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Gemeinderat würdigt Manfred Rommel mit der Einrichtung eines Stipendiums

18.05.2017 Gemeinderat
In Würdigung und Anerkennung von Alt-Oberbürgermeister Prof. Dr. h.c. Manfred Rommel und seiner herausragenden Verdienste um die Landeshauptstadt Stuttgart, die Kommunalpolitik im Allgemeinen, die Stadtgesellschaft und die Völkerverständigung, hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am 18. Mai einstimmig beschlossen, künftig das "Manfred-Rommel-Stipendium der Landeshauptstadt Stuttgart" zu vergeben.

Das Stipendium ist mit 35.000 Euro dotiert und wird erstmals im Jahr 2018 anlässlich des 90. Geburtstags und fünften Todestags von Manfred Rommel vergeben. Im zweijährigen Rhythmus ausgeschrieben, dient es der wissenschaftlichen und/oder professionellen Weiterentwicklung der Stipendiaten.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte: "Manfred Rommel war ein Oberbürgermeister, der, neben vielen anderen Fragen der eigentlichen Verwaltung, in zentralen Themen in der Stadt und in ganz Deutschland, Europa und darüber hinaus Impulse gegeben und sich engagiert hat. Um sein Wirken ausreichend zu würdigen, reicht die Benennung des Flughafens nicht aus. Das Stipendium gibt Gelegenheit, sich mit dem geistigen Leben Manfred Rommels zu befassen. Auch bei seinem letzten Besuch im Rathaus war sein Thema, das ihn immer wieder umgetrieben hat: 'Wie kann die Gesellschaft angesichts der zentrifugalen Kräfte zusammengehalten werden? Was müssen Politik und Gesellschaft tun, damit ein Zerfall aufgehalten werden kann?'" Für Fritz Kuhn ist wichtig, dass die Stipendiaten sich nicht nur schriftlich mit ihrem Thema befassen, "sondern dass sie in unterschiedlichen Veranstaltungen in der Stadt ihre Arbeit darstellen und die Stadtgesellschaft sich damit befassen kann. Ich glaube, das wäre im Sinne Manfred Rommels, der immer auf das Gespräch und den Diskurs ausgerichtet war."

Der langjährige Oberbürgermeister und Ehrenbürger der Landeshauptstadt Stuttgart war mit seinem humanistischen Engagement und seiner Toleranz ein Wegbereiter für das moderne Stuttgart. Sein internationales Ansehen hat das Bild der Landeshauptstadt weit über die Stadtgrenzen hinaus geprägt.

Aufgrund seiner Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus setzte sich Manfred Rommel für Völkerverständigung ein und begründete Städtepartnerschaften. Er setzte Impulse in der kommunalen Außenpolitik der Stadt, die zu weiteren Städtepartnerschaften, vor allem in Mittel- und Osteuropa führten. Neben dem Gedanken der Aussöhnung hatten die internationalen Beziehungen auch wirtschaftliche und politische Gründe.

Er erkannte früh die Bedeutung von Integration und Weltoffenheit für den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft und legte das Fundament für die beispielgebende Integrationspolitik Stuttgarts, die bis heute als vorbildlich gilt und vielfach ausgezeichnet wurde. Er war überzeugt, dass die Landeshauptstadt in Zeiten der Globalisierung von der Zuwanderung profitiert und dieses Potenzial nutzen sollte. Im toleranten Miteinander sah er die Basis für die kulturelle und soziale Vielfalt Stuttgarts. So hat er sich auch für die doppelte Staatangehörigkeit eingesetzt.

Seine Weitsicht, Toleranz und nicht zuletzt sein Humor haben das Bild Stuttgarts überregional nachhaltig geprägt. Sein Verständnis der Demokratie und auch der Demokratiegefährdung basierte auf seinen Erfahrungen während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Wahrung der demokratischen Stabilität war für sein politisches Handeln entscheidend. Dabei kam der kommunalen Selbstverwaltung eine große Bedeutung zu, die in Baden-Württemberg besonders ausgeprägt ist.

Als Oberbürgermeister war Manfred Rommel für seine Sparsamkeit bekannt und der Überzeugung, dass Politik und Staat die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten nicht missachten dürfen. In seiner Amtszeit führte er die mittelfristige Finanzplanung ein, optimierte die Infrastruktur und konsolidierte den Haushalt.

Themen des Stipendiums - Schwerpunkt 2018: "Demokratie"

Das Stipendium konzentriert sich auf Themenschwerpunkte Manfred Rommels wie Völkerverständigung und internationale Aussöhnung, Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt, Integration und Toleranz, Kommunale Selbstverwaltung und Subsidiarität sowie solide Finanzen und innerstaatliche Finanzbeziehungen, für die er wichtiger Impulsgeber war. Das Stipendium greift diese Themen auf und überführt sie ins 21. Jahrhundert.

Da die Themen weit gefasst sind, wird bei jeder Ausschreibung ein Schwerpunkt festgelegt, mit denen sich die eingereichten Vorhaben befassen sollten. Für die erste Ausschreibung 2018 liegt der Fokus auf dem Thema "Demokratie".

"Ein Wesensmerkmal der freiheitlichen Demokratie ist darin zu sehen, dass sie den Menschen in den grundsätzlichen Fragen seiner Existenz nicht manipulieren möchte", hat Manfred Rommel bereits 1980 in einer Rede formuliert. Mit Blick auf Populismus, sinkende Wahlbeteiligung, Manipulationsmechanismen der neuen sozialen Medien und zunehmenden Irrationalismen stellt sich die Frage, wie die Bürger in das politische Handeln mit einbezogen werden und wie deren Beteiligung aussehen kann.

Rahmenbedingungen und Bewerbung

Das Stipendium richtet sich insbesondere an junge Wissenschaftler, um diesen die Fortsetzung und/oder Vollendung einer geplanten wissenschaftlichen Arbeit und deren Veröffentlichung zu ermöglichen. Gefördert werden vor allem Arbeitsvorhaben, die von gesellschaftspolitischer Relevanz im Sinne Manfred Rommels sind. Bewerben können sich auch Personen aus anderen Bereichen wie Literatur und Journalismus oder im Sabbatical.

Zum Auftakt des Stipendiums ist eine Diskussionsveranstaltung mit Begrüßung und Vorstellung des Stipendiaten, zum Abschluss ein Festakt mit einer Laudatio und der Präsentation der Ergebnisse geplant. Wünschenswert ist eine begleitende Rahmenveranstaltung zum Festakt wie ein Symposium, um das Thema des ausgewählten Projekts vertiefend im Rathaus diskutieren zu können. Die Kulturverwaltung unterstützt die Stipendiatin/den Stipendiaten bei der Planung.

Der Stipendiat ist in der Wahl seiner Methode frei: Er kann das Thema in schriftlicher, künstlerischer oder auch digitaler Form beispielsweise als Blog oder digitales Tagebuch erarbeiten. Es besteht keine Residenzpflicht.

Bewerber müssen ein Motivationsanschreiben, einen Lebenslauf, ein Exposé des geplanten Vorhabens (maximal zehn Seiten) mit einer Gliederung und aktuellem Stand, eine kurze Darstellung der gesellschaftspolitischen Relevanz, einen Zeitplan für die Umsetzung und Veröffentlichung des Vorhabens, die bisherigen oder geplanten Partner/Unterstützer sowie beteiligte Institute einreichen. Die Vorhaben sollten bei der Einreichung nicht älter als zwei Jahre oder in der Startphase sein.

Jury und Beurteilungskriterien

Über die Vergabe des Stipendiums entscheidet eine Fachjury nach Sichtung der eingereichten Unterlagen. Vorsitzender der Jury ist der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart. Der Jury gehören außerdem an: ein Vertreter oder eine Vertreterin der Universität Stuttgart, der Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), eine Vertreterin oder ein Vertreter einer angrenzenden Wissenschaft, eine Kulturjournalistin oder ein Kulturjournalist einer überregionalen Zeitung, eine Vertreterin oder ein Vertreter auf internationaler Ebene sowie ein Mitglied des Gemeinderats. Organisation, Koordination und Protokollierung übernimmt das Kulturamt. Die Jury wird für vier Jahre bestimmt.

Beurteilungskriterien sind: Abbildung der mit Manfred Rommel verknüpften Themenschwerpunkte, Auseinandersetzung mit den Themenschwerpunkten, Gesellschaftspolitische Relevanz des Vorhabens, Neue Impulse für den aktuellen kommunalpolitischen Diskurs, realistischer Zeit- und Projektplan, Potenzial für die Weiterentwicklung des Stipendiaten.

Finanzierung

Neben der Dotierung von 35.000 Euro sind weitere 20.000 Euro für Ausschreibung, Jury und Begleitveranstaltungen vorgesehen. Die erforderlichen Haushaltsmittel in Höhe von 55.000 Euro werden für das Jahr 2018 und ab 2019 mit einer jährlichen Ansparrate von 27.500 Euro bei der Aufstellung des Doppelhaushalts 2018/2019 eingeplant und das Budget des Kulturamts wird entsprechend angepasst. Die Mittel können formal erst im Rahmen der Aufstellung des Doppelhaushalts 2018/2019 beschlossen werden.