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Peter Stamm und Petra Strien erhalten Stuttgarter Cotta-Literaturpreis

16.03.2017 Kultur
Der Gemeinderat hat am 16. März dem Vorschlag der Jury zur Verleihung des 18. Johann Friedrich von Cotta-Literatur- und Übersetzungspreises 2017 an den Schriftsteller Peter Stamm und die Übersetzerin Petra Strien zugestimmt. Der Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. Die Preisträger erhalten je 10.000 Euro. Der Preis wird seit seiner Gründung im Jahr 1978 als Preis für Autoren und Übersetzer verliehen. Die Jury hat ihre Entscheidung am Dienstag, 14. März, dem Ausschuss für Kultur und Medien vorgestellt.

"Niemand erzählt so gekonnt von sich auflösenden Beziehungen wie der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm", begründet die Jury ihre Entscheidung. "Doch in seinem jüngsten Roman 'Weit über das Land' hebt er die Geschichte einer gelingenden Liebe über den stets wachsenden Abgrund hinweg, der ein in die Jahre gekommenes Paar voneinander trennt. Stamms literarische Kunst der Kargheit macht das sinnlose Getriebe sichtbar, an dessen Gleichförmigkeit Gefühle zuschanden werden und Ehen versteinern", führt das Gremium weiter aus.

Die Übersetzerin Petra Strien würdigt die Jury als " unermüdliche Vermittlerin auf dem Gebiet der spanischen und lateinamerikanischen Literatur, die zum einen durch ihre Lehrtätigkeit als promovierte Romanistin, vor allem aber als unermüdliche Übersetzerin seit Jahrzehnten Anteil daran hat, einen der größten Sprachräume der Weltliteratur literarisch zu kartographieren. Die Entscheidung der Jury stützt sich namentlich auf ihre wunderbare Übertragung von Miguel de Cervantes' Roman 'Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda' von 2016. Das wenig bekannte letzte Werk des spanischen Nationaldichters präsentiert sich in einer auch vom berühmten Vorgänger 'Don Quijote' unerreichten Vielfalt der Stimmen, Gattungen und Stile, der Petra Strien eine elegante, im Ton behutsam historisierende, dabei aber mutig zupackende, nie manieristische oder sich artistisch überhebende Version in deutscher Sprache an die Seite gestellt hat, die in atemloser Spannung die vierhundert Jahre überbrückt, die uns vom Zeitpunkt ihrer ersten Veröffentlichung im Jahr 1617 trennen."

Der Jury gehörten als Mitglieder des Gemeinderats Jürgen Sauer, Petra Rühle und Dejan Perc, sowie die Schriftstellerin Monique Schwitter, der Literaturkritiker Dr. Stefan Kister, der Übersetzer Christian Hansen, die Lektorin Dr. Hannah Leitgeb und als Vorsitzender Stuttgarts Kulturbürgermeister Dr. Fabian Mayer an.

Zu den Preisträgern

Peter Stamm, geboren 1963, studierte nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopathologie und übte verschiedene Berufe aus, unter anderem in Paris, New York, Berlin und London. Er lebt in Winterthur. Seit 1990 arbeitet Stamm als freier Autor und Journalist. Er schrieb mehrere Hörspiele für Radio DRS1, DRS2, Radio Bremen, den WDR und den Südwest Rundfunk, außerdem Theaterstücke und Beiträge für verschiedene Bücher.

Stamms erster Roman "Agnes" erschien 1998 im Arche Verlag, Zürich und Hamburg. Derselbe Verlag veröffentlichte von Stamm außerdem 1999 die Kurzgeschichtensammlung "Blitzeis", 2001 den Roman "Ungefähre Landschaft" und 2003 Erzählungen unter dem Titel "In fremden Gärten". 2006 erschien im S. Fischer Verlag sein Roman "An einem Tag wie diesem", 2008 die Erzählsammlung "Wir Fliegen", 2009 der Roman "Sieben Jahre" und 2011 die Erzählsammlung "Seerücken". 2016 ist Stamms neuer Roman mit dem Titel "Weit über das Land" im S. Fischer Verlag erschienen.

Stamm erhielt 2012 den Bodensee-Literaturpreis und 2014 den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg.

Petra Strien-Bourmer, geboren in Solingen, ist promovierte Romanistin. An verschiedenen Universitäten leitete und leitet sie regelmäßig Seminare für spanische und lateinamerikanische Literatur und literarisches Übersetzen mit dem Schwerpunkt Lyrik. Darüber hinaus ist sie seit vielen Jahren als freie Übersetzerin spanischer und lateinamerikanischer Prosa und Lyrik tätig. Sie war verschiedene Male Mitglied der Jury des Reina-Sofía-Preises für spanische und lateinamerikanische Lyrik. Zurzeit arbeitet sie als Mitherausgeberin an einer vierbändigen Anthologie der spanischen und lateinamerikanischen Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart, ein Projekt des Beck-Verlags (in Zusammenarbeit mit den Herausgebern Martin von Koppenfels, Susanne Lange, Horst Weich und Johanna Schumm).

Strien-Bourmer übersetzte unter anderem von Enrique Vila-Matas die Romane "Bartleby & Co. (Nagel und Kimche, 2000), "Dublinesk" (Die Andere Bibliothek, 2013) und "Kassel: Eine Fiktion" (Die Andere Bibliothek, erscheint 2017), von Silvina Ocampo/Adolfo Bioy Casares "Der Hass der Liebenden" (Manesse, 2010), von Macedonio Fernández "Das Museum von Eternas Roman" (Die Andere Bibliothek, 2014), von Miguel de Cervantes "Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda" (Die Andere Bibliothek, April 2016), zusammen mit Javier Gómez-Montero den Lyrikband "Du kamst, Vogel, Herz, im Flug. Spanische Lyrik der Gegenwart" (Suhrkamp, 2004), die Übersetzungen "Perdidos en familia. Fremd in der Familie" von Tamara Kamenszain (Teamart, 2010) sowie Gedichte für den von Delmira Agustini herausgegebenen Lyrikband "Flores nocturnas. Nächtliche Blüten" (Teamart 2013).

Weitere Informationen zu den Preisträgern ab 17. März unter www.stuttgart.de/cotta-literaturpreis.