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Und das nicht nur zur Weihnachtszeit - Gesichter von Kinderarmut in Stuttgart

02.05.2017 Aktuelles
Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat am 2. Mai Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen der Aktion "Weihnachtsbaum der Kinderwünsche" zu einer Zusammenkunft unter dem Motto "Und das nicht nur zur Weihnachtszeit - Gesichter von Kinderarmut in Stuttgart" eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, Erkenntnisse über die Erfahrungen von Familien und Kindern in schwierigen finanziellen und sozialen Verhältnissen zu gewinnen und deren Situation zu verbessern.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte: "Wir wollen nicht nur an Weihnachten Kinderwünsche erfüllen, sondern uns systematisch die Frage stellen: Was können wir gegen Kinderarmut tun? Die Stadt hat bereits viele Angebote für von Armut betroffene Familien. Kinder können die Angebote aber häufig nicht wahrnehmen, weil die Eltern nicht ausreichend über diese informiert sind. Hier müssen wir ansetzen. Wir müssen das Sozialnetz halten und in der Qualität verbessern", so der OB.

Die Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler machte deutlich, dass Teilhabe und Chancengerechtigkeit von Kindern aus finanziell schlechter gestellten Familien ein zentraler Aspekt einer kinderfreundlichen Stadt sei. "Hinter diesen Anliegen stehen nach der UN-Kinderrechtskonvention Rechte von Kindern, zum Beispiel auf Bildung und Gesundheit, aber auch auf Freizeit, Spiel und Erholung, um die wir uns kümmern müssen."

Gesichter von Kinderarmut in StuttgartOB Fritz Kuhn sagte zur Eröffnung der Tagung im Rathaus: 'Die Stadt hat bereits viele Angebote für von Armut betroffene Familien. Eltern sind aber nicht ausreichend darüber informiert. Hier müssen wir ansetzen.'

Teilhabe: "Kommunen leisten unglaubliches"

Die Leiterin des Jugendamtes, Susanne Heynen, verwies darauf, dass in Stuttgart fast 11.000 Kinder in Familien leben, die Arbeitslosengeld II beziehen: "Insgesamt sind dies 14 Prozent aller Kinder in Stuttgart. Besonders betroffen sind Kinder mit Migrationshintergrund." Verbunden mit der Armut seien erhebliche Gesundheits- und Bildungsrisiken. Insgesamt habe die Stadt Stuttgart jedoch seit der "Strategiekonferenz Kinderarmut" im Jahr 2008 viel vorangebracht. "Die Kommunen leisten unglaubliches, um allen Kindern gleiche Chancen zu ermöglichen."

Die Teilnehmer erörterten im Anschluss an moderierten Tischen zu den Themen Wohnen, Bildung, Gesundheit, Kultur, Freizeit, Spiel, Sport und Teilhabe, wie konkrete Erscheinungsweisen von Armut und mögliche Instrumente der Armutsbekämpfung aussehen und wie die Lücken im Unterstützungssystem geschlossen werden können.

Als Vertreter des zivilgesellschaftlichen Engagements für Kinder in Stuttgart waren der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart, die Bürgerstiftung Stuttgart und die Geschäftsführung von Hilfe für den Nachbarn eingeladen. Zudem nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung und des Gemeinderates teil.

Hintergrundinformation

Im Mai 2008 fand eine "Strategiekonferenz Kinderarmut" unter Federführung des Jugendamtes statt. Diese Konferenz löste eine Reihe von freiwilligen Leistungen für die betroffene Zielgruppe durch die Stadt Stuttgart aus, wie z.B. zusätzliche Leistungen für alle Familien mit Bonuscard oder die Ermäßigung des Mittagessens in Schulen auf 1 Euro.

Bonuscard

Mit der Bonuscard erhalten Familien eine Gebührenbefreiung für die Kindertagesbetreuung, für die verlässliche Grundschule, in Horten und in der außerschulischen Bildung. Zudem können Kinder mit Bonuscard kostenlos am Waldheim teilnehmen.  Mehr Infos und weitere Vergünstigungen mit der Bonuscard unter stuttgart.de/bonuscard.

Familiencard

Eine Familiencard erhalten alle Familien, die Empfänger von Sozialleistungen sind, von Kinderzuschlag und Wohngeld, sowie alle Familien mit mehr als drei Kindern im Haushalt. Leistungen sind ein Guthaben von jährlich 60 Euro pro Kind, welches für bestimmte Angebote verwendet werden kann. Der Betrag ist auf einem elektronischen Chip gespeichert und wird mit Leseterminals der Akzeptanzstellen abgebucht. Zudem sind unter anderem die Kita-Gebühren und die Teilnahme an Vereins-, Kultur- und Ferienangeboten ermäßigt. Mehr Infos und weitere Vergünstigungen mit der Familiencard unter stuttgart.de/familiencard.

Patenprogramme

Im Netzwerk "Stuttgarter Paten für Bildung und Zukunft" sind aktuell 28 Patenprogramme vernetzt, die sich für mehr Bildungsgerechtigkeit für Kinder und Jugendliche engagieren. Darüber hinaus gibt es weitere Patenprogramme, zum Beispiel zur Unterstützung von Familien mit kleinen Kindern. Studien belegen, dass Patenschaften ein geeignetes Instrument zur Förderung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien mit schwierigen Startchancen und diversen Belastungen sind.

"Weihnachtsbaum der Kinderwünsche"

Die Aktion "Weihnachtsbaum der Kinderwünsche" ist ein großer Erfolg. 1500 Kinder aus insgesamt über 30 Einrichtungen bekommen jedes Jahr einen Weihnachtswunsch erfüllt. Mit dem Weihnachtsbaum der Kinderwünsche können Bürger Kindern, deren Familien sich in schwierigen sozialen und/oder finanziellen Lebenslagen befinden, zum Weihnachtsfest einen Wunsch erfüllen. In 36 Einrichtungen fragen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Weihnachtswünsche der Kinder ab und leiten die Wunschkarten an das Kinderbüro weiter.