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Bürgerbeteiligung Rosenstein: Intensive Gespräche bei der zweiten Öffentlichen Veranstaltung

18.06.2016 Aktuelles
Am Samstag, 18. Juni, hat die zweite Öffentliche Veranstaltung der Informellen Bürgerbeteiligung Rosenstein im Stuttgarter Rathaus stattgefunden. Oberbürgermeister Fritz Kuhn begrüßte die Bürgerinnen und Bürger im Großen Sitzungssaal.
Kuhn sagte: "Lassen Sie uns im Rahmen der Bürgerbeteiligung ausloten, ob wir für das künftige Rosensteinquartier ein Thema für eine Internationale Bauausstellung entwickeln können." Auch die Weissenhofsiedlung sei 1927 im Rahmen einer Bauausstellung entstanden. "Der Bau ist damals als Gesellschaftsprozess verstanden worden und hat Maßstäbe gesetzt", so Kuhn: "Deshalb sollten wir prüfen, was zum 100 Jahrestag sinnvoll und möglich ist."

Der OB betonte, dass viele Faktoren bei den Planungen zum Rosensteinquartier berücksichtigt werden müssten. Neben der Nachhaltigkeit und der Entwicklung als Energie-plus-Viertel sei auch die soziale Durchmischung des neuen Viertels wichtig. "Wer knappe Flächen hat, muss intelligent damit umgehen", so Kuhn. "Bezahlbarer Wohnraum, neue, exemplarische Formen des Bauens oder die Zuschnitte des Wohnraums werden wichtige Aspekte bei der Beplanung des Rosensteinquartiers sein. Ich fände es daher sehr spannend, dies zum Thema einer Internationalen Bauausstellung zu machen", sagte der OB.

In zwei Fachvorträgen ging es um die Themen Wohnen und Klima. Prof. Dr. Tilman Harlander sprach über die "Soziale Vielfalt und Mischung im Wohnen". Er betonte, die zentrale Herausforderung beim Bau des Rosensteinviertels würde darin liegen, ein attraktives, lebendiges und sozial stabiles Wohnquartier zu schaffen. Dabei würde den Bauträgern und Baugenossenschaften eine besondere Bedeutung zukommen. Die Vergabe an die Bauträger dürfe sich nicht ausschließlich am Preis orientieren sondern müsse konzeptabhängig erfolgen, um eine soziale Durchmischung sicherzustellen. Er warb um eine kleinteilige Bebauung und sprach von einer Kultur der Parzelle.

Silke Drautz vom Amt für Umweltschutz referierte zum Thema "Stadtklimatologische Leitgedanken zur Entwicklung des Rosensteinviertels". Sie unterstrich die Bedeutung von Frischluftschneisen, die bei der Beplanung des neuen Quartiers berücksichtigt werden müssten. Für ein gutes Klima sei es darüber hinaus wichtig, die positiven Auswirkungen einer Grünvernetzung in die Bebauung hinein zu berücksichtigen. Dem Klima im Quartier kämen zudem umfangreiche Dach- und Fassadenbegrünungen zugute.

Zentrale Themen in den Arbeitsgruppen: Vielfalt, Wohnen und eine Eisdiele

Highlights aus der erstmals veranstalteten Kinderwerkstatt und aus der Arbeit an den Thementischen wurden am Ende der Veranstaltung im Großen Sitzungsaal zusammengetragen. Die Kinder zeigten anhand eines selbst gebastelten Modells, dass sie besonders viel Wert legen auf Freiflächen, Wasserlandschaften und abwechslungsreiche Spielgeräte. Darüber hinaus wünschen sie sich Sitzgelegenheiten für ihre Eltern - und unbedingt eine Eisdiele.

In den Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass die Themen Vielfalt und Wohnen für viele von zentraler Bedeutung sind. Die Teilnehmer wünschen sich eine soziale Mischung im neuen Viertel mit einem Austausch der Kulturen und einem generationsübergreifenden Miteinander. Abwechslungsreiche Einkaufsmöglichkeiten vor Ort und ein Wochenmarkt stehen ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste. Auch die Bedürfnisse der Natur sollen bei der Gestaltung des neuen Quartiers berücksichtigt werden. So wurde angeregt, Naturerlebnisse im urbanen Raum zu ermöglichen und naturnahe Flächen zu schaffen, die Rückzugsräume für Tiere bilden.

Die Teilnehmer diskutierten engagiert über die Rolle des öffentlichen Raums als "das Wohnzimmer der Stadt", über kulturelle Einrichtungen sowie über Freizeit, Sport und Erholung. Weiterhin überlegten sie, welcher Raum Kreativität und Flexibilität eingeräumt werden soll. Insgesamt wurde sichtbar, dass es vielen darum geht, Orte und Räume der Begegnung zu schaffen. Die Diskussionen zeigten, dass die Beteiligten nach Ansätzen suchen, wie die unterschiedlichen Bedürfnisse miteinander in Einklang zu bringen sind.

Beate Voskamp und Stefan Kessen, die Moderatoren der MEDIATOR GmbH, die den Beteiligungsprozess entworfen hat, sagten zum Abschluss der Veranstaltung: "Wir freuen uns sehr, dass sich alle Beteiligten wieder auf einen intensiven und offenen Dialog miteinander eingelassen haben, um aus ihrer jeweiligen Perspektive heraus genau das einzubringen, was ihnen bei den verschiedenen Themen jeweils besonders wichtig ist - und warum. Durch diesen gemeinsamen Austausch haben die Beteiligten vieles voneinander erfahren, wertvolle Informationen ausgetauscht und sich gegenseitig ihre individuellen Sichtweisen beschrieben. Das Festgehaltene werden wir nun auswerten. Wir hoffen, damit eine Basis zu schaffen, für die Entwicklungsfläche Rosenstein neue Handlungsoptionen gewinnen und Lösungsräume öffnen zu können."

Info-Messe und Diskussionen an Thementischen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten den Nachmitttag im Rathaus genutzt, um sich zu informieren, miteinander ins Gespräch zu kommen und um Ansätze zu vertiefen, die in dem Beteiligungsprozess bereits sichtbar geworden sind. An 20 Thementischen diskutierten die Beteiligten in verschiedenen Arbeitsgruppen Inhalte wie Soziales Miteinander, Mobilität im Viertel, Schnittstellen und Vernetzungen, Kulturelle Einrichtungen, Wohnen, Öffentliche Räume, Umgang mit Bestandsbauwerken, Umwelt und Natur, Freizeit, Sport, Erholung, Arbeit und Wirtschaft.

Bei einer Info-Messe konnten sich die Besucher eine Übersicht über die Entwicklungsfläche Rosenstein verschaffen sowie über Ziele, Ablauf und Bausteine des im Jahr 2016 laufenden Beteiligungsverfahrens. Sie erhielten Einblicke in die bisherige Interessensammlung, die ein zentraler Baustein des Beteiligungsprozesses sein wird, sowie in die Ergebnisse der ersten öffentlichen Veranstaltung vom April 2016.

Auf großes Interesse sind insbesondere die Angebote und Möglichkeiten der selbstorganisierte Beteiligungs-Aktionen (Offene Formate) gestoßen, die von unterschiedlichen Gruppen, Vereinen und Einzelpersonen durchgeführt wurden und weiterhin werden. Exkursionen, Stadtteilspiele, Ausstellungen, Befragungen und vieles mehr sind geplant und haben teilweise bereits stattgefunden.

Die Ergebnisse dieser zweiten Öffentlichen Veranstaltung werden in die Interessensammlung Rosenstein einfließen. Eine Dokumentation der Veranstaltung wird auf dem Beteiligungsportal der Landeshauptstadt Stuttgart unter www.stuttgart-meine-stadt.de/rosenstein veröffentlicht. Dort sind auch zahlreiche weitere Informationen über die Entwicklungsfläche Rosenstein sowie zur Informellen Bürgerbeteiligung Rosenstein zu finden.

Die dritte Öffentliche Veranstaltung im Beteiligungsprozess wird am 24. September 2016 in den Wagenhallen stattfinden.