Übergewicht beeinträchtigt seelisches Wohlbefinden von Jugendlichen

In Stuttgart ist jeder sechste Jugendliche übergewichtig. Jeder sechzehnte ist sogar extrem übergewichtig. Diese Zahlen stammen aus der repräsentativen Jugendgesundheitsstudie JUGS, die das Gesundheitsamt Ende 2005 in Verbindung mit dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGS des Robert Koch-Instituts durchgeführt hat. Nun wurden die Daten weiter ausgewertet.

Übergewicht beeinträchtigt Psyche und schulische Leistung

Es wurde untersucht, inwieweit das Übergewicht andere Lebensbereiche einschränkt. Das Ergebnis: Am meisten leiden die Psyche und die schulische Leistung. Beim Vergleich von übergewichtigen und nicht übergewichtigen Mädchen und Jungen ergaben sich beim seelischen Wohlbefinden die größten Unterschiede. Dies zeigt, dass auch im Bereich der psychosozialen Unterstützung noch mehr für Jugendliche mit Gewichtsproblemen getan werden muss.

Von einem optimalen seelischen Wohlbefinden spricht man, wenn Jugendliche Spaß haben, fröhlich sind, sich nicht langweilen und sich nicht alleine, ängstlich oder unsicher fühlen. Im Durchschnitt vergeben die befragten Stuttgarter Schüler für ihr seelisches Wohlbefinden 80 von 100 möglichen Punkten. Damit liegen sie sogar über dem Durchschnitt von Hamburger und Berliner Jugendlichen. Allerdings vergeben die 14- bis 16-Jährigen mit Übergewicht durchschnittlich sieben Punkte weniger und bleiben damit deutlich hinter ihren Altersgenossen ohne Übergewicht zurück. Dies zeigt, wie sehr ihre Seele unter den zusätzlichen Pfunden leidet.

Schulprobleme von Jugendlichen scheinen in Stuttgart häufiger zu sein als in Hamburg. Mit durchschnittlich 61 von 100 Punkten zeigen die Stuttgarter Schüler deutlich weniger Zufriedenheit mit der Schule als ihre Altersgenossen in Hamburg, die durchschnittlich 64 Punkte vergeben. Die Stuttgarter Jungen mit Übergewicht vergeben für die schulische Zufriedenheit mit 55 Punkten im Durchschnitt acht Punkte weniger als ihre nicht übergewichtigen Kameraden. Die Jugendlichen wurden gefragt, ob sie die Aufgaben in der Schule gut bewältigt haben, ob der Unterricht interessant war, ob sie Versagensängste haben und ob sie sich Sorgen um ihre Zukunft machen.

Das Gesundheitsamt stellt seine Ergebnisse vor und wird dafür ausgezeichnet

Die Präsentation dieser Ergebnisse durch das städtische Gesundheitsamt wurde auf dem 57. Wissenschaftlichen Kongress des Bundesverbandes der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Bad Lausick/Sachsen mit dem dritten Preis bei den wissenschaftlichen Postern ausgezeichnet. "Das ist eine schöne Bestätigung des hohen fachlichen Niveaus unseres Amtes im Bereich der Gesundheitsberichterstattung und gleichzeitig Ansporn für die künftige Arbeit", sagte Dr. Hans-Otto Tropp, Leiter des Gesundheitsamtes.

Umsetzung der Erkenntnisse aus der Jugendgesundheitsstudie

In Stuttgart bestehen bereits zahlreiche Angebote zur Behandlung und Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Aufgrund der zu erwartenden hohen somatischen und psychischen Behandlungskosten, die durch Übergewicht verursacht werden, soll dieses Thema vorrangig aufgegriffen werden. Es wurde ein Runder Tisch eingerichtet, an dem Vertreter der Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe, Kinder- und Jugendmediziner, Vertreter der Krankenkassen und Eltern, Ernährungsexperten sowie Vertreter der Sportvereine teilnehmen. Der Runde Tisch verfolgt neben dem Austausch über die bessere Vernetzung von bereits bestehenden Projekten das Ziel, allgemein gültige Handlungsempfehlungen für Stuttgart zu formulieren. Grundlage dabei sind die Erkenntnisse aus der Jugendgesundheitsstudie.

 
 

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