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OB Kuhn und SSB-Chef Arnold stellen die "gemeinsame Vision" vor

08.04.2016 Verkehr/Mobilität
Der Öffentliche Nahverkehr in Stuttgart soll noch leistungsfähiger werden. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) plant daher, das Angebot zu erweitern. Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Aufsichtsratsvorsitzender der SSB, hat mit Wolfgang Arnold, Sprecher des Vorstands, am Freitag, 8. April, die dazu gehörigen Überlegungen vorgestellt.
OB Kuhn sagte: "Es gibt eine gemeinsame Vision: Wir wollen das Angebot für den ÖPNV in Stuttgart verbessern. Dafür haben wir ein ganzes Paket an Ideen zusammengestellt, die kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden können." Und weiter: "Unser Ziel ist es, noch mehr Menschen zum Umsteigen zu bewegen. Dafür brauchen wir höhere Frequenzen in den Hauptverkehrszeiten bei Bus und Bahn und mehr Fahrzeuge auf den Schienen."

Dies könne, so der OB, nur realisiert werden, wenn das Land die nötigen Mittel für den Ausbau des ÖPNV einstelle. Er appelliert dazu an die künftige Landesregierung, die Städte entsprechend zu unterstützen. "Ich habe schon in Gesprächen dafür geworben, dass bei den laufenden Koalitionsverhandlungen der Topf zur Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs gefüllt werden sollte."

Denn allein bei den Städten in Baden-Württemberg mit kommunalen Schienenverkehr betrage der jährliche Bedarf für den Ersatz von Fahrzeugen und die Erneuerung der Infrastruktur 250 Millionen Euro. Kuhn weiter: "Das Land weiß, dass in Stuttgart die Grenzwerte der Luftschadstoffe nur mit einem attraktiven Nahverkehr einzuhalten sind", so Kuhn. Das liege auch im Interesse des Landes, damit einer Klageandrohung durch die EU auf Einhaltung der Grenzwerte konfrontiert ist.

Möglichen Tarifsenkungen erteilte er eine Absage. Angesichts der enormen Investitionen, die in den nächsten Jahren im ÖPNV anstehen, könne man seriös aktuell keine Preissenkungen versprechen, argumentierte der OB.

Planungen brauchen Vorlauf


Die Planungen sind umfangreich - auf "Knopfdruck" werde sich das Angebot im ÖPNV nicht verbessern lassen, erläuterte Wolfgang Arnold. Hintergrund seien vor allem die Kosten für Fahrzeuge, Infrastruktur und Personal. Daher orientiere sich das ÖPNV-Angebot am Bedarf, vor allem mit Blick auf die Spitzenzeiten. "Nur so ist ein wirtschaftlicher Einsatz der begrenzten Mittel gewährleistet", sagte Arnold.

Ziel sei es, dass in der Spitzenstunde etwa maximal zwei Drittel der Plätze belegt seien. Zu den "angebotenen Plätzen" gehören die Sitz- und Stehplätze, wobei hier mit vier Fahrgästen auf einem Quadratmeter gerechnet wird.

Die SSB hat im vergangenen Jahr ermittelt, dass einzelne Abschnitte besonders stark ausgelastet sind. Dazu gehören auch Abschnitte der U13 (Glockenstraße - Rosensteinbrücke) und der U2 (Kursaal - Daimlerplatz). Hier liegt die Auslastung jeweils zwischen 80 und 90 Prozent.

Weitere Perspektiven

Perspektiven für die Erweiterung der Kapazitäten sieht die SSB durch eine Verstärkung der Linie U8 zwischen Vaihingen und Ostfildern/Nellingen. Hier sollen ab Mai 2016 zwei extra Züge in der Hauptverkehrszeit fahren. Mittelfristiges Ziel ist es, hier alle zehn Minuten Fahrten anzubieten. Ab August 2017 sollen zudem  auf der Linie U12 zwischen Remseck und Dürrlewang Züge mit 80 Metern eingesetzt werden.

Andere Erweiterungen wären möglich auf der Linie U2: Sie könnte durch den Einsatz der Tangential-Linie U19 zwischen Neugereut und Neckarpark unterstützt werden. Die Linie U13 könnte auf 7,5-Minuten in der Hauptverkehrszeit und die U15 soll zwischen Stammheim und Mönchfeld durch eine zusätzliche Linie ergänzt werden.

Wenn die Anpassungen und Ergänzungen der Infrastruktur vorgenommen sind, könnten auf der Linie U1 Züge mit 80 Metern Länge eingesetzt werden, eine neue Linie 5b Plieningen direkt mit der City verbinden, und auf der Linie U6 Züge mit 120 Metern Länge eingesetzt werden. Außerdem könnte die Zahnradbahn eine verbesserte Möglichkeit zur Fahrradmitnahme und einen barrierefreien Zustieg bieten. Beim Busverkehr ist unter anderem ein Angebot angedacht, das zwischen Bad Cannstatt - Innenstadt zeitweise die Stadtbahnen unterstützen soll.

Voraussetzungen für das erweiterte Angebot

Um die Erweiterungen zu ermöglichen, müsste die SSB weitere Fahrzeuge beschaffen. Bislang nutzt sie 184 Stadtbahnen. SSB-Chef Arnold sprach auf der Pressekonferenz von einer möglichen Aufstockung um insgesamt 40 weitere Fahrzeuge sowie drei neue Zahnradbahn-Fahrzeuge. Laut Arnold wäre es vorstellbar, alte Züge zu ertüchtigen und länger zu nutzen, um geplante Neuanschaffungen zur Taktverbesserung in den Hauptverkehrszeiten einzusetzen.

Weiterhin müssten die Betriebsanlagen für das Mehrangebot ausgerüstet werden. Dabei geht es auch um einen vierten Stadtbahn-Betriebshof. Zudem müsse das Land, wie von OB Kuhn gefordert, wieder in die Schienenfahrzeugförderung einsteigen.

Bei der Gäubahn soll die "Panoramastrecke" (S-Nord / S-West) erhalten bleiben, eine Anbindung nach Feuerbach erhalten und neue Verknüpfungspunkte mit Stadtbahn und Bus geschaffen werden: Beim Eckartshaldenweg, dem Herderplatz, dem Westbahnhof und in Vaihingen.

Die SSB prüft zudem langfristig eine Verlängerung bestimmter Linien: Dazu gehören die U8, die bis nach Büsnau fahren könnte, die U5 bis Echterdingen, die U3 bis Birkach, die U7 bis Esslingen, die U19 bis Schmiden/Oeffingen bzw. bis zum Mercedes-Benz Museum, die U14 bis Ludwigsburg/Markgröningen und die U13 bis Hausen.

Daten und Fakten
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Präsentation Vision ÖPNV 2016 (PDF)