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Stuttgarter Delegation aus Samara zurückgekehrt - BM Dr. Schairer: "Wenn Menschen sich kennen, ist für Vorurteile kein Platz"

25.06.2017 Aktuelles
Die Stuttgarter Delegation ist am Sonntag, 25. Juni, aus Samara zurückgekehrt. Delegationsleiter Dr. Martin Schairer, Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport sagte: "Der Besuch hat die Beziehungen zu unserer russischen Partnerstadt weiter vertieft. Es ist beeindruckend, mit welchem Enthusiasmus die Partnerschaft von beiden Seiten gelebt wird." Die Delegation aus Stuttgart hatte die russische Stadt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft besucht.

Zur Delegation gehörten Stadträtinnen und Stadträte, Vertreter der Stadtverwaltung und von Einrichtungen wie der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft, dem Renitenztheater, dem Leibniz Gymnasium, dem VfB Stuttgart sowie der Sportkreisjugend.

Delegationsreise Samara 2017Die Delegation aus Stuttgart hatte die russische Stadt Samara anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft besucht. Foto: Stadt Stuttgart In Samara wurde die Delegation von Oberbürgermeister Oleg Fursow offiziell empfangen. Er sagte: "Wir freuen uns sehr, dass die Stuttgarter Delegation in unserer Stadt zu Gast ist. In den vergangenen 25 Jahren ist unsere Partnerschaft in vielen Bereichen gewachsen, vom Bildungswesen bis zum Sport. Viele Schüler und Studenten unserer Städte verbindet eine tiefe Freundschaft. Ich bin sicher, dass noch zahlreiche gemeinsame Projekte vor uns liegen." BM Dr. Schairer bedankte sich bei den Gastgebern für den herzlichen Empfang. Er wies darauf hin, dass die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch die Partnerschaft zwischen Stuttgart und Samara als Leuchtturm der deutsch-russischen Partnerschaft bezeichnet habe. Die Vorsitzende der Duma des Stadtkreises Samara, Galina Andrijanowa, betonte, Samara habe mehrere Städtepartnerschaften, aber die mit Stuttgart sei am intensivsten.

Samara präsentierte sich der Delegation als dynamische Stadt, in der man die Vorfreude auf die Fußball-WM 2018 in Russland spürt. Für die Stadt Stuttgart ergeben sich hier viele Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit im sportlichen Bereich.

Schülerinnen und Schüler sind wichtigste Botschafter

Eine wichtige Säule der Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und Samara war von Beginn an der Schüleraustausch: Die Schülerinnen und Schüler erhalten Einblicke in die Kultur des Gastlandes und können gleichzeitig ihre Sprachfähigkeit verbessern. Außerdem schulen sie ihre interkulturelle Kompetenz und lernen, selbstständiger zu werden. Auf Stuttgarter Seite führen das Königin-Olga-Stift, die Waldorfschule am Kräherwald, das Leibniz-Gymnasium und das Ferdinand-Porsche-Gymnasium regelmäßig Austauschprogramme durch.

Die Stuttgarter Delegation nutzte ihren Besuch in Samara, um sich vor Ort mit Vertretern der russischen Partnerschulen Gymnasium Nr. 1, Gymnasium Nr. 4 und der Schule Nr. 148 auszutauschen. Dabei stellten die Schülerinnen und Schüler einige Projekte vor, die sie gemeinsam mit Stuttgarter Schülern entwickelt haben. Darunter war u.a. ein Projekt, dass die Wahrnehmung des 1. Weltkriegs aus deutscher, russischer und französischer Sicht untersuchte. Das Fazit der Schüler: gemeinsame Projekte verbinden und helfen, sich gegenseitig besser zu verstehen. Die Samaraer Schüler äußerten den Wunsch nach weiteren Theater-, Sprach- und Medienprojekten. Bürgermeister Dr. Schairer zeigte sich sehr beeindruckt von den Vorträgen der Schüler. Er stellte fest: "Wenn man die unglaubliche Motivation der Schülerinnen und Schüler sieht, dann braucht man sich um die Zukunft unserer Städtepartnerschaft nicht zu sorgen. Wir werden den Schüleraustausch weiterhin fördern, denn die Schülerinnen und Schüler sind unsere wichtigsten Botschafter."

Der Stuttgarter Gemeinderat hat 2001 entschieden, für jede osteuropäische Partnerstadt 256.000 Euro bereitzustellen. Hintergrund war die Diskussion über die Entschädigung von Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Geld sollte für soziale Zwecke genutzt werden. So entstand in Samara 2003 das Mehrgenerationenhaus. Es ist ein Treffpunkt für Menschen verschiedener Generationen und hat gleichzeitig eine große Bedeutung für die Gestaltung der Städtepartnerschaft. Das Mehrgenerationenhaus bietet den Einwohnern Samaras unabhängig von deren Alter ein abwechslungsreiches Angebot: von Kindermal-Kursen über Sportprogramme für Jung und Alt bis hin zur Betreuung von traumatisierten Menschen. Der Unterricht wird sehr gut angenommen. Die Stuttgarter Delegation konnte sich bei mehreren Tanz- und Gesangsvorführungen von dem hohen Niveau der Kurse überzeugen. Die Teilnehmer gewinnen regelmäßig nationale Wettbewerbe.

Enge Beziehungen zwischen den Kirchengemeinden

Seit 1991 unterhält die evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart enge Beziehungen nach Samara. Das Gustav-Adolf-Werk, der Martin-Luther-Bund, das diakonische Werk und zahlreiche Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben sich in der Vergangenheit intensiv für die kirchliche Aufbauarbeit in der russischen Stadt eingesetzt. Die Landeskirche Württemberg entsandte viele Jahre lang Pfarrerinnen und Pfarrer nach Samara. Seit 2008 steht mit Dr. Olga Temirbulatowa erstmals eine einheimische Pfarrerin der Sankt Georgs-Gemeinde Samara vor. Sie sagte anlässlich des Besuchs der Stuttgarter Delegation: "Der Kontakt zu Stuttgart war für uns wie Regen auf vertrocknetem Boden. Sie haben uns großzügig unterstützt und waren gleichzeitig ein Vorbild beim Aufbau unserer Kirchengemeinde."

Zum 25-jährigen Jubiläum hatte die Stuttgarter Delegation einen besonderen Gast mit nach Samara gebracht: der Sänger Kevin Tarte gab am 22. Juni ein Konzert vor 1.100 Zuschauern in der ausverkauften Philharmonie Samara. Tarte wurde 1999 von Roman Polanski persönlich für die Rolle des Graf Krolock im Musical "Tanz der Vampire" ausgewählt und lebt in Stuttgart. Der Auftritt Tartes wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.

Wie eng der Austausch zwischen den Städten auch im wissenschaftlichen Bereich ist, davon konnte sich die Delegation beim Besuch der Staatlichen Universität Samara überzeugen. Diese pflegt seit vielen Jahren eine enge Beziehung zur Universität Stuttgart. Die Zusammenarbeit ist den Fachbereichen Luft und Raumfahrt und deutsche Philologie sehr produktiv. Dort gibt es einen regen Stipendiaten-, Doktoranden- und Studentenaustausch, von dem beide Seiten profitieren.

Am 27. September erfolgt der Gegenbesuch

Die Delegation informierte sich auch über das Samaraer Fußballstadion. Es wird eigens für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland gebaut. In Samara werden wie 2006 in Stuttgart insgesamt sechs WM-Spiele stattfinden. Experten der Landeshauptstadt hatten Samara bei der Bewerbung als Ausrichterstadt unterstützt, indem sie über Stuttgarts Erfahrungen als Ausrichterstadt berichteten. Im Vorfeld der Planungen für das neue Stadion erkundigten sich die russischen Experten insbesondere zu Fragen der Sicherheit und der Infrastruktur bei ihren deutschen Kollegen.

Zum Abschluss der Delegationsreise lud die Landeshauptstadt zu einem deutsch-russischen Abend ein. Hier wurde den zahlreichen Partnern für ihre Verdienste um die Städtepartnerschaft gedankt.

Der Termin für den Gegenbesuch aus Russland steht bereits fest:
Am 27. September wird Oberbürgermeister Fritz Kuhn die Delegation aus Samara in der Landeshauptstadt begrüßen. Die russischen Gäste bleiben voraussichtlich bis zum 1. Oktober in Stuttgart.

Das 25-jährige Jubiläum der Partnerschaft feiern die Städte mit über 40 Veranstaltungen und Begegnungen in Stuttgart und Samara. Vom Schul-, Jugend- und Sportaustausch über Filmwochen, Vorträge und Theaterprojekte bis hin zur stuttgartnacht am 14. Oktober.

Mehr Informationen zum Jubiläum sind auf folgender Seite zu finden: www.stuttgart.de/jubilaeum-stuttgart-samara.