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Das Rezept zum Mitgestalten: Projekt Salz & Suppe bringt frische Ideen für Stuttgart

15.07.2016 Aktuelles
Stuttgart is(s)t vielfältig - das hat das einzigartige Projekt Salz & Suppe - Stuttgart im Dialog der Stadt unter Beweis gestellt. Insgesamt neun Kochgruppen kamen im Juni je viermal zusammen. Dabei ging es über das gemeinsame Kochen hinaus vor allem darum, zusammen über den Tellerrand zu schauen und gesellschaftliche Themen zu diskutieren, die Stuttgarterinnen und Stuttgarter bewegen. Bei der Abschlussveranstaltung am 14. Juli in der Kulturinsel (Bad Cannstatt) wurden die Ergebnisse der bunt gemischten Teams vorgestellt und mögliche Anschlussprojekte ausgewählt.

Mit dem gemeinsamen Ziel, das Zusammenleben in der Stadt zu stärken, griffen 54 ausgewählte Stuttgarter mit ganz unterschiedlichem Hintergrund und aus verschiedenen Stadtteilen nach einer Bewerbungsphase im Februar und März beim Projekt Salz & Suppe zum Kochlöffel.

Viel Raum für freien und ungezwungenen Dialog

Drei Wochen nach der letzten Kochrunde präsentierten die insgesamt neun vielfältig zusammengesetzten Kochgruppen ihre Ergebnisse, die sie zuvor an vier Abenden im Juni bei selbst zubereiteten Gerichten gemeinsam erarbeitet haben. Wichtig aus Sicht der Initiatoren Birgit Kastner und Ulrich Dilger: möglichst viel Raum für einen freien und ungezwungenen Dialog zu bieten.

So entwickelten die Teilnehmer am Esstisch beispielsweise Ideen für die Themen "Freizeit und Erholung in der Stadt", das "Zusammenleben von Jung und Alt" oder "Gesundes urbanes Leben". Auf der Abschlussveranstaltung in der Kulturinsel (Bad Cannstatt) wurden die Ergebnisse auf Plakaten vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmern, Partnern, Unterstützern sowie weiteren Gästen und Vertretern der Stadt diskutiert. Für das gemeinsame Abendessen haben die Kochgruppen selbst zubereitete Salate mitgebracht.

Werner Wölfle: Gesamtgesellschaftlicher Anstoß

Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle sagte: "Dieses Projekt ist genial. Wir brauchen solche Orte der Begegnung in einer mehr und mehr pluralistischen Gesellschaft - gerade weil die Gesellschaft diese nicht von alleine schafft."

Bei vielen Veranstaltungen in der Stadt blieben die Menschen eher in ihren bestehenden Netzwerken. Bei Salz & Suppe kommen fremde Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen. "Das ist der Charme dieses Projekts und ein faszinierender gesamtgesellschaftlicher Anstoß", so Wölfle. Und weiter: "Gutes Zusammenleben ist eine Herausforderung, es muss gehegt und gepflegt werden. Dieses Projekt fördert genau das."

Abschlussveranstaltung Projekt Salz und Suppe mit Bürgermeister Werner WölfleBürgermeister Werner Wölfle (rechts) zeigte sich bei der Abschlussverantstaltung von dem 'genialen Projekt' angetan. Foto: Thomas Niedermüller

Dr. Hermann Lambert-Oedinger, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung im Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung ergänzte: "Stadtentwicklung hängt ganz eng mit gesellschaftlicher Entwicklung zusammen. Ich glaube, wir müssen die Beteiligungskultur ausbauen. Da kann man auch mal etwas ganz Neues ausprobieren. Gerade dieses Projekt zeigt, wie gut das gelingen kann."

Pop-up-Wohnzimmer und App für ältere Mitmenschen

Unter dem Motto "Öffentlicher Raum ist das, was man die Gemeinschaft daraus machen lässt" waren der Kreativität der einzelnen Gruppen keine Grenzen gesetzt. Das Resultat: unterschiedlichste Ideen, die zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen können. Dazu gehören die sinnvolle Nutzung leerstehender Gebäudeteile für Bürger - beispielsweise in Form eines Pop-up Wohnzimmers - oder neue Begegnungsräume wie ein Bauwagen als "Lieblingsplatz" mit Liegestühlen und Freizeitutensilien.

Auch Feste im Viertel für Bewohner aller Couleur sowie die verbesserte Vernetzung insbesondere älterer Bürger, denen mittels einer App schnellere Hilfe, mehr Gesellschaft und ein leichterer Austausch ermöglicht werden soll, sind Teil der kreativen Ideen.

Innovativ, gut umsetzbar und mit gesellschaftlichem Mehrwert

Diese und noch mehr Vorschläge wurden anschließend von allen Teilnehmern der Veranstaltung nach den Kriterien der Innovation der Idee, ihrer Umsetzbarkeit und hinsichtlich ihres gesellschaftlichen Mehrwerts für die Stadtgesellschaft bewertet.

Dabei erhielten alle TeilnehmerInnen drei Punkte, einen für jedes Kriterium, und konnten diese nun an das Projekt vergeben, dass aus Ihrer Sicht am innovativsten, am besten umsetzbar oder den besten gesellschaftlichen Mehrwert hat. Ausgewählt wurden die drei Projekte, deren Gesamtpunktzahl am höchsten war.

Süße Kisten, Straßenfeste und neue Ideen

Dabei kam es noch einmal zu einer spannenden und knappen Stichwahl zwischen zwei Projekten mit gleicher Punktzahl im Hof der Kulturinsel. Am Ende haben die Teilnehmer die folgenden drei Ideen ausgewählt: Kochgruppe 1 aus Zuffenhausen, Stammheim, Mühlhausen, Münster, mit der Idee, der wandernden Straßenfeste mit Grill und Suppe, die spontan, offen und zwanglos jeden einladen teilzunehmen, die Idee der Projektgruppe 2 aus Weilimdorf, Feuerbach, die sich Gedanken über die gemeinschaftliche Nutzung des Walz-Areals gemacht haben sowie das Projekt der Gruppe 3 aus Botnang, West, die mit dem bunten Bauwagen "Süße Kiste" einen mobilen "Lieblingsort" für alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter schaffen wollen.

Vorläufiges Projektende markiert Neubeginn

Dass die Kochrunden des Projekts Salz & Suppe am 14. Juli vorerst auslaufen, bedeutet keineswegs das Ende des angestoßenen Dialogs. Viele der Kochgruppen treffen sich und kochen auch nach dem offiziellen Projektende gemeinsam weiter und wollen kleinere Projekte realisieren.

Abschlussveranstaltung Projekt Salz und Suppe mit Ulrich Dilger und Birgit Kastner, den Projektverantwortlichen beim StadtplanungsamtUlrich Dilger und Birgit Kastner waren beim Stadtplanungsamt für das Projekt verantwortlich. Foto: Thomas Niedermüller

Wie das Format Salz & Suppe insgesamt verstätigt werden kann, soll eine gemeinsame Veranstaltung in Kooperation mit der Bürgerstiftung Stuttgart Ende des Jahres klären.

Das offizielle Projektende ist zudem als Beginn einer neuen Kultur der bürgerschaftlichen Mitgestaltung zu verstehen. So haben die drei an der Abschlussveranstaltung ausgewählten Ideen die Chance, auf einer weiteren, von der Stadt organisierten Veranstaltung im Herbst Unterstützer für die Realisierung ihres Konzepts zu gewinnen. Auf einem "Marktplatz der Ideen" werden die Projektteilnehmer von Salz & Suppe auf auf relevante Vertreter aus der Verwaltung, bestehende Initiativen und mögliche Sponsoren treffen.

Buch und Weiterentwicklung in anderen Städten

Darüber hinaus werden die Ergebnisse aus allen Kochgruppen in einem Buch der in Zusammenarbeit mit dem Krämerverlag erstellt wird festgehalten. Jeder Teilnehmer wird als kleines Dankeschön ein kostenloses Exemplar erhalten.

Bundesweit gestreut wird das Projekt auch im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklung, über die Salz & Suppe finanziell gefördert wurde. Wer weiß? Vielleicht findet Salz & Suppe bald über Stuttgart hinaus in vielen Städten bundesweit statt!

Ausstellung im Rathaus zeigt Ergebnisse

Für alle Interessierten besteht darüber hinaus vom 18. Juli bis 11. August 2016 im Stuttgarter Rathaus (Marktplatz 1, 3. OG) die Möglichkeit, sich von den Ergebnissen aus den Kochrunden für eigene Ideen inspirieren zu lassen. Für Informationen aus erster Hand bietet sich die Vernissage am 20. Juli 2016 an, bei der ab 18:30 Uhr auch die Projektinitiatoren vor Ort sind und Fragen beantworten werden.

Weitere Infos gibt´s unter www.salz-suppe.de