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Ergebnisse der Bürgerumfrage 2017 zu Planungen und Projekten in Stuttgart

06.09.2017 Aktuelles
Im Rahmen der Bürgerumfragen des Statistischen Amtes werden die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger zu wichtigen Planungen, Projekten und Einrichtungen in Stuttgart erhoben.

Bei der Vorstellung der Ergebnisse sagte Dr. Martin Schairer, Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport: "Dabei zeigt sich, dass die Planungen und Projekte in Stuttgart durchweg auf eine unverändert hohe und breite Zustimmung in der Bevölkerung stoßen. Bezüglich 'Stuttgart 21' ist festzustellen, dass sich der Trend der letzten Bürgerumfrage zu einer Verbesserung des Meinungsbildes nicht fortgesetzt hat. Die Zustimmung ist leicht gesunken. Dennoch überwiegen weiterhin die positiven Stimmen bei der Beurteilung des Gesamtvorhabens und zum Umbau des Hauptbahnhofs, während das Städtebauprojekt mit den neuen Stadtvierteln und die Parkerweiterungen schon früher weit überwiegend positiv gesehen wurden."

Zur Methode der Bürgerumfrage

Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amtes, erläuterte die methodischen Hintergründe der aktuellen Bürgerumfrage: Das Statistische Amt führt seit 1995 im Zwei-Jahres-Rhythmus eine Bürgerumfrage im Zeitraum von April bis Juni durch. Rund 9400 aus dem Einwohnerregister nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Einwohner ab 18 Jahren mit Hauptwohnung in Stuttgart werden gebeten, sich an der freiwilligen Befragung zu beteiligen. Über 4100 Personen, das sind 44 Prozent, beantworteten den Fragebogen.

Der neue HauptbahnhofDer neue Hauptbahnhof: Der Anteil der Befragten mit einer positiven Einstellung zu dem Projekt liegt bei 38 Prozent. Visualisierung: plan b/Bahnprojekt Stuttgart-Ulm

Das Meinungsbild zu "Stuttgart 21"

"Stuttgart 21" ist das bedeutendste Verkehrsinfrastruktur- und Städtebauprojekt der Landeshauptstadt Stuttgart. Das Meinungsbild zu "Stuttgart 21" in der Bevölkerung wird seit der ersten Bürgerumfrage 1995 erhoben, nachdem das Projektkonzept 1994 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Seitdem ist ein stetiges Auf und Ab im Meinungsbild festzustellen. Zu Beginn des Projekts 1995 und im Jahr der Volksabstimmung über ein S21-Kündigungsgesetz 2011 waren die Zustimmungswerte der Stuttgarterinnen und Stuttgarter bislang am höchsten. Die geringste Zustimmung wurde 2009 gemessen (vgl. Tabelle 2). Danach stieg die Zustimmung bei den folgenden Befragungsrunden deutlich an. Bei der aktuellen Bürgerumfrage ist wieder ein geringfügiger Rückgang der Zustimmungswerte zu konstatieren.

Von 16 auf 13 Prozent zurückgegangen, ist im Vergleich zur letzten Bürgerumfrage der Anteil der Befragten, die eine "sehr gute Meinung" zu dem Projekt äußern. Der Anteil der Befragten mit einer "guten Meinung" ging von 26 auf 25 Prozent zurück. Dafür erhöhte sich der Befragtenanteil mit einer ambivalenten Einstellung "teils, teils" von 22 auf 24 Prozent. Von drei auf vier Prozent geringfügig angestiegen ist auch der Anteil der Befragten, die "weiß nicht" ankreuzten. Unverändert bleibt der Anteil der Befragungspersonen mit einer ablehnenden Meinung: eine "schlechte Meinung" haben zwölf Prozent, eine "sehr schlechte Meinung" 22 Prozent.

Alles in allem überwiegt aber auch 2017 der Anteil die Befragten mit einer positiven Einstellung, er liegt bei 38 Prozent (42 Prozent im Jahr 2015) gegenüber jenen mit einer negativen Einstellung, er liegt bei 34 Prozent (wie 2015). 2013 war das Meinungsbild noch mehrheitlich knapp ablehnender Natur, 37 Prozent hatten eine positive, 39 Prozent eine negative Meinung.

Auch bei einer differenzierten Betrachtung zeigen sich die leicht rückläufigen Bewertungen des Gesamtprojekts. Das Bahnprojekt "Stuttgart 21, Umbau Hauptbahnhof" verliert gegenüber 2015 etwas an Zustimmung ("sehr gute Meinung/gute Meinung": 39 Prozent; 2015: 41 Prozent), während der Anteil der Befragten mit "sehr schlechter" oder "schlechter Meinung" (zusammen 37 Prozent) stagniert.

Beim Meinungsbild zu den "Neuen Stadtvierteln in Stuttgart 21, Rosensteinviertel, Europaviertel" ergeben sich sowohl weniger positive ("sehr gute Meinung/gute Meinung": 38 Prozent; 2015: 40 Prozent) als auch weniger ablehnende Voten ("sehr schlechte Meinung/schlechte Meinung": 24 Prozent; 2015: 27 Prozent). Gestiegen ist demgegenüber der Anteil der Befragten mit ambivalenter ("teils, teils": 28 Prozent; 2015: 27 Prozent) und keiner Meinung ("weiß nicht": zehn Prozent; 2015: sieben Prozent).

Am positivsten wird stets das Teilprojekt "Erweiterung Rosensteinpark und Schloßgarten" gesehen, von dem 64 Prozent (2015: 65 Prozent) eine "sehr gute Meinung" oder "gute Meinung" und nur sechs Prozent (wie 2015) eine "sehr schlechte Meinung" oder "schlechte Meinung" haben.

Männer und Jüngere sehen "Stuttgart 21" positiver

Erneut ist festzustellen, dass Männer insbesondere das Bahnprojekt "Stuttgart 21" eindeutig positiver beurteilen als Frauen, wenngleich die Zustimmungswerte sich etwas angeglichen haben (vgl. Tabelle 3).

Unterscheidet man das Antwortverhalten nach Altersklassen, ist festzustellen, dass insbesondere jüngere Menschen, und hier vor allem die Altersgruppe 25 bis 35 Jahre, das Bahnprojekt am positivsten sehen. In der jüngsten Altersklasse (18 bis 25 Jahre) hat sich das Meinungsbild verschlechtert; das trifft auch auf die Älteren ab 55 Jahren zu. In den mittleren Altersklassen waren kaum Veränderungen im Meinungsbild gegenüber 2015 zu beobachten, in der Altersgruppe 45 bis 55 Jahre verbesserte sich dieses sogar.

Insgesamt betrachtet nehmen die Altersklassen von 18 bis 45 Jahren und der ältesten Altersklasse ab 65 Jahren eine überwiegend positive Einstellung zu "Stuttgart 21" ein. In den mittleren Altersklassen von 45 bis 65 Jahren hingegen fallen die Meinungen zu "Stuttgart 21" mehrheitlich ablehnend aus.

Meinungsbild zu weiteren Projekten

Alle in der Bürgerumfrage zur Bewertung vorgelegten weiteren Projekte stoßen auf eine breite Zustimmung in der Bevölkerung. Dem "Ausbau des Stadtbahnnetzes" wurde dabei in der Vergangenheit stets die höchste Zustimmung zuteil. Aufgrund einer geringeren Anzahl Befragter mit einer "sehr guten Meinung" oder "guten Meinung" (71 Prozent; 2015: 77 Prozent) ist nun das Vorhaben "Stadt am Fluss, Landschaftspark Neckar" das am besten bewertete Projekt. Auf der 100-Punkte-Skala des Kommunalbarometers liegt "Stadt am Fluss" mit 75 Punkten (2015: 74) vor "Ausbau des Stadtbahnnetzes" mit 72 Punkten (2015: 75).

Ein sehr positives Meinungsbild wird auch dem diskutierten "Nordostring, Verbindung B 14 mit B 27" (69 Punkte; neues Item), dem "Umbau des Wilhelmpalais zum Stadtmuseum" (66 Punkte; 2015: 65), dem "Wohnbauprojekt NeckarPark, Gelände gegenüber dem Cannstatter Wasen" (65 Punkte; 2015: 63) und dem "Straßenbauprojekt Rosensteintunnel, B 10" (65 Punkte; 2015: 67) entgegengebracht. Vor allem beim "Nordostring" und dem "Neckarpark" sind die Anteile an Befragten, die hierzu keine Meinung haben, mit jeweils 33 Prozent relativ hoch.

Eine anhaltend hohe Zustimmung besteht gegenüber dem "Dorotheen Quartier, Umgestaltung und Neubauten im Areal zwischen Breuninger und Karlsplatz" (56 Punkte, wie 2015) und dem darin integrierten "Lern- und Gedenkort 'Hotel Silber' zum Nationalsozialismus" (61 Punkte, wie 2015); bei Letzterem antworten allerdings 34 Prozent der Befragten mit "weiß nicht".

Die "Ausweitung des Parkraummanagements" in Stuttgart stößt auf eine gestiegene Resonanz (61 Punkte; 2015: 58).

Sanierung der Oper, Neues Lindenmuseum und Wagenhallen

Von der in der Bürgerumfrage neu aufgenommenen Projekte erzielt die "Sanierung der Staatsoper" mit 65 Punkten die höchste Zustimmung (nach dem schon erwähnten "Nordostring"), gefolgt von dem "Umbau Wagenhallen, Veranstaltungszentrum am Nordbahnhof" mit 62 Punkten und dem "Energiekonzept der Stadt Stuttgart" mit 60 Punkten. Dabei sind die Projekte, abgesehen von der "Sanierung der Staatsoper", rund einem Drittel der Befragten nicht bekannt ("weiß nicht").

Ein zurückhaltenderes Meinungsbild zeigt sich beim "Neubau Lindenmuseum, auf Stuttgart-21-Gelände" mit 52 Punkten und bei der "Internationalen Bauausstellung StadtRegion Stuttgart 2027" mit 55 Punkten, wobei zu letzterem Projekt nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten überhaupt eine Meinung äußern konnte.

Ergänzend wurden die Teilnehmer der Bürgerumfrage aufgefordert, zu vier weiteren bestehenden Einrichtungen ihre Meinung zu äußern. Eine hohe Zustimmung erhalten dabei das "Kunstmuseum Stuttgart am Schloßplatz", das allerdings mit 69 von 100 möglichen Kommunalbarometerpunkten nicht an die Bewertung von 75 Punkten bei der letzten Bürgerumfrage herankommt. Auch die "Neue Messe am Flughafen" erhielt mit 66 Punkten eine zwar gute Bewertung; diese nimmt aber seit der Bürgerumfrage 2009 kontinuierlich ab.

Die Angaben zu den beiden großen Einkaufszentren Stuttgarts runden das Meinungsbild ab. Das "Gerber" an der Paulinenbrücke erhält wieder eine durchschnittliche Punktzahl von 50 Punkten auf dem Kommunalbarometer und das "Milaneo" am Mailänder Platz kommt auf 41 Punkte (2015: 42).