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Gemeinderat stimmt zu: Vertrag von Generalmusikdirektor Ettinger verlängert

07.07.2016 Personalien
Die Landeshauptstadt Stuttgart hat den Vertrag mit ihrem Generalmusikdirektor Dan Ettinger um weitere fünf Jahre bis zum Sommer 2023 verlängert. Der Gemeinderat hat den entsprechenden Beschluss am Donnerstag, 7. Juli, einmütig gefasst.

"Wir freuen uns, dass wir damit einen der profiliertesten Dirigenten der jüngeren Generation auf lange Sicht an das Orchester der Landeshauptstadt binden konnten", sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn. Die Vertragsverlängerung sei ein Vertrauensbeweis beider Seiten: der Stadt und ihres Orchesters einerseits und dem Dirigenten andererseits. "Für Stuttgart ist die Kultur von herausragender Bedeutung. Die Stuttgarter Philharmonikern und Dan Ettinger sind ein Aushängeschild: Sie setzen auch auf internationalem Parkett künstlerische Maßstäbe und bereichern das Spannungsfeld aus Tradition und Innovation durch ein eigenes Profil."

Dan Ettinger hatte die Position zu Beginn der Spielzeit 2015/2016 übernommen. In der ersten Saison mit Ettinger haben die Stuttgarter Philharmoniker ihren künstlerischen Aufschwung konsequent fortgesetzt. Der neue Chefdirigent orientiert sich stilistisch an Dirigenten wie John Barbirolli, Wilhelm Furtwängler, Sergiu Celibidache, Herbert von Karajan und Daniel Barenboim.

Dan Ettinger lobt die "unbedingte Musikalität" der Philharmoniker und seine Fähigkeit, interpretatorische Feinheiten rasch zu erfassen und umzusetzen. "Die Zusammenarbeit war "so etwas wie Liebe auf den ersten Blick", sagt er. "Ich habe bereits viele Orchester dirigiert. Die Stuttgarter sind mir auf Anhieb ans Herz gewachsen." Das Orchester der Landeshauptstadt, mit dem er eine eigene Sprache entwickeln will, sei seine künstlerische Heimat. Mit ihm möchte er "das Drama, wie ich es von der Opernbühne kenne, in sinfonische Musik einbringen". Für ihn sei "das Espressivo wichtig, dass die Streicher immer singen, und zum Gesang gehört Vibrato: alles mit Geschmack und stilistisch den Werken angemessen. Alle wissen, dass bei mir die Extreme sehr groß sind: Lautes ist richtig laut, Leises sehr leise."

Ettingers Auffassung begeistert auch das Publikum der Stuttgarter Philharmoniker. Inzwischen beträgt die Auslastung der Abonnementskonzerte im Beethovensaal beinahe 80 Prozent; 2015 besuchten knapp 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Konzerte. Durch die jahrelange kontinuierliche kulturpädagogische Arbeit mit Schulklassen und die Partnerschaft mit dem Jugendsinfonieorchester der Stuttgarter Musikschule hat sich auch der Altersdurchschnitt kontinuierlich verjüngt. "Viele Orchester beklagen einen Trend zur Vergreisung. Der macht glücklicherweise vor uns Halt", betont der Intendant Dr. Michael Stille. 

Für die kommende Saison plant Ettinger mit den Stuttgarter Philharmonikern eine große Konzertreihe unter dem Motto "Enthüllungen" und eine weitere Konzertserie mit seinen musikalischen Freunden als Gäste. Die aktuelle Broschüre ist zu finden unter: http://www.stuttgarter-philharmoniker.de/

Biografische Hintergründe zu Dan Ettinger

Dan Ettinger wurde 1971 in Israel geboren. Während seiner Ausbildung an der "Thelma Yellin High School of the Arts" spielte er auch Kontrabass und nahm erste Gesangsstunden. Direkt nach seinem Abschluss führte er seine Gesangausbildung an der "Rubin Academy of Music" der Universität Tel Aviv fort. Als Sänger verkörperte er die wichtigsten Rollen im Repertoire eines lyrischen Baritons. Nebenbei blieb er dem Klavierspiel stets treu und wurde Fakultätsmitglied der "Rubin Academy of Music" an der Universität Tel Aviv und der "Academy of Music and Dance" in Jerusalem.

Dank Dan Ettingers enormer Vielseitigkeit und autodidaktischer Fähigkeiten wandte er sich, vor allem inspiriert durch Künstler wie Daniel Barenboim, Sergiu Celibidache und Herbert von Karajan, dem Dirigieren zu. Die erste Gelegenheit bot sich durch ein Engagement als Hausdirigent und Chorleiter an der Israeli Opera in Tel Aviv, wo er 1999 mit Don Pasquale debütierte. Im Jahr 2003 wurde Dan Ettinger von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim an die Staatsoper Unter den Linden in Berlin eingeladen. Erst als Barenboims Assistent und später als Kapellmeister war er dem Haus bis 2009 verbunden und erweiterte sein Repertoire um große Werke der Opernliteratur. 2004debütierte Dan Ettinger an der Bayerischen Staatsoper München und 2005 an der Hamburgischen Staatsoper. Weitere Stationen seiner internationalen Karriere waren in der Spielzeit 2004/2005 sein erfolgreiches USA-Debüt an der Los Angeles Opera. 2007 stand er zum ersten Mal am Dirigentenpult der Wiener Staatsoper. 2009 folgten seine Debüts am Opernhaus Zürich und an der Metropolitan Opera New York, 2010 am Royal Opera House Covent Garden und 2011 an der Opéra national de Paris, wo er überall seitdem regelmäßig zu Gast ist.

Auch in Japan feiert Dan Ettinger große Erfolge. Seit seinem Debüt 2004 ist er ein gerngesehener Gast am New National Theatre Tokyo und beim Tokyo Philharmonic Orchestra. Aufgrund dieser intensiven und vertrauten Zusammenarbeit mit dem Tokyo Philharmonic Orchestra war er von 2010 bis 2015 deren Chefdirigent, seit 2015 ist er dort "Conductor laureate". Beim Israel Symphony Orchestra war er seit 2005 Chefdirigent und Musikdirektor, heute ist er dort Erster Gastdirigent.

Von der Spielzeit 2009/2010 bis Sommer 2016 ist er Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim, wo er zurzeit seine letzte Produktion mit Mozarts Idomeneo vorbereitet. Neben herausragenden Opernproduktionen setzte er dort im Konzertbereich mit der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters musikalische Akzente.

Bei den Salzburger Festspielen dirigiert er 2015 und 2016 die Neuproduktion Le nozze di Figaro.

Von und mit ihm erschienen die folgenden CDs und DVDs:

  • "Coloraturas" mit Diana Damrau und dem Münchner Rundfunkorchester (EMI-Virgin Classics)
  •   "Adrianne Pieczonka sings Puccini" mit dem Münchner Rundfunkorchester (Orfeo)
  •   "Dan Ettinger meets Gil Shaham" mit dem Israel Philharmonic Orchestra (DVD, Fivetone)
  • Mehrere CDs mit dem Tokyo Philharmonic Orchestra