der Württembergischen Friedhofsgärtner, sowie Thomas Florian als Vertreter der Netzwerkstein Steinmetz + Bildhauer Genossenschaft, haben am Dienstag, 3. November, die zweite Urnen-Gemeinschaftsgrabanlage in Stuttgart auf dem Friedhof Heslach vorgestellt. Damit reagieren die am Friedhof tätigen Gewerke und die Stadt Stuttgart auf die tiefgreifenden Veränderungen in Gesellschaft, Demografie und Grabkultur.

Urnengräber von der Gemeinschaftsanlage auf dem Friedhof HeslachDie zweite Urnen-Gemeinschaftsgrabanlage in Stuttgart befindet sich auf dem Friedhof in Heslach. Foto: Stadt Stuttgart
"Individualismus, Pluralismus, Mobilität und Multireligiosität sind Entwicklungen, die die Friedhofsverwaltungen, aber auch Steinmetze und Friedhofsgärtner heute vor zahlreiche neue Herausforderungen stellen", sind sich Schirner, Kull und Florian einig.

Urnen-Gemeinschaftsgrabanlagen sind einheitlich gestaltete Grabfelder, die Platz für eine bestimmte Anzahl an Urnengräbern bieten. In der auf dem Friedhof in Heslach fertiggestellten Anlage werden sogenannte "Alles-inklusiv-Gräber" angeboten. Die Anlage ist bereits fertig bepflanzt - eine jahreszeitlich wechselnde Bepflanzung wird zusätzlich regelmäßig ausgeführt - und mit einem zentralen Grabmal ausgestattet. Interessenten können sich dort sowohl für ein Urnenwahlgrab als auch für ein Urnenreihengrab entscheiden. Dabei ist während der gesamten Laufzeit über
20 Jahre die gärtnerische Pflege, die Pflege des Grabmals, die Gewährleistung der Verkehrssicherheit sowie die Abräumung des Grabes nach Ablauf der Nutzungszeit durch qualifizierte Friedhofsgärtner- und Steinmetzbetriebe gesichert. Damit entfällt für die Angehörigen der oft problematische Pflegeaufwand.

Der Erwerb eines Urnengrabes ist mit dem Abschluss eines Dauergrabpflegevertrages bei der Württembergische Friedhofsgärtner eG und eines entsprechenden Vertrages mit der Steinmetz- und Bildhauergenossenschaft verbunden. Vorsorgeverträge können bereits zu Lebzeiten abgeschlossen werden. Die Genossenschaften gewähren dabei für Leistung und Qualität. Die Kosten für die Gesamtlaufzeit einer Grabstelle in einer Gemeinschaftsgrabanlage sind in der Regel günstiger als bei traditionellen Einzelgräbern, die vom jeweiligen Grabnutzungsberechtigten selbst oder über einen separaten Pflegevertrag von einem Friedhofsgärtner gepflegt werden müssen.

"Am "Runden Tisch Friedhofskultur' waren wir uns einig, dass alles getan werden muss, um unsere Friedhöfe auch für künftige Generationen zu erhalten - als Ort der Besinnung und Trauer für die Hinterbliebenen, aber auch als würdige und würdevolle letzte Ruhestätte unserer Toten", erklärt Schirner.

Trend zu Urnengräbern

"Traditionelle Familienstrukturen lösen sich zunehmend auf, die Bevölkerung wird immer mobiler: Dadurch wird es immer schwieriger, die Gräber verstorbener Angehöriger zu pflegen", erläuterte Schirner ein Dilemma, vor dem immer mehr Angehörige stehen. "Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen ein gepflegtes, würdiges Grab und ansprechend gestaltete Friedhöfe."

In den letzten Jahren ist in Stuttgart, aber auch bundesweit ein Trend von der Erdbestattung zu günstigen und meist pflegeleichten Urnengräbern festzustellen. Oft fällt die Entscheidung zugunsten alternativer Bestattungsformen wie Friedwaldbeisetzungen, Ascheausstreuungen auf Almwiesen in der Schweiz und ähnlichen Angeboten. Auch anonyme Bestattungen sind zunehmend gefragt. Dies führt bei den Friedhöfen zu sinkenden Gebühreneinnahmen, während gleichzeitig nicht mehr benötigte, aber weiterhin Pflegekosten verursachende Freiflächen entstehen.

Doch nicht nur die Kommunen als Träger der Friedhöfe sind von dieser Entwicklung betroffen, sondern auch die am Friedhof tätigen Gewerke wie Friedhofsgärtner und Steinmetze. "Neben der Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen der Friedhofsgärtner ist die Erhaltung ansprechender Friedhöfe und damit unserer Friedhofskultur eine unserer wichtigsten Aufgaben", sagt Kull. "Gleichzeitig tragen wir mit solchen Angeboten dem Wunsch vieler Menschen Rechnung, die letzte Ruhestätte ihrer Angehörigen oder auch die eigene gut versorgt und gepflegt zu wissen und einen Ort der Erinnerung zu schaffen."

"Alle am Friedhof tätigen Gewerke müssen für die sich ändernden Bedürfnisse von Hinterbliebenen neue Angebote entwickeln und anbieten", erläutert Thomas Florian. "Nur so werden Friedhöfe mit ihren gewachsenen Strukturen, die einen geschützten Raum für Trauer und Totengedenken bieten, langfristig bestehen bleiben können. Ein Grab in einer Gemeinschaftsgrabanlage ist kostengünstiger und entlastet die Angehörigen von der Pflege. Im Gegensatz zu anonymen Gräbern werden die Namen der Verstorbenen in dieser Gemeinschaftsgrabanlage auf zentralen Stelenskulpturen genannt. Damit werden wir dem Bedürfnis der Trauernden nach einem persönlichen Ort, einem 'Garten der Erinnerung', gerecht."
Weiterer Ausbau möglich

Weitere Ausbaustufen denkbar

Die Gemeinschaftsgrabanlage auf dem Friedhof Heslach in Abteilung 5 ist für Urnengräber konzipiert. Sie umfasst in einem ersten Bauabschnitt 23 Urnenwahlgräber für bis zu zwei Belegungen sowie sechs Urnenreihengräber. Je nach Nachfrage sind zwei weitere Ausbaustufen möglich. Die erste im Juni 2013 eingeweihte Gemeinschaftsgrabanlage auf dem Hauptfriedhof in Steinhaldenfeld ist - zumindest was die Urnengrabstellen betrifft - nahezu vollständig belegt. Damit zeichnet sich ab, dass diese Bestattungsform eine attraktive Antwort auf die gewandelten Bedürfnisse der Bürger an die Bestattungskultur darstellt und eine große Nachfrage hat. Deshalb werden diese gärtner- und steinmetzgepflegten Anlagen auch in der zukünftigen Friedhofskonzeption der Stadt ein großes Gewicht haben. So bestehen bereits Planungen für den Friedhof in Vaihingen und den Waldfriedhof. 

Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt hat gemeinsam mit den Genossenschaften und deren Mitgliedsbetrieben die Anlage auf dem Friedhof in Heslach geplant und gebaut. Dabei sind die Betriebe in Vorleistung gegangen.

Die gärtnerische Gestaltung und Pflege wird von der Firma Otto Müller, Inhaber Hagen Müller, übernommen. Für die bildhauerische Gestaltung sowie Steinmetzarbeiten und die Pflege der Stele ist die Firma Klaus Lehmann zuständig. Beide Betriebe sind in der Region ansässig.

Weitere Informationen zur Gemeinschaftsgrabanlage erteilen das Garten-, Friedhofs- und Forstamt, Friedhofsaufseher Friedhof Heslach, Telefon 216-98019, Sachgebiet Gräberverwaltung, Telefon 216-93845, die Netzwerkstein Steinmetz + Bildhauer Genossenschaft eG, Telefon 2597630, sowie die Württembergischen Friedhofsgärtner eG, Telefon 6449525.