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Europäischer Städteaustausch zur Integration von Flüchtlingen in Arbeit

11.01.2017 Internationales
In den vergangenen Monaten haben die europäischen Staaten zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen. Schutz und Hilfe zu bieten, war erstes Ziel. Um den Menschen in den jeweiligen Ländern jedoch eine Perspektive zu ermöglichen, muss eine Integration in den Arbeitsmarkt gelingen. Bei vorhandenen Schul- und Berufsqualifikationen sowie einem Studium oder einer Studiumsberechtigung stellt dies in den meisten europäischen Ländern kein Problem dar.

Viel schwieriger ist es jedoch, Flüchtlinge in Arbeit zu integrieren, wenn sie keine ausreichende Qualifizierung nachweisen können. Flüchtlinge ohne beruflich anerkannte Qualifizierung in Arbeit zu bringen und Ihnen somit eine gesellschaftliche Integration zu ermöglichen, ist eine wesentliche Aufgabe für die kommenden Jahre.

Die Städte Göteborg, Oslo, Graz und Stuttgart wollen sich gemeinsam dieser Herausforderung stellen. Im Rahmen eines Städteaustausches wird der Frage nachgegangen, wie Flüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Zudem werden gemeinsame Wege gesucht, um berufliche Qualifizierungen für Flüchtlinge zu ermöglichen, die bislang im bestehenden Ausbildungs- und Qualifizierungssystem kaum Integrationsmöglichkeit haben aufgrund fehlender Vorkenntnisse und mangelnder Qualifikationen. Laut dem Stuttgarter Jobcenter betrifft dies 76 Prozent der anerkannten Flüchtlinge, die beim Jobcenter arbeitslos gemeldet sind.

Projekte ähnlicher Struktur umsetzen und auswerten

Das Städtenetzwerk wird es aber nicht nur bei dem Austausch belassen. Bereits in diesem Jahr sollen konkrete Projekte ins Leben gerufen werden, um Flüchtlinge schnell in Arbeit zu integrieren und neue Wege der Qualifizierung zu ermöglichen, die auf die Lebenssituation der Flüchtlinge ausgerichtet sind.

Unter dem Dach des europäischen Förderprogramms Talents werden die Städte Projekte mit ähnlicher Struktur umsetzen und diese auswerten. Modell hierfür steht der Partner Schweden, der mit niederschwelligen Arbeits- und Qualifizierungsmaßnahmen bei der Vermittlung von Flüchtlingen in Arbeit gute Quoten nachweist. Dabei ist der "First Job" nur der Anfang einer beruflich erfolgreichen Laufbahn.


Vertreterin der Stadt Stuttgart im Städtenetzwerk und verantwortlich für die Umsetzung der Projekte im Rahmen des europäischen Talentsprogramms ist die Leiterin der Arbeitsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart, Isabel Lavadinho. Sie hat in Schweden Projekte besucht und zeigt sich beeindruckt von den dortigen Erfolgen.

Initiator des Städteaustauschs ist das Kulturministerium des Landes Baden-Württemberg. Beteiligt ist zudem der Volkshochschulverband Baden-Württemberg. Mit diesen Partnern und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA will Isabel Lavadinho ebenfalls Projekte in Stuttgart umsetzen.

"Lebensumstände müssen berücksichtigt werden"

"Wir müssen neue Wege finden, damit Flüchtlinge in Arbeit münden. Die Lebensumstände müssen berücksichtigt werden, denn viele wollen nicht monatelang untätig bleiben oder langwierige Qualifikationen machen, bei denen Sie kein Geld verdienen. Schnelle Integration in Arbeit bei parallel laufender Qualifizierung in berufstheoretischen Aspekten und Sprache scheint der erfolgreiche Weg zu sein", so Lavadinho.

Im März 2017 wird in Stuttgart die Delegation der Städte Göteborg, Oslo und Graz erwartet. Außer einem intensiven Austausch wird dann konkret an der gemeinsamen Umsetzung der Projekte zur Integration von Flüchtlingen gearbeitet.