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Feinstaubalarm-Periode endet am 15. April 2017

11.04.2017 Verkehr/Mobilität
Die aktuelle Feinstaubalarm-Periode endet am Samstag, 15. April 2017. Seit Beginn am 15. Oktober hat die Stadt 13-mal Alarm ausgerufen, der insgesamt 85 Tage andauerte. Für die nächsten Tage ist mit keinem weiteren Alarm zu rechnen.

Die Landeshauptstadt Stuttgart legte am Dienstag, 11. April, eine Bilanz der Periode vor. Der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Peter Pätzold, sagte: "Wir wollen die Lebensqualität in der Stadt verbessern. Dabei haben wir die Gesundheit aller zu schützen und gleichzeitig ihre Mobilität zu sichern. An der Einhaltung der Grenzwerte kommen wir nicht vorbei. Es gibt Anzeigen und die Richtlinien der EU. Wir können das Thema nicht unter den Teppich kehren." Rund 80 Kommunen in Deutschland kämpften gegen eine zu hohe Belastung ihrer Luft mit Schadstoffen, so Pätzold. "Viele von ihnen schauen ganz genau hin, wie wir das Problem in den Griff kriegen wollen. Wir tragen das Thema offensiv in die Öffentlichkeit und zeigen, an welchen Lösungen wir arbeiten."

Immer wieder fragen Umwelt- oder Mobilitätsexperten oder Journalisten an, um sich die innovativen Ansätze erläutern zu lassen. Das Fazit einer internationalen Journalistengruppe im März war: "In Stuttgart wird nicht nur über Probleme diskutiert, hier werden Lösungen für die Mobilität von morgen gesucht und ausprobiert." Der ADAC lobt den Feinstaubalarm als mögliches "Vorbild für andere Städte", denn er könne "die Bereitschaft, auf die Öffentlichen auszuweichen, steigern", heißt es in der aktuellen Ausgabe des ADAC-Magazins "motorwelt".

Die Stadt arbeite auf Grundlage des Aktionsplans  "Nachhaltige Mobilität für Stuttgart", erläuterte Pätzold. Dieser enthält Lösungsvorschläge für eine zukunftsfähige Mobilität, aber auch für eine bessere Luft in Stuttgart. Pätzold wörtlich: "Die Stadt investiert derzeit 20 Millionen Euro: Wir stärken Bus und Bahn, bauen das Nahverkehrs-Angebot aus, bieten zusammen mit dem VVS vergünstigte Tickets an, reduzieren über intelligente Ampelsteuerung Staus, weiten das Parkraummanagement aus und testen, inwieweit Moos oder innovative Reinigungstechniken den Feinstaub rund um das Neckartor reduzieren können", so Pätzold.

"Prognosen treffen zu"

Stadtklimatologe Dr. Ulrich Reuter ergänzte: "Der Feinstaubalarm hat sich als Vorhersageinstrument bewährt. Seine Prognosen treffen fast immer zu, wonach sich auf Grund der Wetterlage vermehrt Schadstoffe in der Luft ansammeln und so Grenzwerte überschritten werden könnten. Auffallend in dieser Periode waren zwei Wochen Ende Januar, in denen kontinuierlich und im gesamten Stadtgebiet sehr hohe Schadstoffwerte gemessen wurden. Am Neckartor wurden für den Feinstaub zum Teil 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen, erlaubt sind 50 Mikrogramm bei 35 Überschreitungstagen." Grund dafür sei eine außergewöhnliche Wetterlage, wie sie alle zehn Jahre vorkomme. "Wir hatten ein Hochdruckgebiet, das sich hartnäckig eingenistet hatte. Da gleichzeitig kein Regen fiel und kein Wind wehte, gab es quasi gar keinen Luft-Austausch." In den letzten Wochen habe sich die Lage erheblich verbessert. "Es ist wärmer geworden, was den Luftaustausch verbessert und wodurch weniger geheizt wird. Dadurch - und möglicherweise auch durch die Straßenreinigung am Neckartor - wurden deutlich weniger Schadstoffe gemessen. Erfahrungsgemäß werden die Wert von 50 Mikrogramm in den kommenden Wochen und Monaten unterschritten", so Dr. Reuter.

Uwe Schickedanz, Leiter der DWD-Niederlassung Stuttgart, bekräftigt: "Unser Prognoseverfahren ist speziell auf die Stuttgarter Verhältnisse zugeschnitten. So wurden 90 % der Tage mit Überschreitung durch den Alarm erfasst. Die Zahl der Alarme ohne Grenzwertüberschreitung blieb über die Saison betrachtet  niedrig." Im März war das Ergebnis auch durch die angelaufenen Maßnahmen und das für die Jahreszeit sehr warme Wetter beeinflusst. Schickedanz weiter: "Ziel ist es  ja,  an möglichst vielen Alarmtagen unter dem Grenzwert zu bleiben. Ich denke, wir sind gemeinsam auf einem guten Weg."

Feinstaubalarm und Überschreitungstage

Die aktuelle Feinstaubalarm-Periode startete am 15. Oktober 2016 und endet am 15. April 2017. Alarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. Dies war 13-mal der Fall an zusammen 85 Tagen.

Der Gehalt an Feinstaub wird mit Hilfe von zwei Messverfahren ermittelt: kontinuierlich und gravimetrisch. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg werden die "vorläufigen Werte", also die kontinuierlichen, für Feinstaub PM10 durch ein optisches Streulichtverfahren ermittelt. Entscheidend für die Beurteilung sind die Ergebnisse, die auf dem gravimetrischen Referenzverfahren beruhen. Hierbei wird der Feinstaub über die Dauer von 24 Stunden auf einem Filter abgeschieden und anschließend im Labor gewogen. Aus diesem Grund liegen die gravimetrischen Messergebnisse immer erst nach etwa einem Monat vor.

An der Messstation "Am Neckartor" wurden für die Feinstaubalarm-Periode durch das kontinuierliche Messverfahren 62 und durch das gravimetrische Messverfahren 64 Tage festgestellt, an welchen der Tagesgrenzwert überschritten wurde. Entscheidend ist aber das Kalenderjahr mit 35 erlaubten Überschreitungstagen.

Ein Vergleich der Zeiträume Januar bis April 2016 und 2017 zeigt: in der diesjährigen Periode wurde der Tagesgrenzwert an 35 (gravimetrisch bestimmt) statt an 31 Tagen überschritten, es wurden drei Alarme mehr ausgerufen und die Dauer der Alarme war 26 Tage länger.

Ein Vergleich der Zeiträume Januar bis April 2016 und 2017 zeigt: in der diesjährigen Periode wurde der Tagesgrenzwert an 35 (gravimetrisch bestimmt) statt an 31 Tagen überschritten, es
 

  • kM: Überschreitungstage nach kontinuierlicher Messung
  • gM: Überschreitungstage nach gravimetrischer Messung
  • FA: Feinstaubalarm-Tage
  • *gravimetrische Ergebnisse noch nicht vollständig


Bei Stickstoffdioxid wurde der Grenzwert von 200 Mikrogramm bislang an drei Stunden in der Hohenheimer Straße und an zwei Stunden am Neckartor überschritten. Zulässig sind 18 Stunden im Jahr. Im Gegensatz zum Feinstaub ist jedoch bei Stickstoffdioxid der Jahresmittelwert (40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) problematischer. Am Neckartor lag das Jahresmittel 2016 bei 82 Mikrogramm. Für 2017 ist aktuell keine Prognose möglich.

Betriebsverbot für Komfort-Kamine

Laut LUBW stammen am Neckartor 51 Prozent der Belastung durch Feinstaub aus dem Verkehr, etwa ein Sechstel der Feinstaub-Emissionen aus Kaminen und Öfen - der zweitgrößten Quelle für den Feinstaub.

Seit 24. Februar ist die Verordnung über Betriebsbeschränkungen für kleine Feuerungsanlagen der Landesregierung in Kraft. Sie regelt das Betriebsverbot von Komfort-Kaminen, also von Einzelraumfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe, dieeine bereits vorhandene Heizung ergänzen und nicht den Grundbedarf an Wärme decken. Festbrennstoffe sind Holz und Kohle. Das Betriebsverbot gilt ausschließlich an Tagen mit Feinstaubalarm vom 15. Oktober bis 15. April.

 
Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung unternimmt an Tagen mit Betriebsverbot Kontrollgänge. Vor allem, um mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Er führte bereits Informationsgespräche und arbeitet nach dem Motto: "Information vor Sanktion".

Testprojekt "Straßenreinigung Feinstaub"

Anfang März startete das Testprojekt "Straßenreinigung Feinstaub". Ziel ist es, durch eine intensive Reinigung Vorprodukte des Feinstaubs vom Straßenbelag zu entfernen. Damit will die Stadt bewirken, dass Luftschadstoffe erst gar nicht entstehen bzw. nicht aufgewirbelt werden. Derzeit wird die Wirkung ausgewertet. Erste Ergebnisse werden für Ende April/Anfang Mai erwartet.

Die DEKRA leitet die Testkoordination und organisiert die Messtechnik sowie die Auswertung. Der Eigenbetrieb AWS Abfallwirtschaft Stuttgart unterstützte das Projekt, indem sie Personal und Logistik bereitstellte. An der Reinigung beteiligt waren Fahrzeuge der Firmen: Faun, Reuther und Kärcher.

Aufbau Mooswand

Überregionale Beachtung fand die Mooswand. Zahlreiche Medien haben über die Moose und deren erhoffte Filterwirkung berichtet.

Bei diesem Test soll untersucht werden, ob sich Moose dazu eignen, Feinstaub-Partikel aus der Atmosphäre zu filtern. Laborstudien hatten gezeigt, dass Moose Feinstaub reduzieren können, nun wird dieses Potential außerhalb des Labors untersucht.

Die Mooswand befindet sich auf einem Grünstreifen direkt an der B14/Cannstatter Straße, unweit der Messstation Neckartor. Sie ist ca. 100 Meter lang und drei Meter hoch. Insgesamt befinden sich dort 3,6 Tonnen Moos. Verwendet werden zwei unterschiedliche Moos-Arten: das Hornzahnmoos (Ceratodon purpureus) und das Graue Zackenmützenmoos (Racomitrium canescens). Sie wurden eigens für den Versuch gezüchtet.

Der Projektversuch ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Stadt und Land investieren über 500.000 Euro in den Versuch. Erste Ergebnisse - sowohl für den Feinstaub als auch die Stickoxide - werden Ende des Jahres erwartet.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Experten des Instituts für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen und des Instituts für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik der Universität Stuttgart sowie dem Naturkundemuseum Stuttgart. 

Weitere Informationen

www.feinstaubalarm.stuttgart.de