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Otto-Hirsch-Auszeichnung für Gabriele Müller-Trimbusch

02.02.2016 Kultur
Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat am Dienstag, 2. Februar, der ehemaligen Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, Gabriele Müller-Trimbusch, die Otto-Hirsch-Auszeichnung überreicht.

Diese Auszeichnung wird im Gedenken an Otto Hirsch, der 1885 in Stuttgart geboren und 1941 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet wurde, seit 1985 jährlich von der Stadt, dem Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart (GCJZ) und der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) verliehen. Geehrt werden Persönlichkeiten, Gruppen oder Initiativen, die sich in besonderer Weise um die interreligiöse Zusammenarbeit vor allem zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben.

Großer Einsatz für interreligiösen Dialog

Gabriele Müller Trimbusch war über Jahrzehnte eine zentrale Persönlichkeit mit höchster gesellschaftlicher Wertschätzung in allen wichtigen Fragen des interreligiösen Dialogs. Darüber hinaus war sie langjährige evangelische Sprecherin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und viele Jahre bis 2011 Vorsitzende des Komitees Baden-Württemberg der Freunde der Universität Tel Aviv.

Sie begleitete die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs beim Aufbau einer Betreuung für die jüdischen Kontingentflüchtlinge mit Rat und Tat ebenso, wie sie die Öffnung der jüdischen Gemeinde in die Stadtgesellschaft hinein gefördert hat. Über Jahre entwickelte sich dank ihres persönlichen Einsatzes ein sehr enges Verhältnis zwischen der Landeshauptstadt und dem Vorstand der IRGW.

Festakt im Rathaus

Zu Ehren von Gabriele Müller-Trimbusch spielte Professor Kolja Lessing, Träger der Otto-Hirsch-Auszeichnung 2015, die erste Suite für Geige solo von Ferdinand David, einem Freund des Komponisten Felix Mendelssohn, sowie zwei Schlüsselwerke der frühen israelischen Musik von Abel Ehrlich und Paul Ben-Haim.

Nach Ansprachen von OB Fritz Kuhn, Bürgermeister Martin Schairer als Vorstandssprecher der GCJZ, Barbara Traub, Vorstandssprecherin der IRGW und Dankesworten von Gabriele Müller-Trimbusch las Eva Hosemann Gedichte von Rose Ausländer.

Internationales ehrenamtliches Engagement

Die Bildprojektion "Shavei Zion - Ein Schwabendorf in Israel" begleitete die anschließende Gesprächsrunde, die von Dr. Johannes Weiß, Programmchef von SWR2 moderiert wurde. Teilnehmer waren neben Gabriele Müller-Trimbusch der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Professor Dr. Wolfgang Schuster, Barabara Traub und Alt-Landesrabbiner Dr. h.c. Joël Berger.

Shavei Zion steht beispielhaft für das internationale ehrenamtliche Engagement von Gabriele Müller-Trimbusch in allen Fragen des interreligiösen Dialogs und der Begegnung mit jüdischen Menschen auch in Stuttgarts Partnerstädten Brünn, Lodz und Samara.

Bürgermeisterin mit vielfältigen Verdiensten

1945 in Schleswig-Holstein geboren, wurde Gabriele Müller-Trimbusch nach dem Studium der Fächer Englisch, Geschichte und Philosophie in Kiel und Bloomington (Indiana, USA) 1971 Dozentin an der Universität Stuttgart. Am 23. März 1990 wählte sie der Gemeinderat als erste Frau auf Stuttgarts Bürgermeisterbank zur Beigeordneten für Jugend, Soziales und Gesundheit. 1998 und 2006 wurde sie im Amt bestätigt und beendete 2010 mit Erreichen des 65. Lebensjahres ihre Aufgabe als Bürgermeisterin.

Zahlreiche Ehrenämter stehen für ihr intensives gesellschaftliches Engagement. Von der Gründung bis heute ist sie Vorstandsvorsitzende der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und Vorstandsmitglied der Theodor-Heus-Stiftung. 2007 wurde Gabriele Müller-Trimbusch vom damaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac zum "Officier de l'ordre National du Mérite" ernannt, 2008 erhielt sie den AMSEL-Förderkreis/Ursula-Späth-Preis.

Otto Hirsch

Otto Hirsch wurde am 9. Januar 1885 in Stuttgart geboren und am 19. Juni 1941 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet. Der promovierte Jurist war 1914 bis 1919 Rechtsrat der Stadt. Als Ministerialrat im württembergischen Innenministerium war er 1921 Mitbegründer der Neckar-Aktiengesellschaft. 1933 wurde er als "Glaubensjude" von den Nationalsozialisten entlassen.

Hirsch gründete 1926 das Jüdische Lehrhaus Stuttgart und wurde 1930 Präsident des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Als Geschäftsführender Vorsitzender der Reichsvertretung der Deutschen Juden (1933 bis 1941) setzte er sich unter schwierigen Bedingungen für seine verfolgten Schicksalsgenossen ein. Mit seiner Hilfe konnten Zehntausende von Glaubensjuden nach 1933 durch Auswanderung gerettet werden.

Otto-Hirsch-Auszeichnung

Die Stadt, IRGW und GCJZ haben von 1985 bis 2012 die Otto-Hirsch-Medaille verliehen. Seit 2013 ist es die Otto-Hirsch-Auszeichnung in Form einer Skulptur der Künstlerin Christine Braun. Die Skulptur aus lichtdurchlässigem Beton mit optischen Fasern kann als Grundstein, Schrifttafel oder Buch gesehen werden und erinnert auch an den Stein von Rosette.

Weitere Informationen stehen unter www.stuttgart.de/otto-hirsch-auszeichnung.