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OB Kuhn überreicht Bundesverdienstkreuz an Michael Wieck

17.11.2016 Ehrungen
Oberbürgermeister Fritz Kuhn am Donnerstag, 17. November, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Michael Wieck überreicht. Damit werden Wiecks Verdienste um das Gemeinwohl gewürdigt. Bundespräsident Joachim Gauck hat auf Vorschlag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Würdigung ausgesprochen.

OB Kuhn überreicht Bundesverdienstkreuz an Michael WieckOberbürgermeister Fritz Kuhn hat am Donnerstagabend im Rathaus das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Michael Wieck überreicht. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
OB Kuhn sagte: "Wieck hat sich um die Völkerverständigung verdient gemacht. Sein Schicksal und seine Art, es zu vermitteln, waren Anlass für viele Menschen, über die Ursachen von Hass und Gewalt nachzudenken." Wieck habe die besondere Gabe, Menschen aller Generationen anzusprechen. Der OB unterstrich: "Wieck verbindet kulturelles, gesellschaftliches, politisches und musikalisches Engagement. Sein Einsatz für eine offene, tolerante und gerechte Gesellschaft ist beeindruckend."

Wiecks Lebensweg

Michael Wieck wurde 1928 in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, geboren. Er entstammt einer jüdischen Musikerfamilie und war in Deutschland als Konzertmeister sowie als erster Violinist in verschiedenen Orchestern tätig. Bis zu seiner Pensionierung 1993 spielte er als erster Violinist im Radio-Symphonie-Orchester in Stuttgart.

Wiecks Lebensgeschichte spiegelt die Geschichte des 20. Jahrhunderts wider, Schrecken und Leid, aber auch die Zuversicht eines Neuanfangs. Da seine Mutter jüdisch war, wurde er als "Geltungsjude" von den Nazis verfolgt und gedemütigt. Die Deportationen erlebte er aus nächster Nähe. Von der Roten Armee wurde er interniert, schikaniert und gefoltert. Erst 1948 kam er frei und durfte in den Westen ausreisen.

Seine Lebenserfahrungen aus dem Dritten Reich und der Nachkriegszeit hat Wieck als Buch veröffentlicht. Er gibt diese unermüdlich an junge und ältere Menschen in der Hoffnung weiter, dass sie aus der Geschichte lernen und ein Leben in Frieden und Toleranz gestalten. Die Landeshauptstadt hat Wieck dafür 2005 mit der Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet.


Privat erteilt Michael Wieck auch heute noch kostenlos Violinenunterricht und fördert talentierte Musiker. Außerdem ist er ehrenamtlich im Vorstand etwa der Mozart-Gemeinde und anderer humanitärer Organisationen tätig. Er ist ein aktives Mitglied der Kant-Gesellschaft und fährt regelmäßig nach Kaliningrad, um am Aufbau des dortigen Musiklebens mitzuwirken und für Versöhnung zwischen dem deutschen und russischen Volk zu werben.

Hintergrund zur Auszeichnung

Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland wird für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik - zum Beispiel im sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich.

Es sind Verdienste, die in der Regel unter Zurückstellung der eigenen Interessen über einen längeren Zeitraum mit erheblichem Einsatz erbracht wurden. Gestiftet hat das Bundesverdienstkreuz der erste Bundespräsident und Ehrenbürger Stuttgarts, Theodor Heuss.