Presse
  •  

"Hinschauen - Erkennen - Handeln": Projekt gegen häusliche Gewalt

06.03.2017 Aktuelles
Bis zu 30 Prozent aller Familien sollen Statistiken zufolge Erfahrung mit häuslicher Gewalt gemacht haben - dies beträfe in Stuttgart bis zu 16.500 Haushalte.

Die Leiterin der Abteilung für individuelle Chancengleichheit Dr. Ursula Matschke sagte dazu am Montag, 6. März: "Die Zahlen machen nachdenklich. Das Thema 'Häusliche Gewalt' wird immer noch tabuisiert. Es wird weiterhin weggeschaut, nicht hingehört oder die Taten und Folgen nicht ernst genommen."

Öffentlichkeitsarbeit und Prävention

Das Projekt "Hinschauen - Erkennen - Handeln" hat in den letzten drei Jahren Akzente gesetzt, um dem entgegenzuwirken. Ziel war es, das Thema in der öffentlichen Diskussion zu platzieren und Präventionsmethoden bekannt zu machen. Dabei wurden Instrumente und Methoden entwickelt, um Fachkräfte zu schulen. Pilotbezirk war Stuttgart-Zuffenhausen mit sechs teilnehmenden Schulen. Das Projekt wird durch die Robert Bosch Stiftung gefördert.

Dr. Matschke und die Projektbotschafterin Waltraud Ulshöfer stellten am 6. März eine Handreichung für Fachkräfte und einen Film vor, die auch das öffentliche Bewusstsein wach halten sollen.

Ulshöfer sagte: "Gewalt ist kein Randthema. Dieses Projekt hat die Beziehungsgewalt in den Blick genommen, also Gewalt zwischen Paaren und nächsten Verwandte. Dabei haben wir auch ganz bewusst gefragt, wie sich die Gewalt auf Kinder auswirkt." Für Kinder sei erlebte Gewalt quasi eine Erblast, so Ulshöfer.

Tanzszene "drinnen und draußen" von Eric Gauthier

In der Projektarbeit mit Kindern, Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften wurden Methoden der Gewaltsensibilisierung und des gewaltfreien Umgangs erarbeitet. Es ist ein Methodenkatalog entstanden, den Experten der Fachberatungsstelle für Schulungsmaßnahmen nutzen können, z.B. in Kitas oder Ganztagesschulen. Des Weiteren choreographierte Eric Gauthier eine Tanzszene zum Thema Beziehungsgewalt mit dem Titel "drinnen und draußen". Ulshöfer erläuterte: "Dieser Film ist berührend und verstörend zugleich. Er zeigt Rituale der Gewalt in Verbindung mit der Attraktivität, die die Partner weiterhin füreinander empfinden, und auch mit der Harmonie, die sie nach außen ausstrahlen."

Der Film ist unter https://youtu.be/c7C9Jb03f0c abrufbar. Fachberatungsstellen können die Handreichung bei der Abteilung für individuelle Chancengleichheit anfordern.

Folgeprojekt "Wenn Liebe weh tut"

Nun soll mit Jugendlichen über den respektvollen Umgang mit dem Partner in einer Beziehung gesprochen werden. Dazu werden Workshops veranstaltet.

Dr. Matschke sagte: "Jugendliche machen in ihren ersten Beziehung wichtigste Erfahrungen, nicht immer ist es der liebevolle Umgang des Partners. Manchmal gehen die Gefühle mit den Jugendlichen durch und aus Eifersucht oder Neid kann Hass oder auch Gewalt entstehen. Wir wollen den Jugendlichen Wege aus schwierigen Situationen zeigen. Meist hilft es, einfach darüber zu reden".

Das Folgeprojekt "Wenn Liebe weh tut" richtet sich an Lehrer und Sozialpädagogen, die mit Schulklassen ab Klassenstufe 8 arbeiten. Die Fachkräfte werden befähigt, den Workshop zukünftig eigenverantwortlich zu leiten.

Hilfe, Informationen und Ansprechpartner bei persönlichen Erfahrungen mit häuslicher Gewalt sind zusammengefasst in einem Flyer, der hier zu finden ist: http://www.stuttgart.de/img/mdb/item/546905/106208.pdf