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Überlebensbaum aus Hiroshima für das Stuttgarter Rathaus

04.07.2016 Aktuelles
Zum Flaggentag der Mayors for Peace (Bürgermeister für den Frieden) am Freitag, 8. Juli, erhält Stuttgart einen Ginkgo-Setzling von einem Baum, der den Atombombenabwurf auf Hiroshima überlebt hat.

Um 11.45 Uhr empfängt der Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser, Werner Wölfle, Vertreter von Friedensgruppen auf der Rathaustreppe. Drei Minuten vor Zwölf entrollt er auf dem Rathausbalkon die Flagge der Mayors for Peace. Der Zeitpunkt weist auf die Gefahreneinschätzung des Magazins Bulletin of the Atomic Scientist hin. Die Wissenschaftler haben die Weltuntergangsuhr auf Drei vor Zwölf gestellt. Anschließend pflanzt Bürgermeister Wölfle den Ginkgo-Setzling gemeinsam mit der Stuttgarter Referentin des japanischen Honorarkonsulats, Christiane Yamakoshi, und Dr. Susanne Germann, Vizepräsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Baden-Württemberg, in Gegenwart von Vertretern der Friedensbewegung auf der Dachterrasse des Rathauses ein. Dort kann der Setzling heranwachsen, bis er groß genug ist, um auf eine öffentliche Fläche versetzt zu werden.

Hiroshimas Bürgermeister Matsui hat den Samen in Wien bei Verhandlungen über nukleare Abrüstung bei der UNO 2012 an Wolfgang Schlupp-Hauck, den Vorsitzenden der Friedenswerkstatt Mutlangen, übergeben. Der Mutter-Ginkgo in Hiroshima wurde 1945 beim Atombombenabwurf völlig verkohlt, doch aus dem schwarzen Stumpf sprossen im folgenden Frühjahr grüne Blättchen. Für die Überlebenden ein Hoffnungszeichen. Mit dem im Green Legacy Projekt verschenkten Samen will Hiroshimas Bürgermeister die Erinnerung an das Grauen des Atombombenabwurfs und die Hoffnung auf eine friedlichere Welt ohne Atomwaffen wachhalten.

Erinnerung an das Rechtsgutachten des IGH zu Atomwaffen

Stuttgart ist seit 2004 Mitglied in dem von Hiroshima und Nagasaki ausgehenden Städtenetzwerk Mayors for Peace. Mit dem Flaggentag erinnern die Mayors for Peace an das Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) zu Atomwaffen von 1996 und fordern den Verhandlungsbeginn für ein Atomwaffenverbot. Die zwei Kernsätze des Rechtsgutachtens des Internationalen Gerichtshofs sind die Feststellung, dass der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich illegal ist, sowie eine Verpflichtung besteht, Verhandlungen zu beginnen, mit dem Ziel, alle Atomwaffen abzurüsten. Dem Bündnis gehören weltweit 7.000 Städte an, darunter 462 in Deutschland.

In einer Veranstaltung am Vorabend, Donnerstag, 7. Juli, um 19.30 Uhr im Kleinen Sitzungsaal des Rathauses, spricht Bürgermeister Wölfle ein Grußwort. Dr. Peter Becker, Vorstandsmitglied der Juristinnen und Juristen gegen atomare, biologische und chemische Waffen (IALANA) erläutert die seinerzeit bedeutsame Entscheidung des IGH, zu der die IALANA mit beigetragen hatte. Dr. Becker zieht Bilanz hinsichtlich der völkerrechtlichen Situation und der Möglichkeiten zur Überwindung der nuklearen Bedrohung.

Vor dem Hintergrund der geplanten Stationierung neuer technisch aufgerüsteter Atomwaffen in Deutschland und Europa werden im anschließenden Gespräch mit Dr. Becker, Vertretern der Friedensgruppen und Zuhörern Möglichkeiten des kommunalen und bürgerschaftlichen Eintretens für eine Welt ohne Atomwaffen diskutiert.