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Mit Moos gegen Feinstaub: Umweltbürgermeister Pätzold und Ministerialdirektor Lahl informieren über die Mooswand an der B14

10.03.2017 Aktuelles
Erstmals in Baden-Württemberg ist eine Wand mit Moosen errichtet worden, um Schadstoffe aus der Luft zu filtern. Stuttgarts Umweltbürgermeister Peter Pätzold, der Ministerialdirektor im baden-württembergischen Verkehrsministerium, Dr. Uwe Lahl, und der Leiter des städtischen Amts für Umweltschutz, Dr. Hans-Wolf Zirkwitz, haben den Stuttgarter Projektversuch am Freitag, 10. März, direkt an der Mooswand erläutert.

Umweltbürgermeister Peter Pätzold sagte: "Wir wollen nichts unversucht lassen, die Luft in Stuttgart besser zu machen. Die Mooswand ist ein Testversuch, mit dem wir herausfinden wollen, ob sich Moose dazu eignen, Feinstaub-Partikel aus der Atmosphäre zu filtern. Laborstudien haben bereits gezeigt, dass Moose Feinstaub reduzieren können, aber bislang hat noch keiner dieses Potential außerhalb des Labors untersucht."

Die Mooswand befindet sich auf einem Grünstreifen direkt an der B14/Cannstatter Straße, unweit der Messstation Neckartor. Sie ist 100 Meter lang und drei Meter hoch. Mit dem Aufbau hat die Stadt das Unternehmen Vertiko beauftragt. Insgesamt werden 3,6 Tonnen Moos an der Wand angebracht. Verwendet werden zwei unterschiedliche Moos-Arten: das Hornzahnmoos (Ceratodon purpureus) und das Graue Zackenmützenmoos (Racomitrium canescens). Sie wurden eigens für den Versuch gezüchtet.

Sollte eine feinstaubreduzierende Wirkung der Moose festgestellt werden, könnten diese in Zukunft einen nachhaltigen Beitrag zur Senkung der Luftschadstoff-Belastung in Stuttgart leisten, so der Bürgermeister.

Der Projektversuch ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Zur Durchführung hat der Gemeinderat Mittel in Höhe von 388.000 Euro bereitgestellt. Zudem fördert das Verkehrsministerium Baden-Württemberg die Studie mit 170.233 Euro. Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl sagte: "Wir setzen auf ein breites Maßnahmenpaket im Kampf gegen Feinstaub. Hierzu gehört auch die Mooswand am Neckartor. Nun sind wir gespannt, welche Wirkung diese hat."

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issenschaftlich begleitet wird das Projekt von Experten des Instituts für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen und des Instituts für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik der Universität Stuttgart sowie von Dr. Martin Nebel, Moosexperte des Naturkundemuseums Stuttgart. 

"Unter Laborbedingungen konnte nachweislich festgestellt werden, dass Moose Feinstaub reduzieren können. Durch die große Oberfläche der Moose kann der Feinstaub elektrostatisch festgehalten werden. Ein Großteil des Feinstaubs wird von den Moosen aufgenommen, in Pflanzenmasse umgewandelt und so als Dünger für das eigene Wachstum verwendet. Nicht verwertbare Partikel werden ebenfalls aufgenommen und vom Moos in das eigene Gerüst eingebaut", so Moosexperte Dr. Martin Nebel.

Manfred Hammer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen, sagte: "Die Mooswand wurde als Prototyp geplant. Herausforderung war eine konstruktive Lösung für die Anforderungen an den speziellen Standort, die Messtechnik und die Moose zu finden."

Um die Filterwirkung der Moose zu erkennen, hat das Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik zahlreiche Messpunkte an der Mooswand errichtet. Neben Feinstaub wird auch die Konzentration von Stickstoffdioxid bestimmt. Dr. Ulrich Vogt, Leiter der Abteilung Reinhaltung der Luft am Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik der Uni Stuttgart, sagte: "Was derzeit fehlt, ist eine Messung der Auswirkung auf die Luftqualität unter realen Umgebungsbedingungen. Die Ausbreitungsbedingungen auf der Straße sind viel komplexer als unter Laborbedingungen. Die Luftschadstoff-Messungen werden direkt an der Mooswand durchgeführt. Die Messdaten werden im Anschluss wissenschaftlich ausgewertet."

Mit ersten Ergebnissen rechnen die Experten bis Ende des Jahres.