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Zur Geschichte der Cannstatter Ärzte und Apotheken

09.05.2017 Kultur
"Ein Arzt ist kein Mann!" lautet der verblüffende Titel der neuen Ausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt. Die umfangreiche Präsentation "Zur Geschichte der Ärzte und Apotheken in Cannstatt von den Anfängen bis 1918" wird am Dienstag, 16. Mai, um 19 Uhr eröffnet und ist bis zum 30. Oktober zu sehen.

Als in der Hochzeit der Kurstadt Cannstatt um 1850 die Prinzessin Gagarin aus St. Petersburg mit ihrer erwachsenen Tochter bei Dr. Albert Veiel vorstellig wurde, genierte sich die Tochter, sich vor dem bekannten Hautarzt "frei zu machen". Entnervt über die Haltung der jungen Frau riss ihr die Mama schließlich resolut das Hemd vom Leibe und rief auf Französisch: "Ein Arzt ist kein Mann!" - ein Satz, der bei den Veiels und ihren Nachfahren zum vielzitierten Bonmot wurde. Überliefert ist die Anekdote in den 1922/23 verfassten Lebenserinnerungen von Professor Dr. Theodor Veiel, Chefarzt am Krankenhaus Cannstatt und Begründer der dort bis heute bestehenden Hautklinik.

Renommierte Arztfamilien

Die Sonderausstellung lenkt den Blick vor allem auf das 19. Jahrhundert. Im Fokus stehen neben den Veiels, die über drei Generationen eine erfolgreiche Hautklinik, die erste ihrer Art in Deutschland, betrieben, auch Jakob Heine, europaweit bekannter Fachorthopäde mit eigener Klinik, und seine Frau. Hinzu kommen die Arztfamilien Burckhardt und Tritschler sowie die Fachärzte Heinrich Ebner und Theobald Kerner ("Justini Sohn"), die "Gebets-Heilanstalt" der Henriette von Seckendorff-Gutend und schließlich die Fachkliniken für psychosomatische Erkrankungen.

Benzin aus der Kronen-Apotheke

Auch die Geschichte der Cannstatter Apotheken weist ihre eigenen Höhepunkte auf. Die Kronen-Apotheke, zeitweise im Besitz der Familie Obermiller, ist die älteste und besteht seit 1638. Die Virgil Mayer'sche Hofapotheke war die erste rein homöopathische Apotheke im Königreich Württemberg. Aus beiden Apotheken haben sich interessante Relikte erhalten, von denen eine Auswahl erstmals in der Ausstellung zu sehen sind, so zum Beispiel das großformatige Rezeptbuch der Obermillers, in den 1890er Jahren angelegt. Hier entdeckt man, dass auch die Daimler-Motorenwerke einmal Benzin in der Kronen-Apotheke gekauft haben. Außerdem gab es eine Reihe von Cannstatter Firmen, die entweder medizintechnische Geräte produzierten oder im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel erfolgreich waren. Die Lazarette des Ersten Weltkriegs bilden den Abschluss des Gangs durch die interessante Medizingeschichte Bad Cannstatts.

Führungen und Vortrag

Öffentliche Führungen durch die Ausstellung des Planungsstabs Stadtmuseum Stuttgart werden an folgenden Tagen angeboten:

Mittwoch, 31. Mai, um 16 Uhr mit Dr. Manfred Schmid,

Sonntag, 18. Juni, um 15 Uhr mit Olaf Schulze,

Mittwoch, 5. Juli, um 16 Uhr mit Dr. Manfred Schmid,

Dienstag, 16. August, um 16 Uhr mit Olaf Schulze,

weitere Termine folgen.

Geöffnet ist das Stadtmuseum Bad Cannstatt in der Klösterle-Scheuer, Marktstraße 71/1, mittwochs von 14 bis 16 Uhr, samstags 14 bis 17 Uhr und sonntags 12 bis 18 Uhr. Außerdem ermöglicht der Verein Pro Alt-Cannstatt folgende Sonderöffnungszeiten:

Donnerstag, 25. Mai, Christi Himmelfahrt, 12 bis 18 Uhr

Montag, 5. Juni, Pfingstmontag, 12 bis 18 Uhr

Donnerstag, 15. Juni, Fronleichnam, 12 bis 18 Uhr

Samstag, 8. Juli, Cannstatter Kulturmenü, 14 bis 19 Uhr

Dienstag, 3. Oktober, Tag der Deutschen Einheit, 12 bis 18 Uhr

In der Reihe "Cannstatt - eine Spurensuche" spricht der Historiker Olaf Schulze am Samstag, 17. Juni, um 17 Uhr in der Stadtteilbücherei Bad Cannstatt, Überkingerstraße 15, über "Die Veiels - Cannstatter Hautärzte von Renommee".

Der Eintritt ins Stadtmuseum Bad Cannstatt ist frei, ebenso die Teilnahme an den Führungen und der Besuch des Vortrags. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 56 47 88 (während der Öffnungszeiten) und 216-96400 (montags bis freitags, Planungsstab Stadtmuseum) sowie im Internet unter www.stadtmuseum-stuttgart.de/stadtmuseum-bad-cannstatt.