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Der "Sedantag" in Stuttgart 1895 - Neues Quellen- und Arbeitsbuch des Stadtarchivs erschienen

16.03.2017 Bildung
Das Stadtarchiv hat ein neues Quellen- und Arbeitsbuch für den Geschichtsunterricht mit dem Titel "Nationalismus im Kaiserreich - der 'Sedantag' in Stuttgart 1895" veröffentlicht.

Historischer Hintergrund ist die Einkreisung und Gefangennahme von 100 000 französischen Soldaten und ihrem Kaiser und Oberbefehlshaber Napoleon III. bei Sedan am 2. September 1870. Dieses Ereignis brachte nicht nur die militärische Entscheidung des deutsch-französischen Krieges von 1870/71, sondern wurde auch zum Ausgangspunkt einer nationalen Festtradition, die das gesamte Deutsche Kaiserreich überdauerte. Sedangedenken und Sedanfeiern entwickelten sich zu einem zentralen Bestandteil der öffentlichen Festkultur nicht nur in Preußen, sondern auch in den übrigen Gliedstaaten des Reiches.

Hervorragende Arbeitsgrundlage für schulische Lernziele

Nach den Vorgaben des Bildungsplanes 2016 sollen Schülerinnen und Schüler die Modernisierungsprozesse im Europa des späten 19. Jahrhunderts analysieren und in ihrer Bedeutung für die Gegenwart beurteilen lernen.

Das neue Quellen- und Arbeitsbuch des Stadtarchivs bietet für diese schulischen Lernziele eine hervorragende Arbeitsgrundlage: Aus seinem reichen Bestand zur Feier des "Sedantags" am Ende des 19. Jahrhunderts präsentiert das Stadtarchiv eine Reihe von typischen Quellen: Anhand von Zeitungsartikeln, gedruckten Festprogrammen, Akten und Fotos können Schülerinnen und Schüler mit diesem Heft ein lebendiges Bild der Feier von 1895 rekonstruieren.

Didaktische Einleitung sowie Vorschläge für Arbeitsaufträge

Im neuen Bildungsplan wird zudem ein Vergleich der Erinnerungskultur im monarchischen Deutschland und im republikanischen Frankreich benannt. Deswegen werden die Stuttgarter Quellen zur Sedanfeier um Dokumente aus den Archives municipales de Lyon zur dortigen Feier des 14. Juli 1895 ergänzt.

Damit ermöglicht die neue Publikation vergleichendes Lernen am Beispiel dieser beiden Feiern in Stuttgart und Lyon. Eine didaktische Einleitung mit Angaben zu den Bildungsplanbezügen sowie zahlreiche Vorschläge für Arbeitsaufträge unterstützen die Lehrerinnen und Lehrer bei der Unterrichtsvorbereitung.

Der quellenkundliche Aspekt steht immer im Vordergrund

Bereits 2008 hat das Stadtarchiv ein Quellen- und Arbeitsbuch mit dem Titel "'Reichskristallnacht' - der Pogrom im November 1938 in Stuttgart" veröffentlicht, das vielfach nachgefragt wurde und mit einer zweiten Auflage weite Verbreitung gefunden hat.

"Historische Bildung ist ein integraler Bestandteil der Arbeit des Stadtarchivs", sagt Dr. Roland Müller, Leitender Stadtarchivdirektor. "Bei unseren vielfältigen Bildungsprogrammen steht immer der quellenkundliche Aspekt im Vordergrund. Mit dem neuen Quellen- und Arbeitsbuch des Stadtarchivs wird Lehrerinnen und Lehrer eine hervorragende Arbeitsgrundlage für den Einsatz archivischer Quellen im Schulunterricht an die Hand gegeben."


Das als Broschüre erschienene Quellen- und Arbeitsbuch umfasst 64 Seiten und enthält zahlreiche farbige Abbildungen. Es kann von Lehrenden kostenfrei direkt beim Stadtarchiv Stuttgart, E-Mail stadtarchiv@stuttgart.de, bestellt werden. Um eine möglichst weite Verbreitung des Heftes sicherzustellen, ist jede Bestellung auf fünf Exemplare beschränkt.

Zu den Autoren

  • Dr. Michael Hoffmann, unterrichtet Geschichte und Latein am Peutinger Gymnasium in Ellwangen an der Jagst.
  • Dr. Jürgen Lotterer ist Archivar und Historiker am Stadtarchiv Stuttgart und leitet das Sachgebiet Nichtamtliche Überlieferung.
  • Dr. Günter Riederer ist Historiker am Stadtarchiv Stuttgart.