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Bürgermeister Wölfle enthüllt eine Gedenktafel an die Verbrechen der NS-Kindereuthanasie

Werner Wölfle, Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration, hat am Dienstag, 4. Oktober, am Gebäude der ehemaligen Städtischen Kinderklinik, Türlenstraße 22, eine Gedenktafel enthüllt. Die Tafel soll an die Ermordung von Kindern mit Fehlbildungen oder Behinderungen während der NS-Zeit erinnern.

Die Nationalsozialisten hatten 1933 das Gesetz "Zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" beschlossen. Alles Kranke sollte aus dem "Volkskörper" entfernt werden. In zahlreichen sogenannten "Kinderfachabteilungen" wurden Kinder und Jugendliche, die gemäß der nationalsozialistischen Erb- und Rassenlehre als "lebensunwerte Ballastexistenzen" galten, unter dem Vorwand medizinischer Behandlung ihren Eltern entzogen, entrechtet und ermordet.

Von Januar 1943 bis April 1945 gab es auch an der ehemaligen Städtischen Kinderklinik in Stuttgart eine solche "Kinderfachabteilung", in der in diesem Zeitraum über 50 behinderte Kinder ermordet wurden.
 
Enthüllung Gedenktafel Kindereuthanasie BM Wölfle, Dr.Karl-Horst Marquart, Prof.Dr.Stefan BielackVon links: Bürgermeister Werner Wölfle, Dr.Karl-Horst Marquart, Mitglied des Arbeitskreises Euthanasie der Stuttgarter Stolpersteininitiative und Prof. Dr. Stefan Bielack, Ärztlicher Direktor am Klinikum Stuttgart, enthüllten die Gedenktafel an der Türlenstraße 22. Foto: Thomas Hörner/Kraufmann

Gedenktafel in der Türlenstraße 22

Die Landeshauptstadt Stuttgart, das Klinikum Stuttgart sowie der Arbeitskreis Euthanasie der Stuttgarter Stolpersteininitiative haben gemeinsam eine Erinnerungsinschrift an diese Verbrechen formuliert, die am 4. Oktober in Form einer Gedenktafel am Gebäude Türlenstraße 22 angebracht wurde.

Neben Bürgermeister Wölfle erinnerten Prof. Dr. med. Stefan Bielack, Ärztlicher Direktor am Klinikum Stuttgart, Olgahospital, und Dr. med. Karl Horst Marquart, Autor des Buches "Behandlung empfohlen" und Mitglied des Arbeitskreises Euthanasie der Stuttgarter Stolpersteininitiative, an die furchtbaren Verbrechen der NS-Kindereuthanasie und deren wehrlose Opfer.

"Die ausführliche Diskussion hat sich gelohnt", betonte Bürgermeister Wölfle. "Nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage nimmt die Stadt Stuttgart ihre Verantwortung wahr und erinnert mit der Gedenktafel gemeinsam mit dem AK Euthanasie der Stuttgarter Stolpersteininitiativen und dem Klinikum Stuttgart an die entsetzlichen Verbrechen der damaligen Zeit und an ihre jüngsten und wehrlosesten Opfer, an die ermordeten Kinder. Dieses Zeichen soll gleichzeitig Ermahnung sein, für die Zukunft wachsam zu bleiben."

Text auf der Gedenktafel

"In diesem 1915 errichteten Gebäude des ehemaligen Städtischen Kinderkrankenhauses Stuttgart bestand von Januar 1943 bis April 1945 eine so genannte Kinderfachabteilung. Im Rahmen der NS-"Kindereuthanasie" wurden hier über 50 Kinder mit einer Missbildung oder einer Behinderung entrechtet und ermordet. Gemäß der nationalsozialistischen Erb- und Rassenlehre galten sie als "lebensunwerte Ballastexistenzen". Auch der 2013 vor dem Klinikeingang verlegte Stolperstein für das Kind Gerda Metzger erinnert an dieses Medizinverbrechen."