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Vorbereitung auf Schule: OB Kuhn fordert mehr Unterricht für zugewanderte Kinder

06.09.2017 Bildung
Kinder in den Vorbereitungsklassen sollen genauso lange unterrichtet werden wie Schüler der regulären Klassen. Das fordert Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn. In einem Schreiben an Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann formuliert er: "Für Kinder ab sechs Jahren ist selbstverständlich die Schule der zentrale Ort um die deutsche Sprache zu lernen, mit der Kultur vertraut zu werden und die Kompetenzen zu erwerben, die den Kindern gute Zukunftsperspektiven eröffnen."

Die Landeshauptstadt teilte am Mittwoch, 6. September, mit, dass Kinder in Vorbereitungsklassen an den Grundschulen nur 18 Stunden in der Woche unterrichtet werden. Somit klafft zwischen den Unterrichtsstunden der Vorbereitungsklassen und der Regelklassen an der Grundschule eine Lücke von vier bis sechs Lehrerstunden pro Woche.

Durch die geringere Stundenanzahl ist den Kindern in vielen Fällen auch der Zugang zu Bildungs- und Freizeitangeboten verwehrt. "Es erscheint mir sehr ungerecht, nicht allen Kindern und Jugendlichen eine gleichgestellte Teilhabe an den Ganztags- und Betreuungsangeboten ermöglichen zu können- Zur Veränderung dieser bestehenden Situation, bedarf es gemeinsamer Bemühungen", schreibt Kuhn an die Ministerin.

Als Gründe für seine Forderung zählt er auf:

  • die Förderung der schnellen Integration der Kinder und Jugendlichen
  • bessere Rahmenbedingungen zum schnellen Erlernen der deutschen Sprache im "Sprachbad mit deutschsprechenden Kindern und Pädagogen"
  • Nutzung der kindgerechten Angebote und Räume der Schule statt Aufenthalt in beengten Gemeinschaftsunterkünften.

Derzeit leben knapp 2800 Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung in Stuttgart. Kuhn verweist darauf, dass die Stadt bereits vielfältige Anstrengungen unternimmt, sie zu integrieren. Er schreibt: "Wir unterstützen insbesondere, dass die Kinder Zugänge zu den Angeboten und Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil eröffnet werden. Darüber hinaus bemühen wir uns über eine Vielzahl von Angeboten, die Integration gelingend zu stärken, so etwa über außerschulische Lern- und Bildungsangebote, über unterstützende Maßnahmen an den Übergängen in die Schule und in den Beruf sowie über Kultur-, Spiel und Freizeitangebote."

Hintergrund Vorbereitungsklassen

Vorbereitungsklassen werden für Kinder und Jugendliche eingerichtet, die aus dem Ausland zugezogen sind und die wegen mangelnder Deutschkenntnisse noch nicht am Regelunterricht teilnehmen können. Die Gründe für die Migration sind unterschiedlich, z.B. Asyl, Beruf, Studium oder Ausbildung der Eltern, freier Zuzug aus der EU, Rückkehr von deutschen Eltern aus dem Ausland mit ausländischem Ehepartner. In Primar- und Sekundarstufe 1 werden in Stuttgart im Schuljahr 2017/2018 voraussichtlich 107 Vorbereitungsklassen eingerichtet, davon 54 in Grundschulen.